Theorie

Die Welt erkennen und verändern

Wir wollen die Welt verändern! Das ist klar. Was vielleicht nicht ganz so klar ist, ist die Frage, wie das eigentlich funktionieren soll. Dafür soll dieser Text eine erste Hilfestellung sein.

Wir sind der Meinung, dass man die Welt in der wir leben verstehen muss, wenn man sie verändern will. Wie sonst sollte man wissen wo man bei all dem, was uns nicht passt, anfangen soll? In unserer Satzung haben wir zu unserer Gründung Folgendes festgelegt: „Weltanschaulich bekennt sich die SDAJ zu den sozialistischen Ideen, wie sie von Marx, Engels und Lenin begründet wurden.“ Heißt das also, dass wir glauben, dass sich unsere heutige Zeit hinreichend erklären lässt wenn wir die meist über 100 Jahre alten Bücher der drei wälzen? Natürlich nicht. Der Marxismus, die Weltanschauung, die sich auf die Ideen von Marx und Engels begründet,  muss in der Lage sein, neue wissenschaftliche Erkenntnisse produktiv in sich aufzunehmen um uns noch heute als Orientierungsmodell dienen zu können. Wir sind also der Meinung, dass nicht nur die Welt sich stetig entwickelt, sondern auch die Theorien, die wir brauchen um sie erkennen und verstehen zu können. Aber dass eine Theorie entwicklungsfähig ist, heißt nicht, dass sie beliebig verändert werden kann. Der Marxismus wäre nicht mehr er selbst, würde er beispielsweise die Erkenntnis verwerfen, dass alle Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen ist. Für uns bedeutet das, wer die Welt verändern will, muss sich auch permanent Kenntnisse über die Welt, so wie sie ist, aneignen. Das meint Lenin wenn er sagt „Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben“.

"Wer die Welt verändern will, muss sich auch permanent Kenntnisse über die Welt, so wie sie ist, aneignen."

Marx, Engels und Lenin haben sich über viele Sachen Gedanken gemacht und diese in einer Vielzahl an Schriften und Büchern festgehalten. Wir versuchen euch im Folgenden ein paar dieser Gedanken aufzuzeigen. Um zu verstehen in welchem Verhältnis wir als SDAJ zum herrschenden System, dem Kapitalismus, stehen, macht es Sinn, uns anzugucken, wie eben dieser Kapitalismus funktioniert.

Engels nennt die menschliche Arbeit die Quelle allen Reichtums und die erste Grundbedingung allen menschlichen Lebens. Wenn wir untersuchen wollen, wie eine Gesellschaft funktioniert, müssen wir uns demnach zu aller erst anschauen wie die Arbeit in ihr organisiert ist. Auf der einen Seite stehen da die Produktivkräfte der Gesellschaft, die wir analysieren müssen. Zu diesen sogenannten Produktivkräften zählen die Produktionsmittel, (also Maschinen, Werkzeuge, Rohstoffe, Fabrikgebäude und so weiter und so fort) und die Gesamtheit der geistigen und physischen Fähigkeiten des Menschen – die menschliche Arbeitskraft. Auf der anderen Seite steht da die Analyse der Produktionsverhältnisse innerhalb einer Gesellschaft. Damit sind die Beziehungen der Gesellschaftsmitglieder zueinander und zu den Produktionsmitteln der Gesellschaft gemeint. Ein Beispiel: Im Kapitalismus ist das Privateigentum an Produktionsmitteln das dominierende Produktionsverhältnis. Die Dinge, die ich brauche um produzieren zu können, also Maschinen, Rohstoffe etc. sind privates Eigentum einzelner Personen. Damit sind auch die Gewinne, die gemacht werden, das Eigentum einzelner Personen, obwohl das, was da produziert wird von ganz vielen Menschen gemeinsam produziert wird. Diesen Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung nennt Engels den Grundwiderspruch des Kapitalismus. Die Menschen, die für die Eigentümer der Produktionsmittel arbeiten bekommen bestenfalls ein paar Krümel vom Kuchen ab. Was wir aber wollen, ist, dass der Kuchen nicht nur gemeinschaftlich gebacken, sondern auch gemeinschaftlich verwaltet und verteilt wird und nicht von Einzelpersonen. Wir sind also gegen die im Kapitalismus herrschenden Produktionsverhältnisse und kämpfen deshalb für den Sozialismus, in dem gesellschaftliches Eigentum dominiert.

"Die Menschen, die für die Eigentümer der Produktionsmittel arbeiten bekommen ein paar Krümel vom Kuchen ab. Was wir aber wollen, ist, dass der Kuchen von allen gebacken,  verwaltet und verteilt wird - nicht von Einzelpersonen."

