Dreamteam für den Kommunismus

Marx und Engels im Kino

Ein langer Blick, angeregte Gespräche beim Spazierengehen, ein Kuss auf den Mund – man könnte meinen, es handle sich um eine Liebesgeschichte. Vielleicht stimmt das auch ein bisschen.

Der Film „Der junge Karl Marx“ des Regisseurs Raoul Peck beleuchtet die Entstehung der Freundschaft von Karl Marx (August Diehl) und Friedrich Engels (Stefan Konarske).

Die zwei ungleichen Männer treffen in Paris aufeinander – der eine „unflätig“ und getrieben von der Wut auf die Verhältnisse, der andere ruhig, aber in ständiger Auseinandersetzung mit seinem reichen Vater. Nach dieser – eigentlich zweiten – Begegnung bleiben sie über Ländergrenzen hinweg in Kontakt. Ihre politische Entwicklung wird eher nebenbei dargestellt, etwa wenn die beiden Jenny Marx (Vicky Krieps) nach einer durchzechten Nacht von ihren Plänen für ein gemeinsames Buch berichten, während sie von dieser umsorgt werden. Die steuert dann auch den Titel für das neue Werk bei – die „Kritik der kritischen Kritik“.

Starke Frauen

Das ist nicht Jennys einziger Beitrag. Leidenschaftlich wettert sie gegen diese „alte Welt“ und zeigt, wie sehr sie selbst politisch denkt, fühlt und kämpft. So auch Mary Burns (Hannah Steele), Fabrikarbeiterin in Manchester. Während der alte Engels sie wegen ihres frechen Mundwerks aus seiner Fabrik wirft, weckt sie beim jungen Friedrich Interesse. Die taffe Arbeiterin hilft Marx und Engels schließlich Kontakt zum Bund der Gerechten aufzubauen. Es folgen ein langwieriges Aufnahmeprozedere, Intrigen und ein fulminanter Auftritt der beiden auf dem Londoner Kongress, bis sich die Organisation in den Bund der Kommunisten umbenennt.

Nicht nur das Bild der beiden Frauen überrascht, sondern auch das von Engels. Während er von bürgerlicher Seite normalerweise gern gegen Marx ausgespielt und seine Rolle für die Bewegung geschmälert wird, ist er in dem Film ein gleichberechtigter Denker und treibende Kraft. Im Kerzenschein stellen Karl, Friedrich, Mary und Jenny dann auch kurz vor Abgabetermin das Kommunistische Manifest gemeinsam fertig.

Kein antikommunistischer Mist

Peck und sein Co-Autor Pascal Bonitzer haben für ihr Drehbuch viele Originalquellen genutzt, darunter den regen Briefverkehr von Marx und Engels. Ohne antikommunistischen Schaum vor dem Mund, sondern mit viel Sympathie stellen sie die beiden als Kämpfer und politische Denker in ihrer Zeit dar. Ganz frei von den Schwächen historischer Filme machen sie sich dabei nicht, so bei der romantisierten Darstellung des frühkapitalistischen Manchesters. Doch andererseits sind die Kostüme mit den Zylindern und Westen einfach hübsch, die Dialoge witzig und die Rollen gut gespielt. Das macht Spaß und regt zur Auseinandersetzung mit den frühen Schriften der beiden Klassiker und mit der damaligen Arbeiterbewegung an. Den Kinobesuch ist das allemal wert.

Lena, Berlin

 

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