WM der Schande

veröffentlicht am: 13 Dez, 2022
WM der Schade I – „Partner Katar“

In der deutschen Presselandschaft hagelt es tonnenweise Kritik am Ausrichter der Endrunde der Herrenfußballweltmeisterschaft. Homosexualität, Frauenrechte, das autokratische Haus Al-Thani – Katar bekommt körbeweise Schelte. Das kleine Emirat hatte nach gewohnter Korruption und Bestechung von der FIFA, dem Weltverband des Fußballes, den Zuschlag am 2. Dezember 2010 erhalten. 12 Jahre später findet die „beste WM aller Zeiten“ (FIFA-Boss Gianni Infantino) im Wüstenstaat statt – 12 Jahre, in denen nahezu kein Wort der Kritik zu hören war. Zur Erinnerung: noch im März dieses Jahres, nach der Sanktionskanonade gegen Russland, weilte Wirtschaftsminister Robert Habeck als „Türöffner“ (tagesschau.de) deutscher Konzerne in Doha und vereinbarte eine „langfristige wie strategische Energiepartnerschaft“ – kein Wort zu Menschen- oder Arbeiterrechten, doch satte Geschäfte. Das katarische Emirat ist einer der weltweit größten Exporteure von Flüssiggas in LNG-Terminalanlagen. Erst kürzlich wurde ein 15-Jahres-Energiedeal mit Katar vertraglich fixiert: selbst wenn die deutschen Herrschenden im aktuellen Fahrwasser der wohlfeilen Katar Kritik mitschwimmen, ist deren Kritik substanzlos.

Ob ein deutscher Millionär und Torwartkapitän eine One-Love-Armbinde trägt, ist bei aller berechtigter Forderung nach der Gleichstellung homosexueller Menschen, nur die Spitze des kapitalistischen Eisberges.

Man sollte daran erinnern, dass das Petrodollar-Regime Katar 50 Milliarden US-Dollar in die infrastrukturelle Umsetzung der Spiele investierte – eine gigantische Summe, von dessen Kuchen auch deutsche Monopole Stücke abbekommen haben. Hochtief, in den Konzern aus Essen stieg der katarische Staatsfond mit 9 Prozent ein und baute eine Brücke nach Bahrein, die WM-Arenen sowie das gigantische Barwa-Commercial-Center. Bezeichnenderweise stammt der architektonische „Masterplan“, mit welchem sich das Emirat einstmalig bewarb, aus der Feder des Frankfurter Architekten Albert Speer Junior – richtig: der älteste von sechs Nachfahren des verbrecherischen Führer-Baustrategen. Dieser, sah ein gewaltiges Infrastruktur-Programm im Volumen von 220 Milliarden US-Dollar vor – der Bau von acht Arenen, einem Flughafen sowie einem Nahverkehr. All dies wurde sprichwörtlich in den Sand gesetzt.

WM der Schande II – Moral, Mord und Money

Gianni Infantino, der Herr der korrupten FIFA, dem Weltverband der Balltreter, versuchte sichtlich die Wogen zu glätten – er fühle wahlweise sich als „schwul“ und als „Arbeitsmigrant“ gab er auf einer Pressekonferenz zum WM-Start patzig zu Protokoll. Keine Frage, seine Krokodilstränen darf der Mitarchitekt der Milliarden-WM gerne an anderer Stelle verausgaben, jedoch bietet seine Wortwahl Anlass genauer hinzusehen.

In der deutschen Presse werden die Zahlen immer und immer wieder genannt – 15.000 Tote auf den Baustellen in der Hitze des persischen Golfes, pro Spielminute drei Menschenleben. Keine Frage: das Spektakel der Herrschenden und ihr „Greenwashing“ sind ekelerregend. Neben den Todeszahlen der „Arbeitsmigranten“ aus Bangladesch, Indien oder anderen Teilen der kapitalistischen Peripherie spricht das herrschende Kafala-System Bände. Das Kafala-System ist eine Art moderner Sklavenhaltung, in welcher zumeist asiatische Arbeitskräfte in Katar ihre Papiere abgeben müssen, Gehälter monatelang verschleppt werden und an den heißesten Tagen des Jahres deutlich mehr als 10 Stunden schuften mussten.

Nur ist der „Werte-Westen“ wirklich in der Position diese Zustände zu kritisieren? Infantino, der kritisierte WM-Organisator, weist die Kritik als „Heuchelei“ zurück.

Zum einen – die westliche Welt, ihre Bau-, Energie- und Transportmonopole, ihre Fußballmannschaften und Flughäfen machten und machen blendende Geschäfte vor, nach und während der WM in Katar. Während DFB, deutscher Staat und Werte-Westen nach einem Entschädigungsfonds zur finanziellen Linderung der Situation der ArbeitsmigrantInnen im Wüsten-Emirat schreien, bliebe die Frage, was mit der deutschen Anerkennung etwaigen Reparationen aus dem Zweiten Weltkrieg aussieht, wie die Menschen in Kabul, Damaskus oder Havanna aufgrund der verheerenden Politik entschädigt werden.

Zu erinnern sei auch: homosexuelle Handlungen waren bis 1994 in der BRD strafrechtlich ahndbar, „Gastarbeiter“ fanden neben faschistischem Terror Ausbeutung und Ausgrenzung und die deutsche Frau musste noch bis weit in die 1970er Jahre bei einer Kontoeröffnung oder bei der Aufnahme einer Lohnarbeit nach dem „Ja“ ihres Mannes betteln oder arbeitet bis heute für 20 Prozent weniger als der Mann. Die WM in Katar ist eine WM des Werte-Westen – die FIFA, der Kapitalismus und seine Machenschaften gehen dabei sprichwörtlich über Leichen – Moralismus ist allenthalben nette Begleitmusik.

 

 

 

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