Hessens Schulen in der Krise

veröffentlicht am: 20 Mrz, 2011

Der Aufschwung ist da. Deutsche Konzerne erzielen wieder riesige Gewinne, während die Arbeiterjugend für die Krise bezahlt. Warteschleifen, Lohnkürzungen und Hartz IV prägen den Lebensalltag immer mehr Jugendlicher.

Auch an unseren Schulen wird zunehmend deutlich, wer für die Kosten der Krise bezahlt. Zwar wurden im Rahmen des sogenannten Konjunkturpakets an einzelnen Schulen einige der gröbsten Mängel beseitigt, insgesamt werden die Sparmaßnahmen im Bildungswesen jedoch noch ausgeweitet. Veraltete Schulmaterialen, Lehrermangel und marode Gebäude sind die Folge. Mit dem zunehmenden Antikommunismus im Schulunterricht versucht das Kapital gleichzeitig ideologisch seine Stellung zu sichern.

Kaputte Heizungen und einstürzende Wände

Beispiele für die genannten Probleme gibt es viele. In der Taunus-Schule, in der Nähe von Wiesbaden, sind in einigen Räumen die Heizungen schon seit längerem kaputt. Die Temperaturen lagen während der Unterrichtszeit teilweise bei unter 10 C°. Vernünftiger Unterricht ist so nicht möglich. Mehrfache Beschwerden zeigen allerdings bisher keine Wirkung. Eine Reparatur ist nicht in Sicht, das Problem wird einfach ausgesessen – irgendwann wird es schließlich ohnehin wieder Sommer. Aber nicht nur Frieren im Unterricht gehört hier zum Schulalltag. Eine Trennwand eines Klassenraums ist vor kurzem eingestürzt, weitere Wände machen einen ähnlich maroden Eindruck.

Diese Situation ist kein Einzelfall. Auch in einer Schule in Schwalbach sind regelmäßig im Winter einzelne Räume schlecht oder gar nicht beheizt, u.a. auch die Turnhalle. Hinzu kommt, dass die Heizung hier von der Kommune bzw. vom Kreis gesteuert wird. Zum kalendarischen Sommeranfang wird die Heizung abgestellt, unabhängig von den tatsächlichen Temperaturen. Beide Schulen gehören im Vergleich noch zu den finanziell sehr gut ausgestatten Gymnasien. Dementsprechend lässt sich vermuten, wie schlimm die Situation an Haupt- und Realschulen ist.

Antikommunismus und Kriegsverherrlichung

Auch in den Bildungsinhalten hinterlässt die Krise ihre Spuren. An der genannten Schwalbacher Schule wird das besonders deutlich: Geschichtslehrer verklären die Totalitarismustheorie zum aktuellen Erkenntnisstand wissenschaftlichen Forschung. Im Politikunterricht ist von Links-, Rechts- und Islamfaschisten die Rede. Von zunehmender Bedeutung sind dabei die Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung.

Dieselben Lehrer werben im Unterricht offen für Jobs bei der Bundeswehr und verteilen entsprechende „Informationsmaterialien“. Militarisierung funktioniert auch ohne Jugendoffiziere und Wehrdienstberater in der Schule. In der Schülerzeitung wird passend dazu der deutsche Kriegseinsatz in Afghanistan gerechtfertigt.

Leere Hauptschulen im Odenwald

Die Krise verschärft die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher. Die Chance auf einen Ausbildungsplatz gleicht einem Glücksspiel. Auch immer mehr Eltern ist bewusst, dass ihre Kinder mit einem Hauptschulabschluss auf dem besten Weg Richtung Hartz IV sind. Die Folge ist, dass immer mehr Haupt- und Realschulen leer stehen. Die Nachfrage nach Plätzen in Gymnasien und vor allem Gesamtschulen steigt an. Haupt- und Realschulen werden nun teilweise zu „Werkrealschulen“ zusammengelegt. Dahinter steckt dasselbe Prinzip wie andernorts: ein zweigliedriges Schulsystem, aufgeteilt in Gymnasium und Restschule. Die neue Restschule soll angeblich die Bildungsqualität und damit die Chance auf eine Ausbildung erhöhen. Tatsächlich verschärft sie vor allem die Konkurrenz innerhalb der Arbeiterjugend: Die Perspektivlosigkeit soll für alle auf das gleiche Niveau ansteigen.

Strike back!

Die Herrschenden sind in der Offensive. Sie lassen sich ihre Krise von der Arbeiterklasse bezahlen. Um Widerstand vorzubeugen forcieren sie Militarisierung und Antikommunismus. Beispiele wie diese finden sich überall in der BRD. Selbst wenn der deutsche Imperialismus wieder auf den nächsten Boom zusteuert, die Arbeiterjugend wird davon nicht profitieren. Gleichzeitig bieten sich aber auch immer mehr Ansatzpunkte um Jugendliche in gemeinsame Kämpfe um ihre Rechte zu führen – und zurückzuschlagen!

Max, Frankfurt/Main

Dieser Artikel erschien in POSITION – Magazin der SDAJ #1/2011.

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