Konflikt von Berg-Karabach und die deutsche Doppelmoral

veröffentlicht am: 19 Sep, 2022

Am Montag, den 12. September ist es zu einem erneuten, bedrohlichen Aufflammen des Konfliktes um die Region Berg-Karabach (armenisch „Arzach“) gekommen. Nach der massiven Eskalation im Herbst 2020 und der darauf folgenden Niederlage der armenischen Armee sind vergangene Woche 105 armenische Soldaten sowie 71 Azeris gefallen. Der Angriff ging eindeutig von Aserbaidschan aus, Raketen trafen diesmal selbst das armenische Kernland, ein Durchbrechen zur autonomen Republik Nachitschewan ist denkbar. Die armenische Seite soll, trotz Protestes, mittlerweile bereit sein, das Gebiet aufzugeben, nachdem die Peacekeeper-Mission russischer Streitkräfte nicht eingegriffen hatte. Mittlerweile gilt seit Mittwochabend ein gefährdeter Waffenstillstand, welcher durch Russland vermittelt werden konnte. Hintergrund des Konfliktes ist Aserbaidschans Anspruch auf das christliche armenisch-besiedelte, fruchtbare Gebiet, welches sich vor 34 Jahren vom mehrheitlich schiitischen Aserbaidschan lossagte, aber es geht offensichtlich offensiv darüber hinaus. Nach 6500 Todesopfern konnte im November 2020 ein durch Russland bewirktes Friedensabkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan besiegelt werden, welches Aserbaidschan 2/3 der Region Berg-Karabach zusicherte.

Der internationale Background bildet zweierlei – zum einen muss Russland offenbar aufgrund seiner militärischen Manöver in der Ukraine in seinem Status als Schutzmacht Armeniens kürzer treten, zum Anderen – jedoch wesentlich schwerwiegender – wird die aserbaidschanische Eskalation durch die EU sowie das NATO-Land Türkei gedeckt, finanziert und ausgerüstet. Nachdem man sich im rot-grünen Wahn von russischen Energien loslösen mag, ist Aserbaidschan und seine reichhaltigen Quellen ein geachteter und mächtiger Partner im Sanktionsspiel des Westens. Ursula von der Leyen bezeichnete das autokratisch geführte Aserbaidschan gerade erst als „vertrauenswürdigen Partner“, historisch eng sind die Kontakte der deutschen Wirtschaft wie der CDU/CSU zum Alijew-Clan und erst letzte Woche verkündete die Bundeswehr eine engere Kooperation mit der Armee der kaukasischen Ölnation.

Die deutsche Doppelmoral und politische Werte-Heuchelei kennen keine Grenzen, in den Straßen fehlen armenische Flaggen, keine Sondersendung der Tagesschau und keine Krokodilstränen der Parteien – derweil wird die Diskussion über Waffenlieferungen für Kiew wieder aufgenommen.

Gruppenkarte

finde die SDAJ Gruppe in deiner Nähe!

mehr zum Thema

Berliner Sparkasse sperrt das Konto der jüdischen Stimme

Berliner Sparkasse sperrt das Konto der jüdischen Stimme

Am vergangenen Dienstag wurde ohne Vorwarnung das Konto der Jüdischen Stimme gesperrt, eines Berliner Vereins, welcher sich „für gerechten Frieden im Nahen Osten“ einsetzt. Gleichzeitig fordert die Sparkasse von der Jüdischen Stimme diverse Vereinsunterlagen, unter...

mehr lesen
Wir wollen nicht zum Krieg erzogen werden!

Wir wollen nicht zum Krieg erzogen werden!

Überall sehen wir Werbung für die Bundeswehr auf Plakaten, auf Straßenbahnen oder auf YouTube. Lautstark fordern Politiker die Wiedereinführung der Wehrpflicht, Aufrüstung, Atombomben und ein kriegstüchtiges Deutschland vom Krankenhaus bis zum Hörsaal und...

mehr lesen
Worum geht es dieses Jahr bei der SiKo?

Worum geht es dieses Jahr bei der SiKo?

Die sogenannte Sicherheitskonferenz (SiKo) findet vom 16. bis zum 18. Februar in der Münchner Innenstadt statt. Worum es bei der SiKo allgemein geht und warum wir dagegen protestieren, haben wir im letzten Post dazu schon thematisiert. Aber was steht dieses Jahr...

mehr lesen