Der Gletscher und der Klassenkampf: Warum Bolivien sich gegen den Klimawandel wehren muss

Austrocknender Fluss in Bolivien

Bolivien stand ziemlich alleine da. Ende 2010 fand in Mexiko mal wieder ein „Klimagipfel“ statt. In Cancun trafen sich Regierungsvertreter aus der ganzen Welt, um eben diese zu retten. Vor allem ging es darum, verbindliche Maßnahmen zu beschließen, um die Treibhausgase zu verringern und damit den Klimawandel aufzuhalten. Und genau das ist natürlich nicht passiert. Deshalb weigerte sich der Vertreter Boliviens, den Abschlussdokumenten der Konferenz zuzustimmen – als einziger.

Diese Klimakonferenzen finden einmal jährlich statt. Und einmal jährlich zeigt sich dort, dass die imperialistischen Länder – allen voran die USA – jede ernsthafte Regelung blockieren. Und genau das trifft immer wieder auf den Widerspruch der linken Regierungen in Lateinamerika. Auf der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen hatte auch der Präsident Venzuelas, Hugo Chavez, die Politik der Imperialisten scharf angegriffen. Und auch Bolivien hat allen Grund, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu fordern.

Chacaltaya-Gletscher im Vergleich

Der Chacaltaya ist ein Berg im Westen Boliviens. Früher war dort das höchstgelegene Skigebiet der Welt – ein Gletscher bot die Gelegenheit dazu. Doch der ist inzwischen weggetaut. Dass Bolivien nun kein Skigebiet mehr hat, dass die Skinationalmannschaft in Argentinien trainieren muss, das sind sicher Dinge, die ein Land verkraften kann. Aber der Klimawandel wirkt sich auf viele Bereiche aus. Und: Er trifft am stärksten die Armen. Denn der Gletscher war auch eine große Trinkwasserreserve. Die gibt es nun nicht mehr, der Zugang zu gutem Wasser wird schwerer. Und viele kleine Bauern waren von dem Wasser des Gletschers abhängig, um ihre Felder zu bewässern. Bewässerungsanlagen gibt es in Bolivien kaum – das Land ist einfach zu arm.

Naturkatastrophen und Wüstenbildung, extreme Temperaturen, Senkung des Grundwasserspiegels, Abholzung von Wäldern und Verlust von landwirtschaftlicher Nutzfläche – von all dem sind vor allem die Arbeiter und Bauern in den Ländern betroffen, die vom Imperialismus ausgebeutet werden. Denn diese Länder haben keine Industrie, um die Menschen zu ernähren, sie haben keine Mittel, um die Menschen zu schützen. Ob in Pakistan, Bolivien oder den USA: Wer vom Klimawandel betroffen ist, ist eine Klassenfrage.

Eine Klassenfrage ist es auch, wer den Klimawandel verursacht. Denn das sind nicht „die Industrieländer“. Es sind die Konzerne, die die Umwelt zerstören, es ist der Kapitalismus, der jeden anderen Ausweg blockiert. Heute ist Klimaschutz nur dann möglich, wenn die großen Konzerne daran verdienen – mit Emissionshandel und „grüner Technologie“. Und genau das hat auch Boliviens Präsident, Evo Morales, erkannt: „Der Hauptgrund für die Zerstörung des Planeten Erde ist der Kapitalismus.“

Olaf, Frankfurt

Dieser Artikel erschien in POSITION – Magazin der SDAJ #1/2011.

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