"Emotional Signs Of Stress" by maheen49 is licensed under CC PDM 1.0

Die Schikanen im Schulsystem bleiben

veröffentlicht am: 22 Mai, 2020

Nicht wenige SchülerInnen haben die Schulschließungen als „Corona-Ferien“ abgefeiert und sich auf fünf Wochen nix tun eingestellt. Ganz schnell mussten wir aber merken, dass dem nicht so ist und dass „Homeschooling“ auch bedeutet, höheren Leistungsdruck und mehr Angst um den Abschluss und die Zukunft zu haben. Als es dann wieder hieß, dass die Schulen geöffnet werden sollen, waren viele SchülerInnen trotzdem dagegen. Das liegt zum einen daran, dass in den meisten Bundesländern die Abschlussprüfungen noch ausstehen und unter den Bedingungen, die das Corona-Virus diktiert, unmöglich stattfinden können. Dagegen rührt sich gerade in Baden-Württemberg Widerstand unter den SchülerInnen und ihren VertreterInnen in den SVen.

Aber auch in den übrigen Bundesländern wächst der Unmut unter der Schülerschaft. Sei es, wie in Baden-Württemberg, wegen den Abschlussprüfungen oder wegen der Angst, sich und andere in Gefahr zu bringen. Denn die wenigsten Schulen können die Hygienestandards einhalten, wobei die allermeisten das schon vor der Corona-Krise kaum konnten. Das liegt an der chronischen Unterfinanzierung des deutschen Bildungssystems: Toiletten, Waschbecken und Reinigungsfirmen kosten Geld, ausreichend große Räume ebenfalls. Das Geld wird im Kapitalismus allerdings lieber wo anders investiert als in der Bildung.

Potential für Widerstand groß

Auch in Nordrhein-Westfalen rührt sich Widerstand: Dort hat sich ein Bündnis „Schulboykott“ gegründet, das neben einer sofortigen Schulschließung fordert, „Schüler*innen sollen selbst entscheiden können, ob sie Prüfungen ablegen oder ein Durchschnittsabitur bekommen“. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert außerdem, dass aufgrund des ohnehin schon existierenden Lehrermangels „der Ausfall der Lehrkräfte aus Risikogruppen [nicht] abgefangen werden [kann] ohne die einsatzfähigen Kolleg*innen zu überlasten.“ Auch LandesschülerInnenvertretungen sprechen sich zum Teil gegen das Durchführen von Abschlussprüfungen aus und fordern bspw. stattdessen ein Durchschnittsabitur. Das Potential für Widerstand ist vielerorts groß, die Aussichten auf Erfolg allerdings gering, denn dem bürgerlichen Staat ist es völlig egal, was noch so viele SchülerInnenvertretungen, Gewerkschaften oder SchülerInnen sagen. Zumindest so lange wie wir diesen Protest nicht auf die Straße tragen und richtig Druck machen.

Ansätze, die fortgeführt werden müssen

All diese Ansätze für Widerstand unter SchülerInnen und LehrerInnen müssen aufgegriffen und das Bewusstsein verbreitet werden, dass ihre Gesundheit, ihr Abschluss und ihre Zukunft nicht primär aufgrund von „inkompetenten Politikern“ oder dem Corona-Virus in Gefahr sind. Es ist nicht das Virus, dass die Krise macht, sondern das System, auf das es trifft. Wir müssen selbst um kleine Verbesserungen, wie etwa bessere Hygienebedingungen, mehr Lehrpersonal, weniger Klausuren oder keine Benotung von „Homeschooling“ kämpfen. Diese Kämpfe können nur gemeinsam geführt werden.

Jonas, Landau

SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Bamberg
SDAJ Barsbüttel
SDAJ Berlin
SDAJ Blankenfelde-Mahlow
SDAJ Bochum
SDAJ Bonn
SDAJ Bremen-Oldenburg
SDAJ Cottbus
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankenberg
SDAJ Frankfurt
SDAJ Freiburg
SDAJ Gießen
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Karlsruhe
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Landau
SDAJ Leipzig
SDAJ Limburg-Weilburg
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ Mu?nster
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Neuss
SDAJ Nürnberg
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stralsund
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Jungkandidat*innen zur Bundestagswahl: Andrea Hornung

Jungkandidat*innen zur Bundestagswahl: Andrea Hornung

Wer wirklich die Umwelt retten will, wählt KommunistInnen POSITION: Das Bundesverfassungsgericht hat gesagt, dass die Umwelt geschützt werden muss. Ist das Problem jetzt gelöst? Andrea: Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist ein positives Signal. Denn es stimmt,...

mehr lesen
Die Legende vom „importierten Antisemitismus“

Die Legende vom „importierten Antisemitismus“

Die Bundesregierung ist sehr schnell dabei, realen und vermeintlichen Antisemitismus bei Pro-Palästina-Demos zu finden. Bei antisemitischen faschistischen Netzwerken und ihren Rekrutierungsbecken in Polizei-, Bundeswehr- und Geheimdienststrukturen tut sie sich...

mehr lesen
× Schreib uns!