Herrn Zuckerberg mangelt es nicht an Selbstvertrauen. Nachdem er das größte Informationsnetz („Facebook“ genannt) in die Welt gesetzt hat, aus den daraus fließenden Werbeerlösen sensationell hohe Gewinne abgegriffen und sich selbst zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht hat, will er nun auch Notenbanker werden. Im Juni kündigte er eine eigene Währung an, „Libra“ (lateinisch: Waage und Pfund) genannt. Sie soll, so sagt er, es Milliarden Menschen, die über wenig Dollar und nicht einmal ein Bankkonto verfügen, ermöglichen zu bezahlen. Der Zahlungsvorgang wird dann von einem Konsortium mit Mark Zuckerberg an der Spitze abgewickelt. Dazu wird die raffinierte „Blockchain“-Technik verwendet, die ja schon bei dem seit 2009 bestehenden Pseudogeld „Bitcoins“ angewendet wird. Guthaben in Bitcoins werden dabei durch eine verschlüsselte Rechenoperation dargestellt, die bei einem Zahlungsvorgang von Zahler und Empfänger – anonym – nachvollzogen und authentifiziert werden.  Anders als die Bitcoins, deren Preis, in Dollar oder Euro gerechnet, wild schwankt, soll die Libra wertbeständig sein, weil das Zuckerberg-Konsortium für jede gekaufte Libra in genau festgelegtem Verhältnis Dollar, Euro und andere etablierte Währungen kauft, und so eine Preisgarantie für die Libra übernimmt.

 

Eine bunte Truppe

Im von Zuckerberg versammelten Konsortium finden sich illustre Adressen wie zum Beispiel Microsoft, Uber, Paypal, Vodafone, Ebay und die beiden großen Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard. Die letzten beiden und Paypal haben sich nach erster Kritik an dem Vorhaben wieder verabschiedet. Die Notenbanker der Westlichen Welt, also diejenigen, die nach Recht und Gesetz das Monopol zur Ausgabe von Geld haben, sind von Zuckerbergs Plänen zwar nicht begeistert, aber sie haben gleichzeitig deutlich gemacht, dass sie die neue Privatwährung nicht verbieten werden. Sie schwafeln von der Notwendigkeit, die neue, schöne Währung strikt zu regulieren.

 

Angriff auf die Entwicklungsländer

Die Gefahr ist allerdings für Entwicklungsländer mit einer schwachen Währung und ineffizienten Zahlungssystemen viel größer. Dort wird ohnehin oft neben und statt der heimischen Währung in der Weltwährung Dollar, gelegentlich wohl auch in Euro abgerechnet und bezahlt. Auf diese Länder zielt das neue Konsortium ohnehin, und eine Regulierung derselben durch die imperialen Zentralbanken würde die Sache keinen Deut besser machen. Dabei geht es nicht nur um die Geschäftsdaten der künftigen Libra-Nutzer. Die hat Facebook bereits und macht Geschäfte damit. Es geht um die Kontrolle der Zahlungs- und Bankensysteme dieser Länder. Und es geht um den Notenbankgewinn. Jeder Kunde, der in Libra zahlt, muss diese erst für Dollar oder heimische Währung kaufen. Für Zuckerberg & Co. fallen bei der Libra-Ausgabe nicht einmal Druckkosten an. Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank, fragte Brecht. Und was ist die Gründung einer Bank, verglichen mit der einer Notenbank?

Lucas Zeise

 

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