„Versetzungsordnung“ in Sachsen Anhalt

veröffentlicht am: 16 Jun, 2021

In Sachsen-Anhalt plant der Bildungsminister Marco Tullner und das Bildungsministerium eine neue Versetzungsordnung. Diese sieht vor, dass die Anforderungen für SekundarschülerInnen (SchülerInnen, die die Klassen 5. bis 9./10. besuchen) erhöht werden und dementsprechend wesentlich mehr SchülerInnen nach Ende der 6. Klasse einen Hauptschul-Bildungsgang absolvieren ohne die Chance zu haben, den Realschulabschluss zu machen. Der Grund hierfür ist einerseits das unterfinanzierte Bildungssystem und die 500 fehlenden Lehrkräfte in Sachsen-Anhalts Sekundarschulen. Anstatt Lehrkräfte einzustellen wird die Leistungsschranke für die Einstufung in den auf den Realschulabschluss bezogenen Unterricht angehoben.

Während Millarden für Rüstungsindustrie und Konzerne ausgegeben werden, müssen die SchülerInnen darunter leiden dass dieser Staat nicht in ihrem Interesse handelt. Denn das Geld wäre vorhanden – 2020 wurden 52,9 Millarden Euro Militärausgaben aus der Staatskasse bezahlt, ein Bruchteil davon würde mehr als ausreichen um mehr LehrerInnen einzustellen. Stattdessen wird der Leistungsdruck erhöht und vielen SchülerInnen die Perspektive auf einen Realschulabschluss genommen. Das ist neben dem finanziellen Aspekt auch aus zwei weiteren Gründen im Interesse der herrschenden Klasse. Erstens wird Leistungsdruck und Konkurrenzdenken entwickelt, was das Organisationspotential und die Solidarität unter SchülerInnen und perspektivisch auch unter ArbeiterInnen vermindert. Zweitens sollen bestehende Ungleichheiten reproduziert und verstärkt werden. Der Schulabschluss steht in der BRD in direktem Zusammenhang mit dem sozialen und ökonomischen Hintergrund, was durch die neue Versetzungsordnung noch deutlich verschärft werden würde. Das bedeutet, wer aus einer reichen und studierten Familie kommt wird potentiell einen höheren Abschluss erreichen und dementsprechend ein höheres Einkommen haben. Dadurch bleiben bestehende Ungleichheiten bestehen und verschärfen sich weiterhin. Denn der Markt benötigt eine hohe Anzahl an ArbeiterInnen die aufgrund ihrer vermeintlich „niedrigen Qualifikation“ in beschissenen und schlecht bezahlten Jobs beschäftigt werden können. Möglichst früh soll aufgeteilt werden, wer später unter welchen Bedingungen ausgebeutet werden kann. Darüber hinaus trifft die neue Versetzungsordnung diejenigen besonders hart, die ohnehin schon unter der Unfähigkeit der Bundesregierung im Umgang mit Corona leiden. Die SchülerInnen, die sich keine technischen Geräte für das sowieso mangelhafte Homeschooling leisten könnte, die gemeinsam mit vielen Geschwistern in einem Zimmer lernen mussten und deren Eltern trotz Pandemie Lohnarbeit nachgehen mussten. Entstandene Wissenslücken sorgen nun dafür, dass ihnen die Perspektive auf einen Realschulabschluss genommen wird.

Der Vorschlag des Bildungsministeriums ist ein Schlag ins Gesicht der SchülerInnen und ein weiterer Schritt der zur Prekarisierung der Jugend beiträgt. Denn den meisten von uns bietet dieses System ohnehin schon keine Perspektive auf sichere und gute Ausbildung oder Arbeit. Es wird deutlich, dass wir besonders während einer Krise reaktionären Angriffen auf unsere Rechte ausgesetzt sind denen wir etwas entgegenstellen müssen. Wir begrüßen, dass sich bereits Widerstand und Protest gegen die neue Versetzungsordnung formiert hat.

Deshalb lasst uns gemeinsam und organisiert für gerechte Bildung kämpfen!

 

Wir fordern:

• Stoppt die Reform der Versetzungsordnung von Tullner!
• Weg mit Noten und Prüfungen! Sie bringen nur Leistungsdruck und Konkurrenzdenken,
verbessern aber nicht die Leistungen der SchülerInnen.
• Kleinere Klassen, jetzt erst recht! 10 Schüler pro Klasse!
• Mehr Lehrpersonal!
• Geld in ausreichende kostenlose Test, Luftfilter und Gratismasken statt in Großkonzerne!
• Leere Hotels nutzen, statt in zu kleinen Klassenräumen sitzen!
• Kostenlose und umfassende Ausstattung zur Digitalisierung für alle!

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