Die große Ungleichheit – zur Situation in unseren Krankenhäusern

veröffentlicht am: 24 Nov, 2020

Während die Covid-19-Fallzahlen steigen, herrscht in Deutschlands Krankenhäusern große Ungleichheit. Zum einen zwischen den Häusern: Mancherorts wird Station um Station für die Covid-Behandlung umgebaut. Andernorts halten sich die Fallzahlen noch in Grenzen. In einigen Häusern läuft das geplante OP-Programm noch relativ normal weiter, in anderen ist es schon weitgehend eingefroren. Zum anderen auch in den Häusern: Die eine Abteilung wird zur Covid-Station und geht auf dem Zahnfleisch, die andere wird durch das reduzierte Planprogram vielleicht entlastet, eine dritte hat Mehraufwand durch chaotische neue Regelungen.
Diese Unterschiede kommen einerseits durch regionale Unterschiede, anderseits sind sie aber auch eine wesentliche Folge des Flickenteppichs der deutschen Krankenhauslandschaft: einem einheitlichen, an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichteten Plan folgt sie schon lange nicht mehr. Die einzelnen Träger sind sehr frei in ihren Entscheidungen, können eigene Regelungen finden. Die privaten Träger sind auf Profit ausgerichtet, Pandemiebekämpfung füllt nicht so gut die Taschen ihrer Aktionäre – auch das ist eine Ursache der oben genannten Unterschiede.

 

Im Zweifel alles auf unsere Knochen

Momentan ist die Lage im Griff. Aber egal, wie nett oder ätzend der Chef im Einzelnen ist: Es wird wieder vorbereitet, dass wir 12-Stunden-Schichten und 60-Stunden-Wochen schuften dürfen, wenn sich die Situation verschlimmert. Wir sollen in einzelnen Häusern schon jetzt trotz positivem Test weiterarbeiten. Die Bundesländer wollten schon im Frühjahr medizinisches Personal im Zweifel per Gesetz zwangsverpflichten. Es werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit man, wenn die Hütte richtig brennt, möglichst schön zu uns sagen kann: Ab in die Knochenmühle. Applaus, Applaus.

 

Was hilft: #gesundheitstattprofite

Es gibt in jedem einzelnen Haus sicher viele verschiedene Hebel, wie man Corona besser begegnen können. In einem mehr, in einem anderen vielleicht weniger. Aber vor allem wird wieder einmal klar: Wir brauchen ein gemeinwohlorientiertes, geplantes Gesundheitswesen, das vor profitgetriebenen Alleingängen geschützt ist. Und wir brauchen in allen Berufsgruppen den Aufbau von Personal und menschenwürdige Arbeitsbedingungen – nicht nur in Pandemiezeiten, sondern immer!

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