Solidarität mit den Streikenden im TVöD

veröffentlicht am: 8 Okt, 2020

Warnstreiks vor der dritten Verhandlungsrunde

Seit der im Wesentlichen ergebnislosen zweiten Verhandlungsrunde um den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen (TVöD) gab es in vielen deutschen Städten Warnstreiks der Gewerkschaft ver.di, um vor der dritten Verhandlungsrunde am 22./23. Oktober die Bereitschaft und Fähigkeit der Belegschaften zum Arbeitskampf zu demonstrieren.

Arbeitgeber bleiben stur

Die Arbeitgeber hatten spekuliert, dass sie in Corona-Zeiten leichtes Spiel mit den Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst haben würden. Das Angebot der Gewerkschaft, die Tarifverhandlungen im Kern mit einer Einmalzahlung über sechs Monate zu verschieben, hatten sie abgelehnt. Ihre Vorstellung eines Abschlusses: Dankbar sein, dass man nicht arbeitslos geworden ist und 3 Jahre Vertrag mit einer Lohnsteigerung in Inflationshöhe. Die Forderung nach Angleichung der Arbeitszeit in West- und Ostdeutschland lehnten sie ebenfalls kategorisch ab. Zur zweiten Verhandlungsrunde hatte die Verhandlungsgruppe der VKA (Vereinigung Kommunaler Arbeitgeber) rund um Ulrich Mägde erst gar kein Angebot mitgebracht, weil ver.di ebenfalls nicht bereit sei, auf die Arbeitgeber zuzugehen. Außerdem seien die Forderungen in Corona-Zeiten unbezahlbar, es sei kein Geld da.

Anerkennung? Vom Klatschen zur Klatsche

Mägde, neben seiner Rolle als Verhandlungsführer der VKA selbst ver.di-Mitglied und SPD-Bürgermeister von Lüneburg, gefällt sich in der Rolle als Hardliner besonders gut. Neben den Märchen, es sei nun mal kein Geld da, hat er zur zweiten Verhandlungsrunde auch gute Tipps für die Streikenden mitgebracht. Zu den anwesenden Gesundheitsbeschäftigten bei der Verhandlungsrunde sagte er wortwörtlich: „So, ich würde vielleicht doch mal empfehlen, mal wieder zur Pflege zu gehen – da warten ein paar Leute auf Sie.“ So viel Anerkennung gibt es vom Arbeitgeber im Oktober 2020 noch für die Beschäftigten: Vom Klatschen auf dem Rathausbalkon zur Klatsche ins Gesicht.

Kein Geld da?

Aber ohnehin: Geld gibt es doch sowieso genug. Auf den Konten der Aldi-Nachfahren, der BMW-Besitzer und anderer Superreicher liegt genügend Knete für viel mehr als 4,8% Prozent. Denen geht es zu Coronazeiten nicht schlechter, als sonst. Für die Krise bezahlen wollen sie aber nicht. Die Arbeitgeber kämen auf so eine Idee auch nicht. Dabei wäre es so leicht: Nehmt Ihnen ihre Kohle und ihre Fabriken. Dann blieben uns auch die Krisen des Kapitalismus in Zukunft erspart.

Nicht klein beigeben!

Auch wenn die Enteignung der Superreichen nicht unmittelbar bevorsteht – die Krisenkosten dürfen nicht auf die Schultern derjenigen gestapelt werden, die unseren Alltag jeden Tag garantieren. Die Forderungen von ver.di sind das Mindeste, was den Beschäftigten zusteht!

Bei der Durchsetzung dieser Forderungen stehen wir solidarisch an der Seite der Kolleginnen und Kollegen und wünschen ihnen alle Kraft, die sie brauchen!

SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Bamberg
SDAJ Barsbüttel
SDAJ Berlin
SDAJ Blankenfelde-Mahlow
SDAJ Bochum
SDAJ Bonn
SDAJ Bremen-Oldenburg
SDAJ Cottbus
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankenberg
SDAJ Frankfurt
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Karlsruhe
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Landau
SDAJ Leipzig
SDAJ Limburg-Weilburg
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Neuss
SDAJ Nürnberg
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stralsund
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Viel Geklatsche, nichts dahinter

Viel Geklatsche, nichts dahinter

Beschäftigte im öffentlichen Dienst fordern materielle Anerkennung ihrer Leistungen Man konnte oberflächlich den Eindruck gewinnen, dass sich ab Mitte März die Bundesrepublik im Tiefschlaf befände. Soziale Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts wurden auf ein...

mehr lesen
Klassenkampf übers Handelsregister

Klassenkampf übers Handelsregister

Die rechtliche Spaltung der Arbeiterklasse schreitet voran Seit im Zuge der Corona-Pandemie plötzlich die menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen osteuropäischer ArbeiterInnen in der Fleischindustrie ein öffentliches Thema wurden, sind Werkverträge in aller...

mehr lesen
Klassenkampf übers Handelsregister

Klassenkampf übers Handelsregister

Die rechtliche Spaltung der Arbeiterklasse schreitet voran Seit im Zuge der Corona-Pandemie plötzlich die menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen osteuropäischer ArbeiterInnen in der Fleischindustrie ein öffentliches Thema wurden, sind Werkverträge in aller...

mehr lesen