Buckeln bis zum krank werden (POSITION #05/19)

Sven ist 27 und Sozialarbeiter

 

Vor kurzem habe ich noch im KiTa-Verbund der KJSH Stiftung gearbeitet. Hier gehörte es zur Tagesordnung, dass zu wenig Angestellte für zu viele Kinder da waren. Auch Leiharbeit wurde dann mal eingesetzt. Das hat aber nichts gebracht, da zunächst ein Bezug zu den Kindern aufgebaut werden muss um wirklich das Team auch entlasten zu können. Für die Chefinnen zählte aber nur, dass der Betreuungsschlüssel eingehalten wird, alle Kinder abgegeben werden können und die Kassen klingeln.

Durch die hohe Arbeitsverdichtung war es dann auch normal, dass früh am Morgen das Telefon geklingelt hat, weil mal wieder jemand krank geworden ist (wen wundert es?) und nun Ersatz gebraucht wurde, damit der Betreuungsschlüssel stimmt. Ebenso kam es dann dazu, dass Angestellte unterschreiben sollten, dass sie zur Not auch krank zur Arbeit gehen, bis dann eine Vertretung für sie da ist. Dass dann Kinder und andere Angestellte angesteckt werden ist da wohl nicht so schlimm. Wie wäre es mal damit: Mehr Leute fest und unbefristet einstellen und eine richtige Vertretungsstruktur aufbauen. Davon wollten die Chefs aber nichts wissen, weil das ja nicht refinanziert wird. Dann lieber doch die Angestellten buckeln lassen bis sie krank werden. So sozial sind Arbeitgeber im sozialen Bereich.

 

 

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