Novemberrevolution

veröffentlicht am: 15 Nov, 2022

Am 9. November 1918 wehten rote Fahnen über Berlin.

Die revolutionäre Bewegung, die auch unter dem Eindruck der siegreichen Oktoberrevolution von den Matrosen und Arbeitern in Wilhelmshaven und Kiel Ende Oktober ausgelöst worden war und sich seitdem verbreitete,hatte die deutsche Hauptstadt erreicht. Der Generalstreik wurde ausgerufen. Bei langen Demonstrationszügen forderten die Massen Frieden, Freiheit und Brot. Noch am 9. November gab Reichskanzler Prinz Max von Baden die Abdankung des Kaisers bekannt und übergab seine Amtsgeschäfte an Friedrich Ebert, den Vorsitzenden der SPD. Am frühen Nachmittag des 9. November proklamierte der rechte Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die „Republik Deutschland“, Karl Liebknecht die „freie sozialistische Republik Deutschland“. Schon im April und November 1917 hatten in vielen deutschen Städten Arbeiter gegen die Fortsetzung des Krieges und für ein Ende der politischen Repression gestreikt und Massendemonstrationen durchgeführt. Im Januar und Februar 1918 erschütterten die Munitionsarbeiterstreiks in vielen deutschen Städten die fragile gewordene Herrschaft des deutschen Imperialismus.

In Berlin hatte sich ein System ,,revolutionärer Obleute“ gebildet, die vor allem in den Großbetrieben der Rüstungsindustrie verankert waren und ein neues Element in der Organisierung und Durchführung proletarischer Massenaktionen darstellten. Unterstützt wurden die Obleute von der Spartakusgruppe, die für eine sofortige Beendigung des Krieges und für einen revolutionären Sturz des imperialistischen Herrschaftssystems eintrat. Am 9. November schien die alte Ordnung hinweggefegt zu sein; Berlin und viele andere deutsche Städte schienen fest in der Hand der Revolutionäre. Aber die konterrevolutionären Kräfte hatten bereits alles unternommen, um schon bald gegen die Arbeiter und Soldaten in die Schlacht ziehen zu können. Dabei bedienten sie sich nicht zuletzt der Führung der SPD, insbesondere des Parteivorsitzenden Ebert. Am 10. November versicherte Ebert dem Chef der Obersten Heeresleitung die ,,restlose Bekämpfung der Revolution, die Wiedereinsetzung einer geordneten Regierungsgewalt, die Stützung dieser Regierungsgewalt durch die Macht einer Truppe und die baldige Einberufung einer Nationalversammlung“. „Wir haben uns“, so Ebert, „verbündet zum Kampf gegen Revolution und Bolschewismus.“

Das Bündnis der Obersten Heeresleitung mit der SPD-Führung hätte allein nicht ausgereicht, um die Revolution abzuwürgen. Darum wurden Ende des Jahres 1918 die Freikorps gegründet, konterrevolutionäre Einheiten aus ehemaligen ,,Frontkämpfern“, die zum Teil schon im Baltikum gegen die Bolschewiki gekämpft hatten und nun mit offenem Terror auch gegen die deutschen revolutionären Arbeiter und Soldaten vorgingen. Finanziert wurden sie von Großindustriellen und Junkern; Liebknecht und Luxemburg sind ihre bekanntesten Opfer. Flankiert wurden dieses Doppelspiel von ideologischen Großkampagnen, die etwa von der „Antibolschewistischen Liga“, dem „Alldeutschen Verband“ und dem „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund“ organisiert wurden. Mit Vorträgen, Großveranstaltungen, massenhaft verbreiteten Flugblättern, Broschüren und Zeitungen wurden die Botschaften der Reaktion bis in den letzten Winkel Deutschlands getragen. Großspenden erhielten diese Organisationen unter anderem von Stinnes, der Deutschen Bank, AEG und Siemens.

Am Ende konnte die Revolution zum Scheitern gebracht werden – auch durch die SPD, die im Zusammenspiel mit den Vertretern der  Herrschenden alles daran setzte, den deutschen Imperialismus zu retten. Die Novemberrevolution war dennoch nicht erfolglos. Die reaktionären Kräfte mussten zumindest einige Zugeständnisse machen, die von den Arbeitern und Soldaten erkämpft worden waren: die Beendigung des Krieges, das Frauenwahlrecht, die Anerkennung der Gewerkschaften, den Achtstundentag, die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechtes, die Schaffung von Betriebsräten. So wurde manches Unerledigtes der Revolution von 1848 realisiert, zumindest zeitweise wurden mit den Räten neue Formen proletarischer Machtausübung installiert, und es gelang, die sozialen Rechte deutlich auszuweiten. Und nicht zuletzt gehört die Gründung der KPD als neue revolutionäre, organisierte und organisierende Kraft mit der Novemberrevolution untrennbar zusammen.

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