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Dating im Kapitalismus – Ein Kommentar zu Dating-Monopolen

veröffentlicht am: 8 Apr, 2020

Dating-Apps wie Tinder, Grindr und OkCupid haben seit Jahren massiven Auftrieb.

Ob man sie benutzt oder nicht, wir alle kennen sie. Ein guter Grund mal zu schauen, warum wir diese kostenlosen Apps zur Verfügung gestellt bekommen.

Auch für Internetunternehmen gilt meistens, was wir in allen großen Industrien beobachten können: Die „freie Konkurrenz“ wurde immer mehr zur Legende und immer weniger real, einige wenige große Konzerne verleiben sich kleinere Unternehmen ein, neu gegründete Firmen werden entweder direkt aufgekauft oder vom Markt verdrängt. Auch bei Dating-Apps ist das so.

So gehören beispielsweise die scheinbaren Konkurrenten OkCupid, Hinge und Tinder zur Match-Group, die wiederum der InterActiveCorp, einem us-amerikanischen Internetriesen gehört. Damit besitzt dieser Monopolist vier der fünf in den USA meistgenutzten Dating-Apps.

Soweit so schlecht.

Daten und Privatsphäre als Ware

Weiterhin ist das Interesse der Konzerne hinter diesen Apps natürlich nicht, uns alle nett zu verkuppeln, sondern vor allem Daten zu sammeln. So sammelt Tinder beispielsweise laut Datenschutzerklärung nicht nur den Standort, den Namen und die Mail-Adresse, sondern auch Fotos und Videos, Finanzdaten, Chatinhalte, die Interessen und Lebensstile, Daten von Facebook und sexuelle Orientierung seiner User.

Und weil Datensammeln kein Hobby oder Selbstzweck ist, werden diese Infos auch mit den 45 weiteren Unternehmen der Match-Group geteilt und weitergegeben.

Mit der weitestgehend fehlenden Belehrung der Nutzer, an wen die Daten genau weitergegeben werden und dem Austausch der Infos zwischen den einzelnen Unternehmen, verstoßen die allermeisten Dating-Apps, allen voran Tinder und seine Schein-Konkurrenten, gegen die Datenschutz-Grundverordnung der EU. Doch selbst wenn sie das nicht täten, zeigt das, wie im Kapitalismus alles zur Ware wird, auch unsere Daten. Wir haben längst keine Kontrolle mehr darüber, welche Informationen wir über uns preisgeben. Der Ausverkauf unserer Privatsphäre, intimsten Details unseres Liebeslebens und unserer Gefühle zugunsten der Profitinteressen weniger großer Konzerne sind dabei nicht Folge moralischer Verkommenheit oder irgendwelcher illegaler Aktivitäten dieser Monopolisten, sondern die logische Konsequenz dieses Systems.

Dagegen helfen weder Boykottaufrufe gegen Datenbunkerer, noch irgendwelche moralischen Belehrungen wie „Du entscheidest, was du über dich preisgibst“, denn das stimmt leider einfach nicht mehr. Wir haben meist einfach keinen Einblick, welche Infos wir wie und für wen über uns preisgeben. Das Problem ist also nicht das Nutzverhalten von uns Konsumenten, sondern dieses System!

 

Max, Köln

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