Die US-Wahl ist eines von vielen Bildern der Krise

51-1_6-16_int-trump-alan2Erst der Brexit und jetzt Trump. Mit beidem hatten im Vorfeld die wenigsten gerechnet. Viele Zeitungen und Politiker machen den weißen, älteren Arbeiter für diesen Sieg verantwortlich, der damit seine hässliche Fratze gezeigt hätte. Insgesamt hätte die Wahl gezeigt, wie dumm die „Amis“ seien oder noch schlimmer – dass nur jemand wie Trump Veränderung bringen kann. Grund genug, sich mal den Wahlkampf und die kleinen und großen Unterstützer anzuschauen.
Zum Beispiel die Wahlbeteiligung. Die hat mit 58% einen neuen Tiefpunkt erreicht. Nur schlappe 26,3% aller Wahlberechtigten haben für Trump gestimmt. In absoluten Zahlen hat Clinton sogar mehr Stimmen (26,5%), doch das System der Wahlmänner ermöglicht es, auch mit weniger WählerInnen durch den Sieg in den richtigen Staaten abzusahnen – ein paar Stimmen müssen auch noch neu ausgezählt werden.
Viele Nachwahlbefragungen stimmen darin überein, dass Trump viele arme, weiße Menschen für sich gewinnen konnte, die noch 2008 und 2012 in Hoffnung einer Verbesserung ihrer Lage für Obama stimmten. Aber Trumps „Vorsprung“ rührt daher, dass er vor allem weiße reiche und besser gebildete Menschen an die Wahlurnen gelockt hat und besser als Clinton die Stammwähler der eigenen Partei mobilisieren konnte.
Wichtigstes Thema für die Menschen war die Wirtschaft. Die meisten, die sich für Trump entschieden haben, haben das nicht wegen seines Charismas oder seines Könnens getan, sondern weil sie ihn, eher als die Wallstreet- und Establishment-Frau Clinton, mit „Wandel“ verbunden haben. Nicht zuletzt hatte er in einem „Vertrag zwischen Donald Trump und dem amerikanischen Volk“ versprochen, der globalisierten Welt neue Jobs für Amerikaner abzutrotzen.
Der Wahlkampf in den USA ist eine teure Sache, in der man meist auf Großspenden angewiesen ist. Allerdings war diese Wahl etwas anders, denn Trump konnte viele kleine Spenden unter 200 Dollar einsammeln. Trotzdem haben auch große Firmen auf ihn gesetzt, obwohl er immer wieder gegen Freihandel und große Konzerne oder das „Establishment“ und die Lobbypolitik gewettert hatte.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj.org
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Auffällig: Vor allem deutsche Großkonzerne haben klammheimlich auf Trump gesetzt, z.B. die Deutsche Bank. Und auch die Börsen bleiben nach dem Wahlsieg stabil. Das sollte allerdings keinen wundern: Deregulierungen und niedrige Steuern für Reiche stehen ebenfalls in seinem Programm.
Fazit: Hinter Trump stehen auch Reiche und Unternehmer, denen er genauso viel versprochen hat wie den Armen und Abgehängten. 42% sind garnicht mehr zur Wahl gegangen, denn so oder so war der Sieg des Großkapitals sicher. Eine andere Option stand garnicht auf dem Stimmzettel.

Alan, Siegen

Dieser Artikel erschien in
POSITION #6/2016
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