 

Aber lasst uns nochmal von vorne Anfangen. Was hat es eigentlich mit diesem Marxismus auf sich? Grob gliedern lässt sich die marxistische Weltanschauung in drei Bestandteile, die marxistische Philosophie, die politische Ökonomie, sowie den wissenschaftlichen Sozialismus.

Die Grundlage der marxistischen Philosophie bildet das Verständnis vom Verhältnis von Denken und Sein, Bewusstsein und Materie, Geist und Natur. Die meisten Strömungen der Philosophie gehen von irgendeiner Form der Weltschöpfung (bspw. durch einen Gott) aus. Diese Strömungen nennen wir Idealistisch. Materialisten, zu denen auch wir uns zählen, gehen davon aus, dass die Natur zuerst da war und sich auf deren Grundlage so etwas wie ein Bewusstsein bilden kann. Als dialektischer Materialismus geht der Marxismus aber davon aus, dass die Gedanken die wir uns von der Welt machen nicht nur von der Welt beeinflusst werden, sondern auch auf diese zurück wirken können. Das meint Marx wenn er sagt „die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift“. Weil die Welt nicht starr, sondern in ständiger Bewegung ist, beschreibt die Dialektik die grundlegenden Merkmale dieser Bewegungsweisen. Sie ist die Lehre von der Veränderung und Entwicklung, von den Widersprüchen und ihrer Bewegung miteinander und gegeneinander, von der Wechselwirkung im Gesamtzusammenhang.

„Die Politische Ökonomie ist die Wissenschaft, die sich mit der Herstellung der materiellen Grundlagen der menschlichen Gesellschaften beschäftigt. Sie dreht sich um die Frage, auf welche Weise die Menschen in den verschiedenen historischen Epochen den Produktionsprozess organisieren und welche Verhältnisse sie untereinander in Bezug auf diesen Prozess eingehen.“ schreiben wir in unserer Grundlagenschule. Besonders die politische Ökonomie der bürgerlichen Gesellschaft, also den Kapitalismus, hat Marx einer umfassenden Kritik unterzogen. Dabei hat er als erster aufgezeigt, wie die Menschen im Kapitalismus ausgebeutet werden und wodurch der Reichtum derjenigen entsteht, die die Produktionsmittel besitzen.

Außerdem gehen wir mit Lenin davon aus, dass die revolutionäre Bewegung eine revolutionäre Organisation braucht, die nicht in bunter Beliebigkeit alle spontanen Launen und Trends der sozialen Bewegungen mitmacht, sondern alle gesellschaftlichen Konflikte konsequent auf die Klassen- und letztlich die Systemfrage zuspitzt. Damit unterscheidet sich der Marxismus-Leninismus von anderen Weltanschauungen auch durch sein Verhältnis zur Praxis. Wir wollen nicht nur analysieren – sondern mir einer Analyse herausfinden, wie wir am besten aktiv werden können! Besonders gut zusammengefasst hat Marx das in seiner 11. Feuerbachthese, in der es heißt „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“.

 

Und als Philosophie der Praxis nimmt die marxistische Weltanschauung auch die Erfahrungen früher Anläufe zum Sozialismus produktiv in sich auf. In unserem Zukunftspapier heißt es darum „Trotz seiner Niederlage in den Jahren 1989-91 hat der Sozialismus bewiesen, dass er in der Lage ist, die kapitalistische Produktionsweise zu überwinden. Er ist die gesellschaftliche Alternative zum Kapitalismus, weil er dessen Grundlage aufhebt: Das private Eigentum an den Produktionsmitteln.“

Im Sozialismus sollen die Arbeiterklasse und ihre Verbündeten die Macht haben – kurz gesagt, diejenigen die Arbeiten und nicht „für sich arbeiten lassen“. Dazu gehört dann natürlich auch das mit dem Kuchen. Der soll nämlich gesellschaftlich verwaltet und verteilt werden. Außerdem soll das, was produziert wird gesellschaftlich geplant werden, entsprechend der Bedürfnisse der Menschen und nicht der Launen der Kapitalisten, die meist durch ihre Gier nach noch mehr Reichtum bestimmt sind.

Damit schafft der Sozialismus die Voraussetzung, um die jahrtausendelange Klassenspaltung der Menschheit in Besitzende und Besitzlose, in Ausbeuter und Ausgebeutete, in Herrscher und Beherrschte zu beenden. Der Sozialismus ist nicht nur eine Notwendigkeit, um die Grundrechte der Jugend durchzusetzen, er wird durch den Kapitalismus selbst materiell vorbereitet. 

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