Warum wir Wandbilder auf Cuba malen

zweites-wandbild-entstehtEine Faust, die eine Steinwand zerschlägt, Menschen, die demonstrieren, der Schriftzug „Contre el bloqueo“ (Gegen die Blockade). Ein Raum weiter: Zwei Schirme, einer links, einer rechts. Der linke zeigt Deutschland- und EU-Fahne, schützt eine Bank, verschiedene Industrieanlagen und edle Gebäude vor dem fallenden Regen. Daneben fahle Menschen, die dem Unwetter ausgesetzt sind. Auf der rechten Seite ein ganz anderes Bild: Der andere Schirm, der einer Cuba-Fahne gleicht, schützt etliche Menschen, Köche, Kinder, Arbeiter, Frauen vor den fallenden Tropfen. Eindrücke von den zwei Wandgemälden, die in den letzten drei Wochen hier an der CUJAE entstanden sind.

Zeichen internationaler Solidarität
Wandgemälde haben in Cuba eine lange Tradition. Das zeigt sich schon der unserer ersten Busfahrt vom Flughafen zur Unterkunft: Überall Cuba-Fahnen und spanische Losungen, die ich nicht verstehe. Und sie begleiteten uns über die ganze Brigade: Bilder, die kämpferische Menschen voller Hoffnung zeigen, Bilder, die vom Sozialismus erzählen. Im Rahmen unsere beiden Solidaritätsbrigaden haben wir nun schon vor über einem halben Jahr einen Kunstwettbewerb ausgerufen. Die drei besten Bilder wurden ausgewählt, zwei davon in den letzten Wochen von uns gemalt, als Zeichen unserer internationalen Solidarität, als Zeichen unserer Unterstützung in Cuba – auch der ideologischen.

Kreativität und Improvisation
In Cuba angekommen warten gleich die ersten Probleme auf uns. Die Wände haben andere Maße als gedacht, Eimer & Pinsel fehlen und dazu kommt noch die tropische Hitze, die uns in den nicht klimatisierten Räumen wie ein Schlag trifft. Plötzlich sollen die Wandgemälde doch an einen anderen Ort, es wird heiß diskutiert. Eine 5 Meter hohe Wand soll nun bemalt werden, schon die Erstellung der Grundierung gestaltet sich schwierig: Auf einem klapprigen Gerüst und auf Zehenspitzen stehend erreicht der Größte von uns mit einem kleinen Pinsel dann doch noch die Decke.
Doch die cubanischen GenossInnen sind sehr hilfsbereit und kreativ. Den ersten Arbeitstag verbringen wir damit, Pinsel zu kaufen, als Eimer dienen zerschnittene Wasserkanister und -flaschen. Und wenn doch mal ein Behälter fehlt, werden eben unsere Beine dafür benutzt.

Viel Spaß und Planübererfüllung
Die Arbeit am Wandgemälde macht trotz aller Probleme viel Spaß. Immer begleitet von lauter Musik oder heißen Diskussionen kommen wir Stück für Stück voran. Die gemeinsame Arbeit schweißt zusammen. Nach wenigen Tagen sind wir ein eingespieltes Team mit klaren Aufgaben: Diana mischt Farben an, Susi kümmert sich neben dem Malen um die Umrahmung einzelner Figuren mit Graffiti-Stiften und Sila ist für die Feinarbeiten an den Figuren zuständig. Alle gemeinsam überlegen, wie man Probleme beheben, das Wandgemälde verschönern kann. Die Motivation ist groß und wird durch regelmäßige Bewunderung von Zuschauern potenziert. Wir kommen voran und uns gelingt sogar eine Übererfüllung unseres Plans: Zwei Wandgemälde und Bordüren haben wir in den letzten Wochen geschafft, viel mehr als geplant.

Symbol unseres gemeinsamen Kampfes
Nachdem die letzten Farbkleckse ausgebessert, die letzten Schriftzüge angebracht und die Pinsel ausgewaschen sind, ist es geschafft: Zwei Wandbilder, das eine über 8 Meter groß, haben wir gemalt. Wir sind stolz, trotz aller Schwierigkeiten haben die Ergebnisse unsere Vorstellungen übertroffen. Und auch die cubanischen Studierenden und Professoren sind sehr angetan: Lange bewundern sie unser Werk, freuen sich über die Wandverschönerung und die praktische Solidarität, diskutieren mit uns über die politische Aussage. Die Wandgemälde sind Symbol unseres gemeinsamen Kampfes und der gemeinsamen Ziele, die wir in den letzten drei Wochen erkannt haben.

Marlene, Frankfurt