Das Leben an der CUJAE

Wir bekommen das Sportprogramm gezeigt.
Wir bekommen das Sportprogramm gezeigt.

Nach einem spannenden Wochenende mit verschiedenen Ausflügen beginnt heute wieder der „Arbeitsalltag“ mit Renovierungsarbeiten, Wandgemälde malen und der Einrichtung des Netzwerks an der CUJAE. Dies bietet eine gute Möglichkeit, sich das Leben, das Student_innen hier führen, einmal etwas genauer anzuschauen. Denn der Unialltag an der CUJAE besteht nicht nur aus Seminaren und Vorlesungen, es gibt auch ein breites Angebot an sportlichen, kulturellen und künstlerischen Freizeitaktivitäten.

So bietet der Kunstprofessor Contador, der uns auch bei der Umsetzung unseres Wandbildes tatkräftig zur Seite steht, Kurse in bildender Kunst und Malerei an. Er erklärt, dass es zwei verschiedene Arten von Kursen gibt. Zum einen freiwillige Kunstseminare, die die Student_innen in ihrer Freizeit, also nach Unterrichtsende besuchen können, um malen zu lernen. Andererseits gibt es auch Malereikurse, die Teil eines Wahlpflichtbereiches im Studium sind und aus dem sich Studierende aller Fakultäten verschiedene Fächer aussuchen können. Denn, so erklärt er schmunzelnd, es sei ja schließlich wichtig, dass ein guter Ingenieur nicht nur als Ingenieur gut ausgebildet sei, sondern er müsse auch eine gute kulturelle und künstlerische Ausbildung durchlaufen. Ein Grundsatz von dem wir im deutschen Bildungssystem momentan nur träumen können.

Wir malen die Solidarität!
Wir malen die Solidarität!

Contador selber ist bereits seit 30 Jahren an der CUJAE tätig. Mit 18 schrieb er sich ein, brach das Studium jedoch nach sechs Monaten wieder ab. Er blieb an der Universität und begann dort eine Arbeit als Bauarbeiter. Innerhalb der CUJAE wechselte er im Laufe der Zeit zwischen verschiedenen Arbeitsstellen und landete schließlich am Theater, wo er ebenfalls mit einfachen Renovierungsarbeiten anfing und bis er irgendwann sogar die Leitung des Theaters übernahm. Später war er unter anderem noch für das Lager der Universität verantwortlich. Während er arbeitete, begann er parallel abends ein Kunststudium und bekam nach Abschluss des Studiums eine Stelle als Kunstlprofessor an der CUJAE, wo er bereits seit zwölf Jahren tätig ist. „Ich habe nie anderswo gearbeitet und möchte auch erst einmal nicht hier weg“, sagt er lachend. Die CUJAE ist sein zweites Zuhause geworden.

Neben den Kunstkursen werden verschiedene Sportarten wie Basketball, Fußball, Volleyball, Judo und Schwimmen angeboten. Die Teilnahme an mindestens einer sportlichen Aktivität ist in den ersten beiden Studienjahren für alle Student_innen verpflichtend und als fester Bestandteil in die Stundenpläne integriert, um neben dem Unialltag einen körperlichen Ausgleich zu schaffen und die Gesundheit zu fördern. Über dieses Pflichtprogramm hinaus, besteht auch immer die Möglichkeit freiwillig an weiteren Sportarten teilzunehmen.

Hier entsteht das Zentrum für die Arbeit zur Befreiung der Cuban 5
Hier entsteht das Zentrum für die Arbeit zur Befreiung der Cuban 5

Darüber hinaus gibt es noch viele künstlerische und kulturelle Angebote. Es werden regelmäßig Filmvorstellungen angeboten, es gibt die Möglichkeit gemeinsam Musik zu machen, einen Chor und das Theater der CUJAE, das aus Studenten und Dozenten besteht, führt regelmäßig Stücke auf. Die CUJAE ist also nicht nur eine Universität, sondern bietet den Studierenden einen Lebensraum, in dem sie sich entfalten und ihren Interessen nachgehen können.

Einen besonderen Anreiz für die Studierenden an diesen Angeboten auch wirklich teilzunehmen, stellen Wettkämpfe und Wettbewerbe dar, die sowohl zwischen den verschiedenen Fakultäten, als auch zwischen verschiedenen Universitäten stattfinden. So entstand in dem Gespräch, das ich mit meiner cubanischen Zimmergenossin und einer Freundin von ihr führte, auch sofort eine hitzige Debatte darüber, welche ihrer beiden Fakultäten nun die bessere sei. Wir einigten uns darauf, dass das wohl der nächste Wettkampf entscheiden müsse.
Mittlerweile ist das Internetcafé, das die beiden SDAJ-Brigaden hier eingerichtet haben, funktionsfähig und konnte neben unseren Brigadist_Innen auch die ersten cubanischen Studierenden beherbergen. „Und alle Angebote sind selbstverstaendlich kostenlos“, sagt Contador zum Schluss.

Roxy, Havanna