WFS-Tagebuch, Tag 2: Das Programm beginnt…

Nachdem wir gestern einige Stunden auf unseren Bus gewartet haben, waren wir heute schon glücklich um 9 Uhr von einem Doppeldeckerbus abgeholt zu werden. Als wir dann im Tshwane Event Center, dem Veranstaltungsort der 17. Weltfestspiele, ankamen, verzögerte sich das Programm leider um einige Stunden. Entgegen unserer eigenen Erwartung empfanden wir dies aber letztlich überhaupt nicht als Problem. Denn so hatten wir die Gelegenheit viele Delegierte und Festivalbesucher kennenzulernen. Auf dem Gelände waren überall kleine Gruppen von Leuten die sangen und tanzten. Eines der vielen Lieder der SüdafrikanerInnen welches uns besonders gefallen hat geht so: „My mother was a kitchen-girl, my father was a garden-boy – that’s why I’m a communist.“

Auch wenn wir uns mit Sicherheit nicht so natürlich und rhytmisch bewegen können, haben nach und nach immer mehr Delegierte mitgetanzt und gesungen. So war das Warten, wie mittlerweile immer, mehr Tanz, Musik und Austausch. Auch an unserem Infotisch in der Halle lernen wir andauernd spannende, politische Menschen und deren Sichtweisen kennen. Mit aller Bescheidenheit dürfen wir behaupten, dass wir zumindest heute einen der beliebteren Infotische haben. Vor allem unser „Class war“-T-Shirt war sehr beliebt und ein indischer Delegierter lobte den Spruch auf der Rückseite „Fight for your class, not for your country“
Die große Delegation der West-Sahara hat mit Tanz, Reden und Gesang auf ihren kolonialen Status aufmerksam gemacht. Jeder Tag auf den Weltfestspielen wird einem Kontinent gewidmet und eine Soliaktion für eine unterdrückte Nation durchgeführt. Das Programm begann mit dem Kontinent Afrika und einer Solidaritätsaktion für West-Sahara. Ein hierbei erstelltes Plakat zeigte folgendes: „Free West-Sahara. A guilty Maroco. A responsible Spain.“

Die beiden AutorInnen dieses Tagebuchs haben Veranstaltungen über die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und den ersten Tag einer Bildungskonferenz besucht.
Die Bildungskonferenz hat vor allem gezeigt, dass die Probleme im Bildungsbereich im Grunde überall auf der Welt die gleichen sind: Zugang zu Bildung und Kultur bleiben einer kleinen Elite vorbehalten. Bildung wird weltweit massiv privatisiert und Kosten verwehren der Arbeiterklasse den Zugang zu höherer Bildung. Deutlich wurde auch der Unterschied zwischen den Nationen bezüglich der internationalen Anerkennung von Abschlüssen.

Das Seminar zur Gleichberechtigung von Frauen zeigte das die Ausgangsbedingungen in den verschiedenen Nationen extrem unterschiedlich sind und die daraus resultierenden Kämpfe für die Emanzipation der Frau entsprechend sehr unterschiedlich ausfallen. Dabei war den Delegierten wichtig die Rolle der Frau auch in der eigenen Bewegung immer wieder zu hinterfragen. Eine irakische Delegierte betonte, dass entgegen geläufiger Behauptungen der Krieg in ihrem Land die Emanzipation der Frau nicht vorangetrieben, sondern ihr sogar entgegen gewirkt hat.

Eine Delegierte aus Südafrika hob hervor, dass die vollständige Emanzipation der Frau letztlich nicht im Kapitalismus verwirklicht werden kann und mit dem Kampf um einer andere Gesellschaft einhergehen muss. Sie forderte insbesondere die Männer auf ihren „Arsch zu bewegen“.

Nach dem inhaltlichen Programm endete der Tag mit Konzerten afrikanischer Bands. Die deutsche Delegation hatte dabei so viel Spaß, dass im Gegensatz zum restlichen Tag die SüdafrikanerInnen uns filmten und fotografierten und nicht wir sie.

Jan, Bremen


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