Likes & Dislikes: Far Cry 6

veröffentlicht am: 2 Feb, 2022

Ein Inselstaat in der Karibik. Geprägt von tropischer Landschaft, Kolonialbauten und morbider 60er Jahre Architektur. Befahren von US-Oldtimern. Und mittendrin: Eine Guerillarevolution.Es ist nicht zu übersehen, dass Kuba als Vorbild für das neue Far Cry 6 dient, in dem wir im fiktiven Yara gegen das mörderische Regime des Antón Castillo kämpfen und das so mit der Möglichkeit lockt selber einen Guerillakampf à la Che und Fidel zu führen.

Aber auch, wenn sich neben oben genannten Kuba-Anspielungen sogar ein paar eindeutig nachgebaute kubanische Orte in der Open-World wieder finden, enthält sich das Spiel explizit einer eindeutigen Aussage zum heutigen Kuba. Findet sich die Person Fidel eher im Diktator Castillo, oder in der Anführerin unserer Guerilla, Clara Garcia wieder?

Das wird unserer Interpretation überlassen. Aus Marketing-Perspektive sicherlich der schlauere Weg, leider aber auf Kosten von erzählerischem Potential. Denn so wird die Klassenfrage eher am Rande in Gestalt eines (etwas überzeichneten) kanadischen Kapitalisten gestellt, der eine Menge Kohle an dem Castillo-Regime verdient. Stattdessen werden Elemente in das Spiel eingebaut, die die Klassenfrage in eine moralische umwandeln. Denn Castillo testet Biowaffen an seiner Bevölkerung, versklavt Bauern zur Arbeit auf giftigen Tabakfeldern und öffentliche Erschießungen sind an der Tagesordnung. Um da Widerstand entwickeln zu wollen, braucht es keine Klassengegensätze mehr als Erklärung.

Das ist schade, denn somit rückt auch die Option „Revolution heute“ zumindest subjektiv in weite Ferne, weil der dargestellte staatliche Terror eben nichts mit der Lebensrealität der Zielgruppe zu tun hat. Der steht auch in einem eher unpassenden Kontrast zu dem eigentlich sehr farben- und lebensfrohem Äußeren des Spiels. Hier liegt aber auch die große Stärke von Far Cry 6, denn die Open World ist sehr schön gestaltet, bietet eine Menge zu entdecken und sorgt für eine gute Stimmung. Die Story verschenkt zwar Potential in seiner Aussagekraft, ist in sich aber schlüssig und unterhaltsam.

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