Rede auf der Abschlussfeier

Unsere BrigadistInnen sind wieder aus Cuba zurück, die nächste Brigade fliegt am 19. August 2013 nach Havanna. Bis dahin erscheinen in unserem Reisetagebuch aber weiterhin Berichte und Eindrücke von unseren drei Wochen auf Cuba.

Im Folgenden die Rede unseres Bundesvorsitzenden Björn Schmitt auf der Abschlussfeier der Brigade in Havanna:

abschlussLiebe Genossinnen und Genossen,

hinter uns liegen drei erlebnisreiche Wochen. Wir junge Menschen aus drei Nationen haben zusammen den Versuch unternommen, gegenseitig voneinander zu lernen und gemeinsam an unserem Projekt „Viva cuba socialista! Machen wir den Kapitalismus zur Geschichte“ zu arbeiten. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, Cuba nicht nur materiell zu unterstützen, sondern den Austausch über die unterschiedlichen Formen, den unser gemeinsamer Kampf für den Sozialismus in unseren Ländern annimmt, zu organisieren. Und ich glaube, dass uns dank der großartigen und aufopferungsvollen Unterstützung des RED, der UJC, der CUJAE und der FEU gelungen ist. Ganz besonders danken muss ich natürlich Julian, der die Brigade unermüdlich geplant und organisiert hat und das auch für die zweite Brigade tut. Er hat uns inspiriert, motiviert und hatte immer ein offenes Ohr für die kleinen Probleme bei den Arbeiten und die großen Fragen des Sozialismus. Mich persönlich hat es beeindruckt, wie du unsere gemachten Erfahrungen – sei es bei Besichtigungen der Arztpraxen, sei es bei Alltagserlebnissen in den politischen Kontext der cubanischen Revolution eingeordnet hast. Nachdrücklich hast du immer wieder eingefordert, über das gelernte an jedem Tag nachzudenken und Fragen zu stellen.

In der Arbeit haben wir uns gegenseitig kennengelernt und ein freundschaftliches und solidarisches Verhältnis zueinander entwickelt. Obwohl wir aus Ländern mit so unterschiedlichen Verhältnissen kommen und wir zusätzlich noch mit der Sprachbarriere kämpfen mussten, hat unsere gemeinsame Überzeugung, diese Unterschiede in den Hintergrund treten lassen. Es ist eben doch etwas anderes, ob wir uns nur gegenseitig unserer Solidarität versichern, oder ob wir auch ganz praktisch zusammenarbeiten und in diesem Prozess etwas über den jeweils anderen und sein Land erfahren. Die Begleitung durch Euch, die kubanischen Brigadeteilnehmer, hat uns einen tiefen Einblick in eure Lebensrealität gegeben und die Brigade zu einem Erfolg gemacht. Und wir haben euch als gastfreundliche und liebenswerte Menschen und Genossen kennengelernt. Dafür danke ich euch ganz herzlich im Namen der SDAJ!

Für die meisten von uns aus dem kapitalistischen Europa war es das erste Mal, dass wir das sozialistische Cuba aus nächster Nähe kennenlernen konnten. Das ist deswegen ein so wichtiges Erlebnis für uns, weil es um eine Gesellschaft geht, die wir sonst nur aus der Theorie kennen: Eine Gesellschaft, in der nicht mehr die großen Banken und Konzerne über die Zukunft junger Menschen entscheiden, sondern diese über sich selbst bestimmen.

Wir haben die Errungenschaften der Revolution aus nächster Nähe erlebt. Wir haben gesehen, wie ein Land unter größten Schwierigkeiten und Opfern jedem Menschen eine kostenlose und qualifizierte Gesundheitsversorgung bietet. Wie hier ein Bildungssystem aufgebaut wurde, das Forschung auf Weltniveau hervorbringt. Wir haben einen Eindruck gewonnen, wie im politischen System Cubas die Beteiligung der Bevölkerung an den Entscheidungen sichergestellt wird, trotz der ständigen Bedrohungssituation durch den Imperialismus. Es ist dabei aber auch klar geworden, dass der Aufbau des Sozialismus ein langwieriger und widersprüchlicher Prozess ist, dass z.B. die Einbeziehung größerer Teile der Bevölkerung, insbesondere die Jugend Kubas eine Herausforderung für Partei und Jugendverband ist.

Ich hoffe, dass unsere Beiträge über die Situation von Jugendlichen in Deutschland euch einen Einblick in das Leben im Kapitalismus geben konnten. Unsere Botschaft lautet zusammengefasst: Der Kapitalismus bedeutet Unsicherheit, Zukunftsangst und für immer mehr Menschen auch in Deutschland und Österreich ein Leben in Armut. Wir hoffen, dass unsere Schilderungen euch helfen, hier in Kuba Illusionen, die es möglicherweise auch unter Jugendlichen über den Kapitalismus gibt, zurückzudrängen.

Wir können nun in Deutschland aus eigenem Erleben davon erzählen, wie die Situation der Bevölkerung auf Kuba ist und den Horrormeldungen der bürgerlichen Propaganda etwas entgegensetzen. Wir haben gesehen, dass es eine Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung, Gesundheit, Bildung, Kulturmöglichkeiten, Technologie gibt, die in vielen anderen Ländern Lateinamerikas undenkbar ist. Dabei übersehen wir nicht die wirtschaftlichen Probleme Kubas. Aber wir kennen die Ursachen, vor allem den ökonomischen Krieg des Imperialismus. Und wir sehen auch, wie Kuba durch eigene Anstrengung z.B. mit Forschung im Pharmabereich und mit solidarischen Wirtschaftsbeziehungen zu Staaten wie Venezuela sich dieser Probleme entledigen wird.

Zuletzt möchte ich noch zu etwas zu den Namensgebern unserer Brigade, Los Cinco sagen. Natürlich war uns der Fall der 5 in Deutschland bekannt und wir haben auch bereits einige bescheidene Aktivitäten zur Befreiung der 5 durchgeführt. Aber euer Kampf, besonders die Aktivitäten des RED und die Schilderung der bedrückenden Situation der 5 und ihrer Familienangehörigen haben uns nochmal deutlich vor Augen geführt, welche Ideen und welche Kraft nötig ist, um den Fall in Deutschland bekannter zu machen und die praktische Solidarität zu verstärken.

Ich glaube, dass diese Brigade – und hoffentlich auch die zweite – uns deutsche, österreichische und kubanische Anhänger des Sozialismus näher zusammengebracht hat und wir alle stärker und voller Erinnerungen zurückkehren werden, die wir mit unseren Genossen und Freunden teilen werden.

Viva Cuba socialista!
Viva Alemania socialista!
Viva Austria socialista!