Schild während der Apartheid in Südafrika

Deutsche Ausbeuter in Südafrika

Schild während der Apartheid in Südafrika
Auch der Deutsche Daimler-Konzern unterstützte die Rassentrennung in Südafrika.

Ein New Yorker Gericht verhandelt derzeit eine Klage des Apartheid-Opferverbands Khulumani (Suaheli für „Sprich es aus“) gegen die deutschen Konzerne Daimler und Rheinmetall wegen deren Mittäterschaft bei Menschenrechtsverletzungen – ein Vorwurf, der vor südafrikanischen Gerichten genauso wenig einzuklagen ist wie vor deutschen. Bezogen auf den Rüstungskonzern Rheinmetall ist der Fall klar. Einige Manager wurden schon 1986 in Deutschland für die heimliche Lieferung einer kompletten Munitionsfüllanlage über Paraguay und Brasilien nach Südafrika verurteilt.

Daimlers Allianz mit dem Rassistenregime

Der Daimler-Konzern, der während der Apartheid-Zeit sein Südafrikageschäft ausbaute und seitdem ein großes Werk in East London besitzt, soll Militär- und Polizeifahrzeuge geliefert haben – Unimogs und andere Geräte, mit denen die Unterdrücker Aufstände niederwalzten. Daimler zieht sich darauf zurück, dass alles „im Einklang mit dem geltenden deutschen Recht“ gewesen sei, und zeigt sich stolz darauf, in Südafrika geblieben zu sein, während sich viele Konzerne etwa aus den USA in den 80er-Jahren zurückzogen „und ihre Mitarbeiter ihrem Schicksal überließen“. Außerdem verweist der Konzern auf seine Wohltaten wie ein Aids-Aufklärungsprogramm für seine Beschäftigten.

Doch Daimler steht für die Allianz des deutschen Kapitals mit den südafrikanischen Rassisten, die in den 80er-Jahren, als die Apartheid schon abgewirtschaftet hatte und in die internationale Isolation geriet, nur enger wurde. Daimler war ein wichtiger Teil des Programms der Regierung, alle wichtigen Industrieprodukte im Inland zu fertigen. Der Leiter von Mercedes-Benz Südafrika in diesen Jahren, Jürgen Schrempp, stieg später zum Konzernchef in Stuttgart auf, als Vorgänger des heute amtierenden Dieter Zetsche. Noch heute leitet er die „Südliches Afrika Initiative der deutschen Wirtschaft“.

Deutsches Kapital als wichtigster Finanzier der Apartheid

Nicht zugelassen wurde in New York die Klage gegen Banken, obwohl die erst die Aufrüstung Südafrikas ermöglichten. Die Deutsche Bank, die Commerzbank und andere hielten den Apartheid-Staat, der schon 1985 pleite war, über Wasser. Die von ihnen geleitete Umschuldung im Jahr 1989 wurde vom ANC als „unmenschlicher Akt“ verurteilt. Laut einer Studie für „Brot für die Welt“ von 1999 war „deutsches Kapital der weltweit wichtigste Direkt-Finanzier der Apartheid“. Zum Schluss lag gut ein Viertel der Ansprüche auf südafrikanische Staatsschulden in deutscher Hand.

Mehr als 300 deutsche Unternehmen machten Geschäfte mit Südafrika. Ob Bosch, Krupp oder der Siemens-Konzern, der sogar bei der atomaren Bewaffnung der Armee half – sie nutzten die in Rassen gespaltene und entrechtete Arbeiterklasse als billiges Arbeitskräftereservoir, und sie verlängerten das Leben dieses Regimes. Die Bundesregierung stützte die Profiteure mit mehreren Milliarden Mark an Hermes-Kreditbürgschaften.

Der Einfluss der deutschen Rüstungslobby

Nach der Befreiung 1994 setzten die deutschen Konzerne ihre Ausbeutung nahezu nahtlos fort. Auch das neue Südafrika brauchte die Arbeitsplätze und umwarb die Investoren. Im Jahr 2000 flog ein riesiger Korruptionsskandal um die Bestellung von Rüstungsgütern wie Korvetten, Hubschraubern oder U-Booten für die südafrikanische Armee auf. Deutsche Lieferanten wie ThyssenKrupp oder Eurocopter (EADS) sollen hochrangige Politiker mit mehr als einer Milliarde südafrikanischer Rand bestochen haben. Aufgeklärt sind die Vorwürfe bis heute nicht.

Die Legende vom „stillen Widerstand“

Aber das deutsche Kapital pflegt seine Legende, den Wandel in Südafrika befördert zu haben. Besonders gnädiges Licht wirft Volkswagen im Rückblick auf sich selbst. Der Konzern, der seit Anfang der 50er Jahre ein Werk in Uitenhage betreibt, rühmt sich sogar des „stillen Widerstands“ gegen die Apartheid. So habe VW trotz Verbots 1982 den ersten schwarzen Facharbeiter in Südafrika ausgebildet, mit den verbotenen Gewerkschaften verhandelt, gleiche Rechte für Träger aller Hautfarben garantiert. Daran stimmt auch einiges, vor allem dank des solidarischen Einsatzes der Gewerkschaften und Betriebsräte in Deutschland und der kämpferischen Belegschaft in Uitenhage. An der besonderen Ausbeutung der schwarzen Südafrikaner ändert das aber nichts.

Die Ausbeuter machen weiter

Dass auch VW kein Hort der Arbeiterfreunde ist, zeigte sich im Jahr 2000. Wegen Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen, die teilweise noch hinter die Apartheid-Zeit zurückfielen, hatten die Arbeiter neue, kämpferische Betriebsräte gewählt, die aber entlassen wurden. Als sie aus Protest streikten, wurden gleich 1300 der 6000 Beschäftigten vor die Tür gesetzt.

Laut Volkswagen Südafrika gehört heute jeder vierte Manager zu einer „früher benachteiligten Gruppe“ (also den Nicht-Weißen). In der Gesamtbelegschaft sind es allerdings 82 Prozent. Es bleibt also dabei, dass die meisten Gesichter in den Chefetagen weiß sind, in den Werkshallen schwarz. Die rassistischen Gesetze sind weg, die rassistische Ausbeutung ist geblieben.

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