„Das hat die Revolution gemacht“

Cuba-Brigadentagebuch 2013

Auf Cuba hat eine Klasse nicht mehr als 20 SchülerInnen

Auf Cuba hat eine Klasse nicht mehr als 20 SchülerInnen


„Nur ein gebildetes Volk ist ein freies Volk“ ist die freie Übersetzung eines Zitates von José Marti, das uns am heutigen Tag Aufschluss geben soll über die Bedeutung von Bildung im sozialistischen Cuba. Vor der cubanischen Revolution war der Zugang zur Bildung dem Großteil der Bevölkerung verwehrt, während zugleich zehntausende Lehrer vor leeren Klassenzimmern standen. Eine der ersten Taten der Revolution war es, 1961 eine Alphabetisierungskampagne ins Leben zu rufen, die der gesamten Bevölkerung zunächst einmal in umfunktionierten Kasernen Lesen und Schreiben beibringen sollte. Dies und die Errichtung zahlreicher Bildungseinrichtungen waren die erste Etappe des Kampfes für die Bildung des Volks. Hier sagt man, nur wer die gesellschaftlichen Prozesse versteht, könne sie mitgestalten und hierfür bedarf es umfassender Bildung, ein Leben lang.

„Allen Jugendlichen muss die Möglichkeit gegeben sein zu studieren und jedes Kind hat das Recht auf kostenlose Bildung“, berichtet und Julián von den Grundsätzen der cubanischen Verfassung  Laut Daten der UNESCO erhalten 100% der Kinder auf Cuba Grundschulunterricht, in Deutschland sind es weniger. Doch nicht nur die Quantität zählt, auch die Qualität. Wie uns an den Überprüfungen des Leistungsgrades in Mathematik vor Augen geführt wird, hängt Cuba bei der Pisa-Studie Länder wie Deutschland oder Norwegen um Längen ab.

Ende der 1990er Jahre wurde auf Cuba eine umfassende Studie zur Lage der Jugendlichen durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass sich hier, wie in Deutschland, an den Universitäten insbesondere Kinder aus Akademikerfamilien sammeln, während Kinder aus Arbeiterfamilien eher direkt arbeiten gehen oder eine Ausbildung machen. Diesen Weg wählten auch andere, wie zum Beispiel viele junge Mütter, Waisen und Jugendliche, die Verwandte zu Hause pflegen. So konstatierte Cuba, dass die formalen Möglichkeiten zum universitären Abschluss jedes Jugendlichen vollständig gegeben sind. Dennoch wird dieses Recht noch nicht ausreichend und nicht von allen genutzt. Cuba erkannte, dass die Probleme auf sozialer Ebene dazu führen können, dass Menschen die umfassenden Förderungen des Staates nicht nutzen, obwohl sie es formal könnten.

Unser letztes Café Tamara Bunke zum deutschen Bildungssystem

Unser letztes Café Tamara Bunke zum deutschen Bildungssystem


Es wurde ein Programm zur „Revolution des Bildungssystem“ aufgesetzt, mit dem Ziel  aus der formalen Möglichkeit eine reale machen. Um unterschiedlichen Lebenssituationen gerecht werden zu können, bedarf es individueller Förderung und Forderung. So wurden die Grundschulklassen radikal von 30 auf 20 Schüler verkleinert und Ganztagsschulen eingeführt. Hier gibt es für die Kinder viel außerunterrichtliches Angebot und gegen einen sehr geringen Beitrag – 7 Peso im Monat, so viel kostet eine Ananas auf dem Markt – Mittagessen, alle Materialien, Betreuung etc. Darüber hinaus gibt es in fast jeder Schule Computer-Unterricht und es werden vermehrt audiovisuelle Medien in den Unterricht eingebunden.
Insgesamt sollen durch diese „Revolution des Bildungssystems“ die Unterschiede in der Herkunft noch weiter ausgeglichen werden und die Kinder sollen stärker entsprechend ihrer Bedürfnisse gefördert werden.

