Akkumulation, Konzentration, Expansion

Beate Landefeld ist gelernte Hotelfachfrau, hat Literaturwissenschaft und Soziologie studiert und ist Mitautorin des Buchs „Staatsmonopolistischer Kapitalismus“ (Köln 2014). Stephan Müller hat VWL studiert und schreibt u.a. in der „Kommunistischen Arbeiterzeitung“ (KAZ), in der Wochenzeitung „Unsere Zeit“ (UZ) und der Tageszeitung „jungeWelt“ (jW).
“UNSERE THEORIE IST KEIN DOGMA, SONDERN EINE ANLEITUNG ZUM HANDELN” – LENIN Beate Landefeld ist gelernte Hotelfachfrau, hat Literaturwissenschaft und Soziologie studiert und ist Mitautorin des Buchs „Staatsmonopolistischer Kapitalismus“ (Köln 2014).
Stephan Müller hat VWL studiert und schreibt u.a. in der „Kommunistischen Arbeiterzeitung“ (KAZ), in der Wochenzeitung „Unsere Zeit“ (UZ) und der Tageszeitung „jungeWelt“ (jW).

War früher alles besser? Ältere sagen, früher hätte man mit dem Chef noch reden können, aber heute hätte der Aktionäre und immer härtere Renditezwänge im Nacken. Der „Raubtierkapitalismus“ müsse gezähmt werden. Hat es je einen zahmen Kapitalismus gegeben?

Kapital bedeutet, jemand setzt Geld ein, um mehr Geld zu bekommen, kauft Anlagen, Rohstoffe und Arbeitskraft. In der Produktion entstehen daraus Waren, die auf dem Markt mehr einbringen müssen als das eingesetzte Kapital. Die Ware Arbeitskraft kostet weniger, als sie in der Produktion an Wert erzeugt, sie schafft Mehrwert. Aus dem Mehrwert kommt der Profit. Wenn der Kapitalist den Profit ganz oder teilweise wieder investiert, ist sein Kapital größer geworden, er hat „Kapital akkumuliert“ (accumulare lateinisch: anhäufen). Die kapitalistische Akkumulation beruht auf der Aneignung von Mehrwert, auf der Ausbeutung angemieteter, fremder Arbeit.

Ihr ging einst die „ursprüngliche Akkumulation“ voraus, in der, oft mit Hilfe des Staates, kleine Produzenten, Bauern und Handwerker von ihren Produktions- und Existenzmitteln getrennt wurden und die beiden Hauptklassen entstanden, ohne die Kapitalismus nicht möglich ist: Die Klasse der Privateigentümer, die die entscheidenden Produktionsmittel in ihren Händen monopolisieren und die der Lohnabhängigen, die vom Verkauf ihrer Arbeitskraft leben.

Der Kapitalismus hat den freien Markt hervorgebracht, auf dem die starken Kapitalisten die schwachen schlagen. Die mit dem höheren Profit akkumulieren schneller, bekommen eher und mehr Kredit, investieren in bessere und größere Anlagen und schlucken die Schwächeren. Kapitalkonzentration ist kein Zufall, sondern Gesetz des Kapitalismus.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj.org
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Je größer das Kapital, desto schärfer die Konkurrenz. Ab einer gewissen Größe wird nicht mehr kaufmännisches Geschick, sondern Marktmacht entscheidend. Dafür bilden Konzerne Kooperationen und Kartelle, legen für Übernahmen Kriegskassen an. Siemens, Telekom, SAP und Bosch halten mit dem Projekt ‚Industrie 4.0‘ dagegen. Ist eine Monopolposition aufgebaut, können riesige Extraprofite abgeschöpft werden. Der Konzentrationsprozess auf dem nationalen Markt reicht längst nicht mehr. Stärkere Staaten dominieren schwächere. Der deutsche EU-Digitalkommissar Oettinger ruft die Digitalunion aus. In der EU versuchen deutsche Großkapitalisten im Bündnis mit Frankreich, andere europäische Länder zu dominieren, um gegen die USA, Japan und aufsteigende Schwellenländer besser konkurrieren zu können.

Ständige Krisen zeigen, dass der Kapitalismus überholt ist. Das Privateigentum an Produktionsmitteln entspricht nicht mehr der Vergesellschaftung der Arbeit, die den Reichtum erzeugt für immer weniger Superreiche. Aus der Konkurrenz der Superreichen und den Krisen des Systems erwachsen internationale Spannungen und Kriegsgefahren. Träume vom Zurück zu einem „zahmen“ Kapitalismus sind irreal. Die Lösung liegt im Vorwärts zur gemeinsamen, demokratischen Planung und Aneignung der Produktion durch uns, die Produzenten, das heißt im Sozialismus.

Beate, Essen und Stephan, München

Dieser Artikel erschien in
POSITION #4/2016
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