"Back to School background with Pencil, erase and School equipment" by wuestenigel is licensed under CC BY 2.0

Schüli-Kolumne: Prüfungsdruck um jeden Preis

veröffentlicht am: 12 Nov, 2020

Die Pandemie sorgt für noch katastrophalere Zustände an den Schulen

In den vergangenen Wochen begann auch in den letzten Bundesländern wieder der Schulalltag. Doch angesichts der immer noch währenden Corona-Pandemie, sind die Voraussetzungen für Unterricht katastrophaler als sie es schon vor der Pandemie waren. Nachdem nun durch das „Homeschooling“ schon Prüfungen und andere Leistungsnachweise verspätet erbracht worden sind, wird die Wirtschaft langsam ungeduldig. Sie brauchen neue Arbeitskräfte und deswegen wird jetzt auch überall gnadenlos der Schulbetrieb wiederaufgenommen. Dazu zählt auch, Prüfungen knallhart zu Terminen zu schreiben, die vielleicht vor der Pandemie Sinn gemacht haben, jetzt jedoch entsprechend schlecht ausfallen, da viele Schüler Themen nur teilweise verstanden haben und die Lehrkräfte nicht genügend Zeit aufgewendet haben, diese Lücken zu füllen.

Zwar haben durch die Schulöffnungen nun die Schüler und Schülerinnen, welche im „Homeschooling“ aufgrund fehlender technischer Ausstattung keine Möglichkeit hatten am Unterrichtsgeschehen teilzunehmen, nun wieder die Chance eben dies zu tun. Jedoch sind viele Schulen in solch einem schlechten Zustand, dass die Wahrscheinlichkeit, sich mit Corona zu infizieren in der Schule umso höher ist. Wir fordern daher eine landesweite gründliche Sanierung von Toiletten in Schulen, ausreichend Hygieneartikel wie Handtücher und Desinfektionsmittel, die Einstellung von mehr Lehrkräften für kleinere Klassen, keine Prüfungen und andere Leistungsnachweise während der Pandemie sowie staatliche Unterstützung für SchülerInnen durch technische Geräte.

Warum gibt es diese Probleme überhaupt?

Wie bei fast allen Problemen finden wir die Wurzel des Übels in der Ökonomie. Es sind nämlich die Produktionsverhältnisse des Kapitalismus, welche uns die schlechten Verhältnisse im Bildungssystem bescheren. Die herrschende Klasse hat überhaupt kein Interesse daran, uns eine besonders gute Bildung zur Verfügung zu stellen. Auf der einen Seite hängt es damit zusammen, die herrschende Ideologie zu erhalten, auf der anderen würde das Geld, welches in Bildung investiert werden würde, in anderen Bereichen fehlen. Dann könnten keine neuen Kampfjets mehr gekauft werden, die amerikanische Nuklearwaffen auf Russland abwerfen sollen, dann können sich in Krisen die Bankenchefs keine Provisionen mehr in Millionenhöhe auszahlen.

Zwar brauchen die zukünftigen ArbeiterInnen ein gewisses Bildungslevel und es braucht auch höher gebildete ArbeiterInnen, die dann zum Beispiel als Beamte fungieren, jedoch kommen diese ohnehin meist aus besseren sozialen Verhältnissen. Denn gerade in Deutschland hängt die ökonomische Lage der Eltern stärker mit den Bildungsergebnissen der Kinder zusammen, als in so manchen anderen Ländern.

Durch die Pandemie sind diese Symptome unseres unterfinanzierten, faulenden, reformationsbedürftigen Bildungssystems also nur verstärkt und klarer zutage getreten. An sich gibt es genug Geld, es liegt an uns, wann wir es uns holen!

Lasse, Barsbüttel

Dieser Artikel erschien in der aktuellen Position, dem Magazin der SDAJ.

SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Bamberg
SDAJ Barsbüttel
SDAJ Berlin
SDAJ Blankenfelde-Mahlow
SDAJ Bochum
SDAJ Bonn
SDAJ Bremen-Oldenburg
SDAJ Cottbus
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankenberg
SDAJ Frankfurt
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Karlsruhe
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Landau
SDAJ Leipzig
SDAJ Limburg-Weilburg
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Neuss
SDAJ Nürnberg
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stralsund
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Falscher Frieden – Zu den jüngsten Entwicklungen in Nahost

Falscher Frieden – Zu den jüngsten Entwicklungen in Nahost

Im September unterzeichneten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain und Israel im Weißen Haus eine Reihe an Abkommen, die neben der Normalisierung diplomatischer Beziehungen auch neue Möglichkeiten zur politischen und wirtschaftlichen Kooperation schaffen....

mehr lesen
Friedrich Engels und der Marxismus – Wer war dieser Mann?

Friedrich Engels und der Marxismus – Wer war dieser Mann?

Friedrich Engels, am 28. November 1820 in Barmen geboren, sollte die Firma seines Vaters (Baumwollverarbeitung) weiterführen. Während einer Kaufmannslehre in Bremen löste er sich vom heimischen orthodoxen Christentum (konkret dem Pietismus) und öffnete sich...

mehr lesen
Wozu brauchen wir eine wissenschaftliche Weltanschauung?

Wozu brauchen wir eine wissenschaftliche Weltanschauung?

Der utopische Sozialismus Marx und Engels waren nicht die Ersten, die den Kapitalismus und seine Ungerechtigkeiten angriffen und ihm eine andere, freiere Gesellschaftsformation gegenüberstellten. Die brutale Ausbeutung und Verelendung der Arbeiterklasse im sich...

mehr lesen