Das ist etwas wovon wir in Deutschland mit Blick auf die sozialistische Insel nur träumen können. Ein Land, dass den Staaten, mit denen es sich in der PISA-Studie ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert, ökonomisch weit unterlegen ist, zeigt sich hier mal wieder als ziemlich fortschrittlich. Man hätte erwarten können, dass die formale Möglichkeit, dass jeder Student kostenlos studieren kann und Bücher, Essen, Wohnraum und sogar Taschengeld in Form eines materiellen Stipendiums vom Staat erhalten kann, ausreichen würde, um zu behaupten man hätte ein perfektes Bildungssystem. Aber Cuba geht weiter, weiter als wir es jemals von einem kapitalistischen Land erwarten könnten, dessen Bildungssystem auf die spätere Verwertbarkeit des Menschen auf dem Arbeitsmarkt ausgelegt ist.

Die Cubaner nehmen ihre Verfassung an dieser Stelle sehr ernst und setzen alles daran, soziale Ungleichheiten auszuhebeln. Die Direktorin der Grundschule, die wir heute besuchen sagt, „das hat die Revolution gemacht“ – ein Satz den wir hier immer wieder hören.

Paula, Havanna

IDxpZnJhbWUgd2lkdGg9IjU2MCIgaGVpZ2h0PSIzMTUiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS1ub2Nvb2tpZS5jb20vZW1iZWQvTk1IOGJwbDQ3V0kiIGZyYW1lYm9yZGVyPSIwIiBhbGxvdz0iYWNjZWxlcm9tZXRlcjsgYXV0b3BsYXk7IGVuY3J5cHRlZC1tZWRpYTsgZ3lyb3Njb3BlOyBwaWN0dXJlLWluLXBpY3R1cmUiIGFsbG93ZnVsbHNjcmVlbj48L2lmcmFtZT4=
SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Berlin
SDAJ Bochum
SDAJ Dortmund
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankfurt
SDAJ Gießen
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Leipzig
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Nürnberg
SDAJ Oldenburg-Bremen
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Abschlussrede der Brigade “Batalla de ideas”

Liebe Genossinnen und Genossen, ganze drei Wochen sind wir jetzt schon gemeinsam auf Kuba, Zeit um ein wenig auf unsere Arbeit und unsere Eindrücke zurück zu blicken. Jetzt, wo es für uns zurück in den kapitalistischen Alltag nach Deutschland und Österreich geht,...

Das Land, in dem der Machismo aussterben wird

„Karin, wäschst du gleich meine Wäsche?“, fragt David seine Freundin. Sie tippt sich mit dem Zeigefinger an die Stirn und fragt „Bist du doof?“. Wir diskutierten mal wieder über den Machismo auf Cuba, da wir oft durch das Verhalten unserer cubanischen Genossen...

Gesundheitssystem in Theorie und Praxis

Der heutige Tag begann mit einem kleinen Zwischenfall. Einer unserer Brigadisten erlitt eine Platzwunde am Kopf, nachdem er auf der Treppe ausrutschte. Innerhalb weniger Minuten waren mehrere CubanerInen zu Hilfe geeilt, um zu helfen. Schnell wurde er per Anhalter...

Vordenker

Egal, wohin es mich auf den Straßen von Havanna führt, er ist überall. Auf jedem Denkmal, jedem an die Wand gesprühtem Zitat, in den lauthals gesungenen Liedern unserer cubanischen BrigadistInnen und als Namensgeber für etliche Gebäude – José Martí. Doch was macht ihn...

Einfacher und logischer

Kurz bevor ich nach Cuba auf die Solibrigade abgereist bin, flatterte mir die dritte Zahlungserinnerung für den neuen allgemeinen Rundfunbeitrag ins Haus, der jetzt die GEZ-Zahlungen ersetzt. Während ich mir die GEZ durch allgemeine Nichtreaktion auf ihre Briefchen...

Das politische System auf Kuba

Schaut man in die deutschen Medien, erfährt man oft, dass Kuba ein autoritärer Einparteienstaat ist. Die kommunistische Partei hat das alleinige Sagen, die Castro-Brüder kleben an der Macht und leiten aus ihrer Residenz eine ineffektive Planwirtschaft. Dass das ein...