Preissteigerung heißt Diebstahl – Warum und durch wen die Preise steigen

veröffentlicht am: 5 Feb, 2023

Die Inflation im Oktober 2022 beträgt laut Medien über 10%. Aber was steht eigentlich dahinter? Inflation ist eine Variante der Steigerung der Profitrate. Wir müssen also die Triebkräfte betrachten, die den Zwang zur Steigerung der Ausbeutungsrate durch die Kapitalisten erzeugen. Inflation passiert nicht – sie wird gemacht, aber wie?

 

Warum? Und warum gerade jetzt so krass?

Inflation ist, wenn die Preise steigen, aber die Preise steigen nicht einfach so, weil es irgendetwas gibt, das Inflation heißt. Für die Inflation gibt es viele Erklärungen, die alle eins gemeinsam haben, nämlich dass sie die wahren Verursacher hinter den steigenden Preisen verschweigen. So hören wir z.B., dass die Geldmenge, die im Umlauf ist, steigt und damit einhergehend das Preisniveau. Oder dass eine hohe Nachfrage nach Waren eine Ursache sei. Oder dass die hohen Preise durch gestiegene Material-, Energie- oder Lohnkosten, die zur Herstellung von Waren benötigt werden, schuld an der Inflation seien. Doch diese Erklärungsansätze behindern allesamt ein Verstehen der wirklichen Ursachen der Inflation. Fakt ist aber, dass die Preise steigen, und das bekommen wir jeden Tag zu spüren.

 

Woher kommen die Preise eigentlich?

Wenn wir etwas kaufen, bezahlen wir einen gewissen Preis für die Ware, die wir erwerben. Der Preis der Waren ist aber nicht willkürlich gewählt, sondern entspricht den Werten, die durchschnittlich und gesamtgesellschaftlich notwendig in den Waren stecken. Einfach gesagt ist ein Schulheft billiger als ein Auto, weil man weniger Zeit zur Herstellung benötigt. Und nicht nur in der Ware an sich, sondern auch einschließlich dem Wert aller Waren, die als Vorprodukte auf sie übertragen werden. Beispielsweise benötigt man für einen Tisch Holz, das eingekauft werden muss oder bei einem Auto gewisse Teile, die bei Zulieferbetrieben erworben werden und einen Teil des Wertes der Waren ausmachen. Diese Waren bezahlen wir mit Geld. Geld ist das allgemeine Äquivalent, das zum Austausch aller Waren eingesetzt wird. Die für die Zirkulation erforderliche Geldmenge entspricht dem Wert aller Waren unter Berücksichtigung des Umlauf-Zyklus. Wenn der gleiche Euro tausendmal zum Austausch von Waren eingesetzt wird, sind für die Abwicklung dieser Geschäfte eben nicht tausend Euro, sondern ein Euro erforderlich.

 

Die Rolle der Monopole

Im vormonopolistischen Kapitalismus schwankt der Preis um den Wert der Ware. Das Angebot an Waren und ihre Nachfrage wirken insofern regulierend, weil Kapital aus Sphären des weniger profitträchtigen Überangebots in Sphären des profitableren Unterangebots abfließt. So gleicht sich der Markt tendenziell aus. Anders ist das im Monopolkapitalismus. Monopole sind Konzerne (oder Bündnisse von Konzernen) die dauerhaft höhere Preise erzielen können, weil sie diese Fluktuation unterbinden. Durch ihre Marktmacht schalten sie große Teile ihrer Konkurrenz aus, kaufen kleinere Kapitalisten auf, verdrängen sie vom Markt und können, zumindest zeitweise, die Preise ihrer Zuliefererbetriebe drücken und so ihren Profit zusätzlich erhöhen.

 

Inflation und Preissteigerung als Krisenbewältigungsmaßnahme

Die nichtmonopolistischen Kapitalisten versuchen die daraus entstehenden Mindereinkünfte dadurch zu kompensieren (und überkompensieren), indem sie die Ausbeutung verschärfen. Aber natürlich lassen sich dazu auch die Monopole keine Möglichkeit entgehen. Die Steigerung der Ausbeutungsrate erfolgt meist gleichzeitig durch unterschiedliche Verschlechterungen der Lage der ArbeiterInnen. Zum Beispiel durch Verlängerung der Arbeitszeit, Leistungsverdichtung und Reallohnsenkungen. Der Lohn als Preisausdruck des Werts der Ware Arbeitskraft ist aber nicht in Stein gemeißelt. Entsprechend dem Kräfteverhältnis in der Gesellschaft, bspw. durch starke Gewerkschaften, kann er in gewissen Grenzen erhöht werden. Da die Kapitalisten aber möglichst wenig für die Löhne ausgeben wollen und möglichst viel rausholen wollen, senken sie den Reallohn aller, mithilfe der Inflation und der gezielten Preissteigerung.

