„Jeder nach seinen Fähigkeiten – jedem nach seinen Bedürfnissen“

Ausgabe 4/2016, Bildung und Schule, POSITION – Magazin der SDAJ

Theorie: Warum wir nur in einer Gesellschaft ohne Privateigentum an Produktionsmitteln einen Lebensweg nach unseren Bedürfnissen gestalten können

39-1_4-16_th-theorieKonkurrenzdenken und der Leistungsgedanke sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Man müsse sich nur genug anstrengen, dann klappt das schon mit den guten Noten in der Schule. Und den begehrten Ausbildungsplatz bekommen eben nur die, die auch die beste Leistung bringen, hört man immer wieder. Als Beweis werden Geschichten wie die des Tellerwäschers, der zum Millionär wird, erzählt. Das Leistungsprinzip im Sinne der freien Konkurrenz bedeutet also, sich von den anderen abzusetzen und hochzuarbeiten. Doch so einfach gestaltet sich die Frage nicht.
Im imperialistischen Stadium des Kapitalismus, in dem wir uns aktuell befinden, entscheiden sich Zugangsberechtigungen und Chancen nicht in erster Linie aufgrund der individuellen Leistung, sondern hängen stark mit der Klassenzugehörigkeit und der sozialen Herkunft zusammen. Das ist kein Zufall sondern liegt im System begründet. Der Kapitalismus beruht darauf, dass eine kleine Anzahl an Menschen Produktionsmittel besitzen, sie bilden die Kapitalistenklasse. Die Arbeiterklasse, die keine Produktionsmittel besitzt, ist gezwungen ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um die eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können. Die ArbeiterInnen schaffen so Mehrwert, aus dem die Kapitalisten Profite ziehen. Um diese Profite zu vermehren, sortiert die Kapitalistenklasse von oben, welche Arbeitskraft für sie nützlich ist und welche nicht und der bürgerliche Staat sichert ihre Herrschaft ab.
Doch dieses Klassenverhältnis, wie wir es im Kapitalismus vorfinden, ist nicht naturgegeben. Sind die Produktionsmittel in gesellschaftlicher Hand, wie dies im Sozialismus der Fall ist, gibt es keine Kapitalistenklasse mehr, die die Arbeiterklasse ausbeuten kann. Das Leistungsprinzip wird dann anders verstanden und zwar im Sinne von „jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“. Durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel fließt der erwirtschaftete Reichtum nicht in die Taschen einzelner, sondern zurück in die Gesellschaft, wo er dazu genutzt wird, die Bedürfnisse aller Menschen zu befriedigen. So muss man nicht mit seinen MitschülerInnen oder KollegInnen darum konkurrieren, wer der oder die beste ist. Denn es ist normal, dass jeder Mensch andere Fähigkeiten hat, die er einbringen kann.

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj.org

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj.org

Daraus leitet sich jedoch nicht ab, wer mehr Möglichkeiten hat, seine Bedürfnisse zu befriedigen und einen Lebensweg nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Chancen und Zugangsberechtigungen werden also nicht danach verteilt, wie sie der Kapitalistenklasse helfen, ihre Profite zu vermehren, sondern es geht um die realen Bedürfnisse der Menschen und darum, die Gesellschaft als Ganzes mit all ihren Mitgliedern weiter zu entwickeln.

Roxy, Tübingen

Dieser Artikel erschien in
POSITION #4/2016
Im Archiv ansehen »
SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Berlin
SDAJ Bochum
SDAJ Dortmund
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankfurt
SDAJ Gießen
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Leipzig
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Nürnberg
SDAJ Oldenburg-Bremen
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Wir streiken, wenn uns keine Beachtung geschenkt wird (POSITION #05/19)

Wir streiken, wenn uns keine Beachtung geschenkt wird (POSITION #05/19)

Widerstand gegen katastrophale Zustände an Augsburger Schule Die Fachoberschule in Augsburg ist einer der größten Schulen in ganz Schwaben. Das Gebäude betreten jeden Tag um die 2000 Menschen aller Altersstufen. Dennoch ist die Schule ziemlich schlecht aufgestellt....

Staat zeigt mal wieder, auf wessen Seite er steht

Staat zeigt mal wieder, auf wessen Seite er steht

In der November-Ausgabe des „Infodienst Schulleitung“ warnt das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg alle Schulen im Bundesland vor gesteigerten Aktivitäten der SDAJ in Schulnähe. Der Grund für die Warnung? Die SDAJ sei kapitalismuskritisch und setze sich...

Marxistischer Spickzettel (POSITION #05/19)

Marxistischer Spickzettel (POSITION #05/19)

Die sogenannte „Soziale Marktwirtschaft“ Ob im SoWi-, Wirtschafts-, oder Politikunterricht: Immer wieder läuft uns der Begriff der „Sozialen Marktwirtschaft“ über den Weg. Voller Begeisterung erzählen uns die Bücher in der Schule genau wiedie Wirtschaftsexperten im...

Likes & Dislikes (POSITION #05/19)

Likes & Dislikes (POSITION #05/19)

Guten Morgen, Du Schöne  „Wir können uns eigentlich nicht wundern, dass in der sozialistischen Gesellschaft Konflikte ans Licht kommen, die jahrzehntelang im Dunkeln schmorten und Menschenleben vergifteten. Konflikte werden uns erst bewusst, wenn wir uns leisten...

Wessen Welt? (POSITION #05/19)

Wessen Welt? (POSITION #05/19)

Erneuter Terroranschlag von Faschisten In Halle gab es den nächsten Terroranschlag von Rechtsextremen. Natürlich waren alles Einzeltäter. Natürlich gab es auch vorher keine Anzeichen, sodass man dieses schreckliche Attentat nicht verhindern konnte. Der...

Lass uns über’s Ficken reden! (POSITION #05/19)

Lass uns über’s Ficken reden! (POSITION #05/19)

Kommentar: Arbeitsbedingungen und sexuelle Unlust Ausbeutung belastet auch das Sexualleben Wenn es um sexuelle Unlust, also das fehlende Verlangen bzw. Bedürfnis nach körperlichem Kontakt geht, müssen zunächst einige Dinge klargestellt werden. So gibt es bspw. eine...