¡No pasarán! Massenblockaden verhindern Naziaufmarsch in Dresden

Am 19. Februar 2011 wollten Faschisten in Dresden mit einem „Trauermarsch“ die Bombardierung der Stadt am 13. und 14. Februar 1945 für ihr revisionistisches Geschichtsbild vereinnahmen. Aus deutschen Tätern wollten sie deutsche Opfer machen.

Doch über 20.000 AntifaschistInnen machten es den gerade mal 2.000 Neonazis unmöglich sich zu sammeln, geschweige denn zu demonstrieren. Das zivilgesellschaftliche Bündnis „Dresden Nazifrei!“ konnte den Erfolg vom letzten Jahr wiederholen, als 12.000 Menschen mit friedliche Massenblockaden den Naziaufmarsch verhinderten. Ebenso wurde das Gedenken der Stadt am 13. Februar, woran sich, wie in den vergangenen Jahren, Neonazis beteiligten, von lautstarkem Protest begleitet und ein Fackelmarsch der Neonazis behindert.

Viele SDAJ-Gruppen mobilisierten zu den Gegenaktionen. Der SDAJ-Landesverband Ruhr-Westfalen beteiligte sich dieses Jahr mit einem Bus an den Blockaden. Zusammen mit befreundeten Organisationen und Einzelpersonen machten wir uns Freitagnacht im über 20 Busse starken NRW-Konvoi auf den Weg nach Dresden. Wir wollten mithilfe der Fingertaktik Polizeiabsperrungen durchfliessen und die uns vom zentralen Organisationsbüro zugeteilten Blockadepunkte erreichen.

Gegen 8 Uhr morgens kamen wir im Vorort Dresden-Briesnitz an und liefen in einem großen Demonstrationszug in Richtung Südvorstadt. In Löbtau wurden wir mit Feuerwerk von den BewohnerInnen des linken Hausprojektes „Squat Praxis“ empfangen.

Das Hausprojekt ist im Verlauf des Tages von einem Mob aus etwa 200 Faschisten vor den Augen der Polizei angegriffen worden, wobei die Fensterscheiben in den unteren Etagen vollkommen zerstört wurden.
Zwischenzeitlich hatte sich ein Lautsprecherwagen zu uns gesellt. Im Stadteil Plauen ist unser Demonstrationszug dann von behelmten Polizeibeamten mit Pfefferspray, Schlagstöcken und Fausthieben angegriffen worden. In Folge des massiven Polizeiangriffes und aufgrund der nur bedingt funktionierenden Leitungsstruktur unserer Demo gelang es der Polizei, uns zusammen mit anderen Gruppen in der Nöthnitzerstrasse einzukesseln. Die Polizei zeigte sich absolut unwillig, in Verhandlungen zu treten und lehnte jedes Gespräch ab. Erst als weitere AntifaschistInnen eintrafen, löste sie auf unseren Druck den Kessel auf. Ein Teil unserer Gruppe konnte so in Richtung Hauptbahnhof durchkommen und sich dort an den Blockaden beteiligen. Zusammen mit vielen anderen haben wir stundenlang an der Südseite des Hauptbahnhofes ausgeharrt.

Einige GenossInnen hatten sich in einen Imbiss zurückgezogen, um sich von den Polizeiangriffen zu erholen. Zeitgleich führte die Polizei mehrere hundert Faschisten durch diese Gegend, die vor dem Imbiss eingekesselt wurden. Ohne Polizeischutz mussten die GenossInnen mehrere Stunden in dem Imbiss ausharren, während die Faschisten sie bedrohten und versuchten in den Imbiss zu gelangen. Nur mithilfe der Betreiber konnten sie daran gehindert werden.

Nachdem die Neonazis den Heimweg angetreten waren, fand sich unsere Gruppe wieder zusammen und wir reisten ohne Zwischenfälle zurück ins Ruhrgebiet.

Zum Verhalten der Polizei äußerte sich Franziska Radtke, Sprecherin des Bündnisses Dresden Nazifrei!: „Rechts wegschauen, links weghauen – das umreißt die Polizeistrategie am 19. Februar. Die Polizei hat sich auf das Verprügeln der Blockierer konzentriert.“ Ab Eintreffen der Konvois in Dresden kam es zu massiven Angriffen von Polizeibeamten auf die Blockierer. Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt sind Wasserwerfer eingesetzt worden. „In diesem Zusammenhang ist der Nazi-Angriff in Löbtau ein deutlicher Beweis für die Schwerpunktsetzung der Polizei an diesem Tag.“ Mehrere Hundert durch Reizgas und Schläge verletzte Blockierer zeichnen ein klares Bild der Polizeitaktik.

Nachdem die meisten Blockierer abgereist waren stürmten schwer bewaffnete und vermummte Angehörige eines Sonderkommandos das Haus der Begegnung, wo neben einer Anwaltskanzlei und kulturellen Initiativen auch das Pressebüro von Dresden Nazifrei! untergebracht war. Das LKA Sachsen beschlagnahmten Handys und Computer und verhafteten die Anwesenden unter dem Vorwurf der Vorbereitung und Verabredung einer Straftat. Radtke: „Offenbar wollten sich die Beamten für die erfolgreichen Blockaden rächen. Sie hatten es auf die Pressestelle des Bündnisses abgesehen. Doch wir lassen uns nicht einschüchtern.“

Insgesamt ist der 19. Februar als großer Erfolg der antifaschistischen Bewegung zu werten. Es ist uns gelungen einen der größten Naziaufmärsche Europas zu verhindern. Um der Repression jetzt ebenso entschlossen entgegentreten zu können braucht das Bündnis dringend eure Spenden.

Das Spendenkonto:

Empfänger: Bund der Antifaschisten e.V.
Konto: 7431721010
BLZ: 85095004
Volksbank-Raiffeisenbank Meißen
Kennwort: Dresden Nazifrei

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