Rollback in der Popmusik: Konservative Frauenbilder als Verkaufsschlager

veröffentlicht am: 13 Mrz, 2013

Lana Del Rey wärmt in ihren Songtexten die romantische Heimchen-am-Herd-Attitüde der 50er Jahre auf.

(Foto: Thomas Heylen, CC)

(Foto: Thomas Heylen, CC)

Im letzten Jahr legte Lana Del Rey eine kometenhafte Karriere hin – kaum ein Magazin, auf dessen Titelbild sie nicht abgebildet war, keine Zeitung, die sie nicht interviewte, dann noch die großangelegte H&M-Werbekampagne: man kam quasi nicht um die modelnde Sängerin herum.

Ich mochte ihre Musik von Anfang an. Sie ist voller nostalgischer Noten, aber trotzdem moderne Popmusik; ihr Stil dabei so leicht entrückt und retro-chic.

Über die Musik kann man gerne streiten. Die Songtexte sind dagegen recht eindeutiger Natur – und das in einem ganz schön frauenfeindlichen Sinne. Ihr Anspruch war sicherlich nie, besonders fortschrittliche Aussagen unters Volk zu mischen. Aber z.B. im Song „This is what makes us girls“ fällt sie ein Urteil, das zu Recht überall außerhalb eines Songs skandalisiert würde: „This is what makes us girls, We don’t stick together coz we put love first“ („Das macht uns zu Mädchen, wir halten nicht zusammen, denn für uns ist die Liebe am wichtigsten.“). Das alte Klischee der stutenbissigen Frauenwelt wird hier nochmal salonfähig gemacht. Freundschaften zwischen Mädchen enden demnach immer, wenn es um die Jungs geht. Richtig solidarisch seien dagegen nur Männer. Für sie kommt die Liebe auch nicht an erster Stelle, schließlich müssen sie sich im Gegensatz zu den naiven Heimchen am Herd in der harten Welt da draußen behaupten – klassisch chauvinistisches Denken.

Die Liebe der Frau erscheint dagegen in fast jedem Song auf ihrem Album „Born To Die“ bedingungslos, z.B. in „Off to the races“: „I’m not afraid to say, That I’d die without him. Who else is gonna put up with me this way? I need you, I breathe you, I’d never leave you“ („Ich fürchte mich nicht zu sagen, dass ich ohne ihn sterben würde. Wer sonst wird so zu mir halten? Ich atme dich, ich werde dich nie verlassen.“). Das kann man natürlich romantisch finden. Ist es aber nicht, wenn sie die ganze Zeit, wie in „Blue Jeans“, betont, wie gemein die Männer in ihrer Welt sind, dass sie nächtelang verschwinden, sich daneben benehmen, sie schlecht behandeln. Und das Einzige, was den Frauen übrig zu bleiben scheint, ist dann alles hingebungsvoll zu ertragen. Denn jemand Anderen finden sie ja eh nicht, wer würde sie schon so nehmen wie sie sind? – „Who else is gonna put up with me this way?“

Das Ganze ist eine große Hymne auf die Unterordnung der Frau. Wo Lady Gaga – ob nun zu Recht oder zu Unrecht – als Ikone der Unangepassten galt, da sticht Lana Del Rey als ihr konservativer Konterpart, also wegen ihrer Unterwürfigkeit, aus der Popmasse hervor. Ihr Image, Produkt mehrerer Schönheitsoperationen und eines ausgeklügelten Marketingkonzepts, befriedigt offensichtlich ein bestimmtes Bedürfnis nach einer Welt, in der die Kerle hart und die Frauen gefühlsbetonte Romantikerinnen sind, ohne eigene Ambitionen und Wünsche jenseits des Herdes. Dazu passt dann auch ihr 50er-Jahre-Auftreten. Schade, dass das Konzept so gut aufgeht.

Julia, Trier

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