Working Whistleblower (POSITION #04/19)

Stellenabbau bei Ford

Toni (28), arbeitet bei Ford.

Weil Ford 6% der Rendite fehlen und unser Werk in Köln Miese macht, sollen in Deutschland bis 2021 nun 5100 Stellen abgebaut werden, davon über 3000 in Köln. Als erstes wird es natürlich Leiharbeiter und ältere KollegInnen treffen, die dann in Altersteilzeit geschickt werden oder wie wir alle mit einer Abfindung zum Gehen gezwungen werden sollen. Dass diese Abfindung bei vielen vermutlich nicht bis zur Rente reichen wird und es schwierig ist, ab einem gewissen Alter wieder eine Festanstellung zu finden, interessiert die Konzernspitze nicht. Aber auch mein Job als junger Arbeitnehmer ist in Gefahr und wir haben echt Schiss, bald vor die Türe gesetzt zu werden. Und was hier auf schlechte Zahlen geschoben und auf uns ArbeiterInnen abgewälzt wird, hängt klar an einem starken Missmanagement der Bosse. Viele Maschinen wurden in den letzten Jahren nicht instandgesetzt und bis zur letzten Minute weiterbetrieben. Dass die kaputten Maschinen dann für einen Produktionsstau sorgten, hat keinen mehr verwundert. Absurderweise wurde in den letzten Monaten die zu produzierende Stückzahl erhöht, wir sollten auch samstags arbeiten und die Nachtschicht wurde ausgeweitet, weil die Nachfrage nach den Motoren angeblich sehr groß war. Plötzlich mussten dann ganze Produktionen aufgrund von fehlender Nachfrage und kaputten Anlagen stillgelegt werden, die Arbeiter wurden in den Urlaub geschickt. Das ist total widersprüchlich. Krass ist auch, dass die Bundeswehr nun mit unserem Schicksal Werbung macht, auch wenn meine KollegInnen das mit Galgenhumor nehmen. Weil die Bonzen den Laden gegen die Wand fahren und obwohl das wirklich absehbar war und wir auch oft darauf aufmerksam gemacht haben, sollen wir nun unsere Arbeit verlieren.

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