Ev. Hochschule am „Rauhen Haus“

In Hamburg wird an einer Hochschule für Sozialpädagogik die linke Szene beforscht. Die Ergebnisse sollen dem Verfassungsschutz helfen.

Die Bundesregierung will die Mittel für die Bekämpfung des Rechtsextremismus nun gleichermaßen für die Bekämpfung des Linksextremismus einsetzen. Außerdem wurde von geförderten, antifaschistischen Initiativen verlangt, sich vom „Linksextremismus zu distanzieren“, ansonsten werde man ihn das Geld streichen.

Eine neue Qualität erfährt diese Entwicklung derzeit in Hamburg: Die Hochschule am „Rauhen Haus“, an der Sozialpädagogen ausgebildet werden, hat einen mit über 40.000 Euro dotierten Forschungsauftrag von der Bundesregierung angenommen. In der Projekt-Beschreibung steht: „Ziel des Projekts ist es herauszufinden, inwieweit linksextremistische Jugendliche und solche die gefährdet sind, von den Angeboten der offenen Jugendarbeit in den Stadtteilen Hamburgs oder von Streetworker/innen in ihren Szenen erreicht werden können. Ziel ist es zudem (…) die Einschätzungen der Polizei, des Verfassungsschutzes und der Justiz um spezifische (sozial)pädagogische und sozialräumliche Perspektiven sowie die Perspektiven der Zielgruppe selbst und deren Umfeld zu ergänzen.“ Im Klartext: Die Hamburger Sozialarbeiter sollen als Helfer des Verfassungsschutzes agieren. Die linke Jugendszene soll ausgehorcht werden und es sollen Strategien entwickelt werden, die die Szene zerschlägt.

Die Durchführung der Studie am „Rauhen Haus“ reiht sich dabei ein, in den generellen Rechtsruck, den diese ehemals „rote Hochschule“ seit einiger Zeit vollzieht. „Unser Rektor Lindenberg steckt hinter dieser Entwicklung. Dass die linken Profs verschwinden, ist schlimm genug, doch diese Spitzelstudie ist der Gipfel!“ – so ein Studierender.

Kooperation mit dem VS

Im Zuge der Studie wurden Fragebögen an Jugendhilfeträger, linke Anwaltskanzleien und Projekte sowie Jugendliche verschickt. Die Adressen der Angeschriebenen hatte das Rauhe Haus anscheinend aus gut informierter Quelle. Der bekannte linke Anwalt Andreas Beuth erhielt nach Informationen des AStAs einen Anruf einer Studienmitarbeiterin. Auf Nachfrage, wie sie auf ihn gekommen sei, erhielt er zur Antwort, dass dem Rauhen Haus eine Liste des Hamburger Staatsschutzes vorläge. Diese habe sie abtelefoniert.

Widerstand lohnt sich

Es hat sich ein „Bündnis gegen die Extremismusstudie“ gegründet, an dem auch die SDAJ beteiligt ist. Wir fordern vor allem, die „Linksextremismusstudie“ unverzüglich einzustellen. In einer ersten Aktion des Bündnisses wurde das Institut für Soziale Praxis (ISP), die Abteilung die die Studie durchführt, von über 70 Studierenden besetzt. Zahlreiche soziale Einrichtungen weigern sich zudem, an der Studie teilzunehmen. Das ist auch ein Ergebnis der Info-Kampagne des Bündnisses.

Flo, Hamburg

IDxpZnJhbWUgd2lkdGg9IjU2MCIgaGVpZ2h0PSIzMTUiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS1ub2Nvb2tpZS5jb20vZW1iZWQvTk1IOGJwbDQ3V0kiIGZyYW1lYm9yZGVyPSIwIiBhbGxvdz0iYWNjZWxlcm9tZXRlcjsgYXV0b3BsYXk7IGVuY3J5cHRlZC1tZWRpYTsgZ3lyb3Njb3BlOyBwaWN0dXJlLWluLXBpY3R1cmUiIGFsbG93ZnVsbHNjcmVlbj48L2lmcmFtZT4=
SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Berlin
SDAJ Bochum
SDAJ Dortmund
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankfurt
SDAJ Gießen
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Leipzig
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Nürnberg
SDAJ Oldenburg-Bremen
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Das Ass im Ärmel der Automobilindustrie (POSITION #05/19)

Das Ass im Ärmel der Automobilindustrie (POSITION #05/19)

Bis 2022 sollen eine Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein, so das erklärte Ziel der Bundesregierung und damit deren Lösung der Klimakrise. Auf dem ersten Blick scheint dieses Vorhaben ja auch nicht schlecht zu sein, immerhin sind E-Autos leise...

Wir streiken, wenn uns keine Beachtung geschenkt wird (POSITION #05/19)

Wir streiken, wenn uns keine Beachtung geschenkt wird (POSITION #05/19)

Widerstand gegen katastrophale Zustände an Augsburger Schule Die Fachoberschule in Augsburg ist einer der größten Schulen in ganz Schwaben. Das Gebäude betreten jeden Tag um die 2000 Menschen aller Altersstufen. Dennoch ist die Schule ziemlich schlecht aufgestellt....

Marxistischer Spickzettel (POSITION #05/19)

Marxistischer Spickzettel (POSITION #05/19)

Die sogenannte „Soziale Marktwirtschaft“ Ob im SoWi-, Wirtschafts-, oder Politikunterricht: Immer wieder läuft uns der Begriff der „Sozialen Marktwirtschaft“ über den Weg. Voller Begeisterung erzählen uns die Bücher in der Schule genau wiedie Wirtschaftsexperten im...

Likes & Dislikes (POSITION #05/19)

Likes & Dislikes (POSITION #05/19)

Guten Morgen, Du Schöne  „Wir können uns eigentlich nicht wundern, dass in der sozialistischen Gesellschaft Konflikte ans Licht kommen, die jahrzehntelang im Dunkeln schmorten und Menschenleben vergifteten. Konflikte werden uns erst bewusst, wenn wir uns leisten...

Wessen Welt? (POSITION #05/19)

Wessen Welt? (POSITION #05/19)

Erneuter Terroranschlag von Faschisten In Halle gab es den nächsten Terroranschlag von Rechtsextremen. Natürlich waren alles Einzeltäter. Natürlich gab es auch vorher keine Anzeichen, sodass man dieses schreckliche Attentat nicht verhindern konnte. Der...

Lass uns über’s Ficken reden! (POSITION #05/19)

Lass uns über’s Ficken reden! (POSITION #05/19)

Kommentar: Arbeitsbedingungen und sexuelle Unlust Ausbeutung belastet auch das Sexualleben Wenn es um sexuelle Unlust, also das fehlende Verlangen bzw. Bedürfnis nach körperlichem Kontakt geht, müssen zunächst einige Dinge klargestellt werden. So gibt es bspw. eine...