Turboabi verschärft Leistungsdruck & Selektion! – SDAJ unterstützt Schülerdemo

veröffentlicht am: 12 Mai, 2013

Flyer_Cover_3_A6Die momentane Situation ist brisant, der Doppeljahrgang in NRW und Hessen hat Abitur gemacht und wird bald auf den Studien- und Ausbildungsmarkt strömen. Zwei große und bevölkerungsreiche Bundesländer. Nun fehlen, um das Unglück komplett zumachen, nur noch Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein – die Reform zur Schulzeitverkürzung scheint unumkehrbar. Folgen des doppelten Abiturjahrgangs sind vor allem verschärfter Studien- & Ausbildungsplatzmangel, zu wenig Wohnraum und extrem steigender Konkurrenzdruck, durch erhöhte NCs und weiter verschlechterte Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt.

Die LandesschülerInnenvertretung in NRW nimmt den Doppeljahrgang zum Anlass um deutlich zu machen, dass die Schulzeitverkürzung uns allen schadet, ob Abiturientin, Realschüler, Lehrer, oder Mutter. Unterstützt durch die SDAJ ruft die LSV daher zur Demonstration gegen das Turboabi am 15. Mai in Düsseldorf auf. Die Demo stellt den Abschluss der Kampagne „Gute Nacht G8“ dar.

Und die Vorteile der Schulzeitverkürzung sind auch völlig offensichtlich, jedenfalls für die deutschen Konzerne und ihren Staat: Ein Jahr weniger Schule bedeutet auch ein Jahr weniger, das finanziert werden muss. Die SchülerInnen kommen ein Jahr früher auf den Arbeitsmarkt um dort ihr Arbeitskraft zu verkaufen und den Standort Deutschland international noch konkurrenzfähiger zu machen, schließlich wird in anderen Ländern das Abitur auch nach 12 Jahren gemacht. Die aktuellen Diskussionen um die Rente mit 70 vervollständigen das Bild, unsere Lebensarbeitszeit soll weiter erhöht werden.

Doch die eigentlichen Betroffenen, die SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen wurden nicht nur nicht in diese Entscheidung mit einbezogen, sondern müssen nun auch die unschönen Nebenwirkungen ertragen.
G8 hat in erster Linie den Leistungsdruck auf die SchülerInnen erhöht. Diese Wirkung bringt einiges mit sich. Durch die verkürzte Schulzeit und die nur unzureichend und an falscher Stelle entschlackten Lehrpläne sinkt die Qualität des Unterrichtes massiv. Inhalte rücken in den Hintergrund, es werden fast nur noch Methoden und Techniken durch Frontalunterricht gelehrt. Und als sei das noch nicht genug, hat sich auch die Wochenstundenzahl der SchülerInnen massiv erhöht. G8-SchülerInnen ist es nahezu nicht möglich Zeit für Freizeit oder ein Privatleben aufzubringen. Die Anmeldungen an Musikschulen und in Sportvereinen sinkt rapide. Auslandsaufenthalte während der Schulzeit werden zum Ding der Unmöglichkeit. Auch das Mitwirken in SVen und anderen politischen Jugendorganisationen wird enorm erschwert, die Partizipationsmöglichkeiten der SchülerInnen werden massiv beschnitten und durch G8 de facto zu Nichte gemacht. Gestiegen hingegen ist in Folge des Leistungsdrucks die Zahl der SchülerInnen, die zusätzlich zum Schulunterricht Nachhilfe benötigen. Wer sich die nicht leisten kann bleibt schnell auf der Strecke. Vor allem Arbeiterkinder haben so schlechtere Chancen in diesem Bildungssystem als ihre Mitschüler aus wohlhabenderen Familien. Und so wird G8 auch zum familiären Problem – übermüdete und überforderte SchülerInnen & verzweifelte Eltern die versuchen das aufzufangen was die Schule nicht schafft. Burnouts sind schon längst nicht mehr nur ein Problem der Erwachsenen.

Immer wieder bemängeln fortschrittliche Verbände, wie auch die SDAJ oder die LSV NRW die Selektion im deutschen Schulsystem. G8 dramatisiert diese Situation noch zusätzlich. Nicht alle Schulen haben das Abitur nach 12 Jahren, beispielsweise werden Gesamtschulen und Oberstufenkollegs weiterhin das Abitur nach 13 Schuljahren anbieten. Eine zusätzliche Selektion kommt also zum einen auf durch die Schaffung eines Zwei-Klassen-Abiturs (nach 12 bzw. nach 13 Jahren) zum andern, weil die Durchlässigkeit des Schulsystems sich durch G8 massiv verschlechtert hat. Die Möglichkeit von einer Real- oder Hauptschule auf ein Gymnasium zu wechseln um dort das Abitur zu machen tendiert gegen null.
Mancherorts wird Schulen unter gewissen Umständen angeboten zu G9 zurück zu kehren. Problematisch daran ist zum einen der organisatorische und finanzielle Aufwand, den meist die Schulen selbst bewältigen müssen, und zum anderen das Nachsehen der SchülerInnen beim Suchen nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz.
Zu lösen ist das Problem nur durch eine flächendeckende Umstellung auf das 13 jährige Abitur – finanziert durch diejenigen die später am meisten von unserer Ausbildung profitieren, den Banken & Konzernen.

Damit ist G8 auch nicht nur ein schulpolitisches Problem, es geht uns alle etwas an und gemeinsam müssen wir jetzt, wo das Turboabi noch in der öffentlichen Debatte ist, etwas dagegen unternehmen.

Wir fordern:

  • Schulzeitverkürzung zurück nehmen
  • Eine Schule für alle
  • Zeit für eine integrierte SV- Stunde pro Woche
  • Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne
  • Ausbildungs- & Studienplätze für alle

Kommt zur Demo am 15. Mai in Düsseldorf am DGB Haus 12:00 Uhr!

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POSITION #5/2019

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