8.Mai: Let’s talk about Nazis

Wir wollen Heute mit euch über Hitler reden. Heute, am 8. Mai vor mittlerweile 72 Jahren ist Schluss mit dem zweiten Weltkrieg; die deutsche Wehrmacht kapituliert. So lange her… – Warum sollten wir jetzt darüber reden?

Nun, in der Türkei wird unter Erdogan eine zur Zeit Gewaltherrschaft errichtet, die die kurdische Bevölkerung und politische Gegner massiv verfolgt und unterdrückt; in Ungarn werden Menschen die vor Krieg und Armut fliehen in Containergefängnissen eingesperrt; in Frankreich gewinnt Marine Le Pen mit ihrer faschistischen Partei, dem „Front Nationale“ immer mehr Zulauf; in den USA hat ein rechter Populist die Präsidentschaft übernommen und hier in Deutschland werden rassistische, anti-muslimische und nationalistische Haltungen mit PEGIDA und der Alternative für Deutschland auch immer präsenter. Es scheint also als würde die Geschichte sich wiederholen. Und man fragt sich, wie kann das sein? Sind die Menschen alle so blöd, dass sie nicht wissen, dass Nationalismus, Rassismus und Faschismus Krieg, Terror und Unterdrückung bedeuten; dass vor über 70 Jahren durch den zweiten Weltkrieg allein in Deutschland und Polen über 12 Millionen Menschen ermordet wurden?

Hieran zeigen sich zwei Dinge ganz deutlich. Erstens, die Politik dieser oben genannten Staaten richtet sich nicht nach vernünftigen Entscheidungen, im Sinne der Bedürfnisse der Bevölkerung. Und zweitens, der sogenannte „Nationalsozialismus“ ist kein politischer Einzelfall, kein Unfall der Geschichte. Manchmal hört man auch heute im Geschichtsunterricht noch, dass die NSDAP nur die Macht an sich reißen konnte, weil Hitler ein so charismatischer Führer gewesen sei, der die Menschen durch seine Persönlichkeit zu solchen Gewalttaten verführt habe. Wir sind ganz anderer Meinung. Im Gegensatz zu Schulbüchern sprechen wir nicht von „Nationalsozialismus“, dem selbstgewählten Propagandanamen der Nazis, sondern von Faschismus, eben weil es in der Geschichte und Heute noch Gemeinsamkeiten der Gewaltherrschaft zwischen verschiedenen faschistischen Staaten und Parteien gab und gibt.

Eine zentrale Gemeinsamkeit besteht im politischen Programm dieser faschistischen Parteien.  Im Interesse der privaten Wirtschaft werden Rechte von Arbeitern abgebaut, Gewerkschaften bekämpft, sozialistische/kommunistische Organisationen und Personen verfolgt und die Kriegsproduktion kräftig angeheizt. Die NSDAP erhält für ihre politischen Vorhaben von Beginn an massive, nicht nur finanzielle, Unterstützung von Großkonzernen in der Weimarer Republik. Versteckt haben die Nazis ihr Programm hinter scheinbar antikapitalistischen Losungen. Sie haben sich als Vertreter der armen einfachen Arbeiter aufgespielt und mit Forderungen für den Frieden für sich geworben. Indem sie so tun als würden sie im Sinne eines „Volkes“ handeln, verschleiern Faschisten auch Heute noch den tiefen Graben der Ungleichheit der die Bevölkerung teilt.

Auch Heute wählen Menschen faschistische Parteien im Glauben, damit ihre miese ökonomische Lage zu verbessern. Auch Heute stehen hinter nationalistischen und rassistischen Positionen wirtschaftliche Interessen, denn die Menschen kämpfen nicht für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, mehr Lohn, mehr Mitspracherechte o.ä., sondern für eine vermeintliche Volksgemeinschaft, nationale, deutsche Interessen und gegen ihre ausländischen Kollegen, Nachbarn und Mitschüler.

Wir denken nicht, dass uns jetzt eine faschistische Gewaltherrschaft bevorsteht. Krieg und Ausbeutung werden zur Zeit von den großen Parteien, CDU, SPD und Grüne, umgesetzt. Und trotz der Erfahrung der deutschen Geschichte sind faschistische Organisationen und nationalistische Positionen fest in unserer Gesellschaft verankert und werden unter dem Vorwand einer demokratischen Kultur geschützt.

Unsere These ist: Der Kapitalismus bringt den Faschismus hervor. Diejenigen, die aktuell in Deutschland von den wirtschaftlichen Verhältnissen profitieren wollen ihre gesellschaftliche Rolle mit aller Macht behalten. Notfalls auch durchgesetzt auch mit einer faschistischen Diktatur.

Wenn wir dem Rechtsruck in Deutschland, Europa und der westlichen Welt etwas entgegensetzen wollen, müssen wir uns für eine Verbesserung unserer eigenen Situation engagieren und kämpfen. Das wird niemand für uns übernehmen, das können wir nur selber tun!

Wenn wir also verhindern wollen, dass sich die Geschichte wiederholt. Wenn ihr auch der Meinung seid dass Ungleichheit, Ausgrenzung und Nationalismus nicht notwendigerweise zu einer Gesellschaft dazu gehören, dann schließt euch mit euren Mitschülern zusammen. Dagegen, dass im Unterricht Quatsch über die deutsche Geschichte und die aktuelle politische Lage erzählt wird, dagegen, dass gegen Geflüchtete mobil gemacht wird und auch dagegen, dass uns Noten und Schulabschlüsse schon ganz am Anfang unseres Lebens auf bestimmte die Ungleichheit der Gesellschaft verteilen!