Zum Tod von Herbert Mies

Stellungnahmen

Herbert Mies, 23.02.1929 – 14.01.2017 (Ausschnitt aus einem Foto von 1992, Quelle: UZ-Archiv)

Herbert Mies, 23.02.1929 – 14.01.2017
(Ausschnitt aus einem Foto von 1992 aus dem UZ-Archiv)

Mit Trauer haben die TeilnehmerInnen des SDAJ-Verbandstreffens am Samstag vom Tod des langjährigen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei erfahren. Jan Meier, Bundesvorsitzender der SDAJ, erklärt anlässlich des Todes von Herbert Mies: „Am 14. Januar 2017 ist Herbert Mies im Alter von 87 Jahren gestorben. Mit Herbert hat die SDAJ einen großen Freund an ihrer Seite verloren, auf dessen Unterstützung sie immer bauen konnte. Sein Eintreten für den antifaschistischen und demokratischen Kampf von Jugendlichen und seine Unterstützung für die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend haben die Vorgeschichte, den Aufbau sowie den Erhalt unserer Organisation maßgeblich geprägt.“

Herbert Mies, geboren 1929, kam aus einer Arbeiterfamilie in Mannheim und war Vorsitzender der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ) in Westdeutschland. Die FDJ gründete sich während der Zeit des deutschen Faschismus unter Jugendlichen im Exil. Zehntausende Jugendliche kämpften ab dem Kriegsende bis in die 1950-Jahre in der Bundesrepublik mit der Freien Deutschen Jugend gegen Militarisierung, Faschismus und Monopolmacht. Die Bonner Adenauer-Regierung duldete im Rahmen der Wiederbewaffnung keinen Widerstand und ging mit allen Mitteln gegen die FDJ vor. Sie fürchtete das Eintreten für ein demokratisches und entmilitarisiertes Deutschland. Kurz darauf hieß es dann: Verbot der Organisation, Verbot der Aktionen (u.a. eine Volksbefragung gegen die Wiederbewaffnung) sowie Verfolgung der Mitglieder.

Herbert Mies und der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chiles Luis Corvalán auf dem Festival der Jugend 1978 in Dortmund (Ausschnitt aus einem Foto von der Website von W. Gehrcke)

Herbert Mies und der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chiles Luis Corvalán auf dem Festival der Jugend 1978 in Dortmund
(Ausschnitt aus einem Foto von der Website von W. Gehrcke, veröffentlicht am 04.12.12)

Schon als Jugendlicher schloss sich Herbert den KommunistInnen an. Er war ab Mitte der 1950er-Jahre Mitglied des Zentralkomitees der KPD und später Sekretär von Max Reimann und des Politbüros der illegalen KPD. Im Mai 1968 dann wurde die SDAJ gegründet. Herbert sagte über diese Zeit: „Beim Gründungskongress anlässlich den 150. Geburtstages von Karl Marx bewegte uns die Frage: Wird es gelingen eine Vielfalt jugendlicher Interessen, Motive, Erwartungen, Auffassungen zu einer Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend zusammenzuführen. Es gelang im gemeinsamen Bekenntnis zu Marx, zum sozialistischen Ziel, zur Verbundenheit mit der Arbeiterjugend, zur partnerschaftlichen Verbundenheit mit den Kommunistinnen und Kommunisten dieses Landes und zur internationalistischen Solidarität.“

Kurz nach der Gründung der SDAJ kam es zur Neukonstituierung der Deutschen Kommunistischen Partei, deren Mitbegründer und deren Vorsitzender er von 1973 bis 1990 war. Über das Verhältnis von DKP und SDAJ sagte Herbert auf dem SDAJ-Bundeskongress 1989, als er das letzte mal selber das Grußwort der westdeutschen KommunistInnen überbrachte:

Herbert Mies wird bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des KPD-Programms abgeführt, 8. Februar 1968 in Frankfurt/Main. (Foto: UZ-Archiv)

Herbert Mies wird bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des KPD-Programms abgeführt, 8. Februar 1968 in Frankfurt/Main. (Foto: UZ-Archiv)

„Wir stellen uns unter einem sozialistischen Jugendverband nicht die Kopie einer kommunistischen Partei, sondern einen Jugendverband vor, der eigene, jugendspezifische Methoden und Betätigungsformen bietet, der ein Verbandsleben entwickelt, das für die arbeitende und lernende Jugend unseren Landes neuzeitlich und attraktiv ist“. Laut Herbert Mies ist „eine revolutionäre Partei der Arbeiterklasse dieses Landes unverzichtbar. Und unverzichtbar ist eine Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend. Die Arbeiterklasse braucht sicherlich die Bündelung und Sammlung aller linken Kräfte. Sie braucht vor allem aber eine Deutsche Kommunistische Partei. Sicherlich braucht die Arbeiterjugend revolutionär-demokratische und radikale Bewegungen. Sie braucht aber auch künftig eine Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend“.

Herbert Mies hinterlässt uns ein großes Erbe der kämpfenden Arbeiterjugend. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Unsere Taten werden seinen revolutionären Überzeugungen und seiner „Lebenslehre“ folgen, in deren Sinne wir die SDAJ stärken wollen: „Mit starken Kollektiven kann man Bäume versetzen!“.

Erklärung der Bundesgeschäftsführung der SDAJ.
Essen, 18. Januar 2017

 

DKP dabei: Teilnehmer des Pfingstcamps von SDAJ und Jungen Pionieren 1977 in Ergste mit dem Parteivorsitzenden Herbert Mies. (Foto: UZ-Archiv)

DKP dabei: Teilnehmer des Pfingstcamps von SDAJ und Jungen Pionieren 1977 in Ergste mit dem Parteivorsitzenden Herbert Mies. (Foto: UZ-Archiv)

 

Die Pressemitteilung des Parteivorstandes der DKP findet sich hier: http://news.dkp.de/2017/01/ein-kaempfer-fuer-die-arbeiter-fuer-frieden-und-sozialismus-ist-tot/

Am 10. September in Karlsruhe trat Mies auf der Veranstaltung gegen das KPD-Verbot zum letzten Mal öffentlich auf. Zwei Wochen vorher erschien in der POSITION, dem Magazin der SDAJ, ein Interview mit ihm. Wir haben uns mit ihm über seine Politisierung während der faschistischen Diktatur, den Kampf um ein demokratisches Deutschland nach 1945 und das erneute Verbot der Freien Deutschen Jugend und der Kommunistischen Partei in Westdeutschland unterhalten. Das Interview kann hier nachgelesen werden: /blog/2016/09/so-viel-legale-arbeit-und-organisation-wie-moeglich/

Zur Geschichte der KPD und DKP findet sich hier ein Artikel von Herbert Mies: http://news.dkp.de/2015/07/zur-geschichte-der-kpddkp-neukonstituierung-1968/

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POSITION #5/2019

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