NORMA – mehr Arbeitsstunden, mehr Zeitdruck, mehr Stress

veröffentlicht am: 8 Aug, 2014

Outingaktion der SDAJ München

Traumhaft klingt das Ausbildungsangebot, das NORMA auf seiner Internetseite anbietet. NORMA verspricht eine „abwechslungsreiche und vielseitige Ausbildungszeit“, eine „sehr gute Ausbildungsvergütung“ und eine „hervorragende fachliche Ausbildung“. Ein schlechter Witz, fragt man die Auszubildenden bei NORMA persönlich. Offiziell wirbt NORMA mit dem Spruch „Mehr fürs Geld“; und das darf man auch bitter ernst nehmen. Für die Azubis heißt das nämlich mehr Arbeitsstunden, mehr Zeitdruck und mehr Stress.

Diese miesen Ausbildungsbedingungen und Arbeitsverhältnisse hat die SDAJ München am 2. August öffentlich mit einer sogenannten Outing-Aktion angeprangert. Mit Schildern und Flyern wurde kurzerhand eine NORMA-Filiale am Rosenheimer Platz angeprangert und mit mehreren Redebeiträgen die mieserablen Bedingungen angekreidet.

Unbezahlte Überstunden stehen bei NORMA auf der Tagesordnung. Die Zeit nach Ladenschluss, in der für gewöhnlich der Laden aufgeräumt wird, wird weder in der Arbeitsplanung berücksichtigt – geschweige denn bezahlt; sie wird schlichtweg nicht aufgeschrieben. Zwei Stunden unbezahlt länger arbeiten ist keine Seltenheit. „Das ist auch nicht verwunderlich: Die Filialleitung plant schon mit einer Unterbesetzung, um Kosten zu sparen, damit an anderen Tagen mehr Personal genutzt werden kann, ohne extra Zahlungen leisten zu müssen oder gar über Neueinstellungen nachzudenken.“ erklärte eine Genossin in einem Redebeitrag. „Mein Chef will von den Überstunden gar nichts wissen. Öfter habe ich ihn darauf angesprochen, doch er sagt, das wäre ganz normal.“ berichtete zum Beispiel eine Auszubildende im Vorfeld. Auszubildende bei NORMA arbeiten oft ganz regulär in 10-Stunden-Schichten. In den Berichtsheften darf das natürlich nicht auftauchen. Berichtshefte zu fälschen, weil die Filialleitung auf die unbezahlten Überstunden der Azubis nicht verzichten will und sich auch jeden Ärger ersparen möchte, wird bei NORMA allgemein erwartet.

Super Aktion, endlich mal macht jemand was“. Diese und ähnliche Reaktionen bekamen wir von nahezu allen PassantInnen und KundInnen. Einige Anwohner aus den umliegenden Häusern kamen extra zu uns herunter um sich einen unserer Flyer zu holen. Auch die Beschäftigten der Filiale zeigten großes Interesse an der Aktion. Einzig die Filialleiterin stritt alles ab und versuchte uns von der NORMA-Filiale abzudrängen. Scheinbar hatten wir mit unserer Aktion einen wunden Punkt getroffen.

Aber unsere Aktion richtet sich nicht nur gegen eine einzelne Filiale oder gegen NORMA alleine. Dieser Konzern ist nur eines von vielen Beispielen welches für Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen steht und das hat System: Im Kapitalismus werden unsere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen ständig von den Banken und Konzernen verschlechtert, um noch mehr Profit zu scheffeln. Deswegen fordern wir als SDAJ bundesweit zunächst ein Ausbildungsgesetz, das zum Beispiel das Verbot von unbezahlten Überstunden beinhaltet. Das Ausbildungsgesetz wird uns nicht einfach gegeben werden. Wir müssen gemeinsam dafür kämpfen. Organisieren wir uns und erstreiten wir uns gemeinsam das, was uns zusteht; zwingen wir die Ausbeuter zu einem Ausbildungsgesetz für uns! Letztendlich geht es also darum, dieses System zu überwinden und eine Gesellschaft nach unseren Interessen aufzubauen.

Bei der Aktion haben wir folgenden Flyer verteilt.

SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Barsbüttel
SDAJ Berlin
SDAJ Bochum
SDAJ Bonn
SDAJ Bremen-Oldenburg
SDAJ Cottbus
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankfurt
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Landau
SDAJ Leipzig
SDAJ Limburg-Weilburg
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Neuss
SDAJ Nürnberg
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Bericht über die Aktion in Freiburg:

Am 8. November wurde in Freiburg uns eine Aktion auf die Beine gestellt, die der landesweite Höhepunkt unserer bundesweiten Kampagne „Unsere Zukunft statt Eure Profite!“ sein sollte. Gut gelaunt, hochmotiviert und mit Schildern, Fahnen, Flyern und Transparenten...

mehr lesen

Sieg und Niederlage im Kampf um Übernahme

„Wenn ich in der Klinik durch den Flur gehe, klopfen mir Kolleginnen und Kollegen wortlos auf den Rücken“, erzählt Michael, 27, Gesundheits- und Krankenpfleger. „Das tut nach so einer Auseinandersetzung wahnsinnig gut.“ Michael ist seit ein paar Tagen „zurück” im...

mehr lesen