 

Damit ist die Inflation eine Krisenbewältigungsmaßnahme des Monopolkapitals und in jeder Krise, in unterschiedlicher Ausprägung, ein Faktor. Auch Monopole sind gegen die kapitalistische Überproduktions-/Unterkonsumtionskrise nicht gefeit. Auch ihre Waren sind nur dann etwas wert, wenn sie verkauft werden können, was an die Grenzen der Nachfrage stößt. Wenn keine Waren mehr verkauft werden können, kann das Geld nicht mehr gewinnbringend angelegt werden und häuft sich an. Dieses brachliegende Geld senkt den Wert des restlichen Geldes. Aber natürlich finden sich Kapitalisten nicht auf Dauer damit ab, dass ihr Geld daran gehindert wird zu Kapital zu werden. Mit Vehemenz drängen sie deshalb (für ihre Waren und Geldanlagemöglichkeiten) in andere Märkte. Dabei stoßen sie aber auf andere Monopole, die dies blockieren (oder sogar ihrerseits umgekehrt das Gleiche versuchen) – es ist also eine Machtfrage! Weil aber für diese Expansion noch nicht einmal Monopolprofite als Machtquelle ausreichen, springt der Staat mit einer Vielfalt von Subventionen, die Großteiles mit keinem Wertschöpfungsprozess verbunden sind, ein. Besonders beliebt sind hier bspw. Rüstungsausgaben. Der Kreislauf des Kapitals von Geld -> Ware -> mehr Geld wird in rasant wachsender Geschwindigkeit direkt zu Geld -> mehr Geld pervertiert.

 

Egal, ob ein Stück Brot und ein Stück Wurst je 1€ kosten oder je 100€ sie behalten ihren Wert, werden immer noch äquivalent ausgetauscht, wie auch sachlich vorhandene Maschinen, Fabriken usw. ihren Wert behalten. Hier werden keine neuen Werte geschaffen, das Geld wird vielmehr entwertet, weil der gleichen Menge Waren mehr Geld gegenübersteht. Inflation macht als Krisenbewältigungsmaßnahme für die Herrschenden vor allem dann Sinn, wenn es Waren gibt, deren Preis nicht erhöht wird. Das sind vor allem Löhne und die Sparguthaben der nichtmonopolistischen Bevölkerung. Auch direkte Preissteigerungen durch die Monopole kommen oft genug vor, gerade bspw. neben vielen anderen Branchen hervorragend im Energiesektor ersichtlich. De facto findet so oder so eine Reallohnsenkung statt, und zwar im Verhältnis zu den Waren, die man sich von dem Lohn kaufen kann. Diese Variante ist aber deutlich weniger augenfällig als die direkte Lohnsenkung durch den einzelnen Kapitalisten.

 

System in der Krise

Die Enteignung der Arbeiterklasse durch Inflation ist nichts aktuell Neues, sie ist eine Existenzbedingung des Monopolkapitals. Das erklärt aber nicht ihre aktuelle Dynamik. Die Inflation gehört grundsätzlich zu dem System des Monopolkapitalismus dazu. Der Kapitalismus hat sich von den Folgen der Krise im Jahre 2008ff. nicht erholen können und befindet sich seit ca. 2018 in der nächsten Krise. Wir stellen also fest, dass die Inflation zwangsläufig zum System des staatsmonopolistischen Kapitalismus gehört und dass sie in aller erster Linie eine Umverteilungsmaßnahme der Herrschenden auf unseren Kosten ist. Es ist also eine Preis-Profit-Spirale: das heißt, dass steigende Preise zu mehr Profit führen. Diesen Profit streichen sich dann die Monopole ein. Das zu verstehen eröffnet uns die Möglichkeiten, gegen die Ursache von den Preissteigerungen vorzugehen: den staatsmonopolistischen Kapitalismus.

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