Das Ass im Ärmel der Automobilindustrie (POSITION #05/19)

veröffentlicht am: 13 Dez, 2019

Bis 2022 sollen eine Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein, so das erklärte Ziel der Bundesregierung und damit deren Lösung der Klimakrise. Auf dem ersten Blick scheint dieses Vorhaben ja auch nicht schlecht zu sein, immerhin sind E-Autos leise und stoßen kein Co2 aus. Doch bei genauer Betrachtung fällt auf: Dieser Plan hat ein Loch.

Die Rechnung geht nicht auf

Mal davon abgesehen, dass das gesetzte Ziel aufgrund vieler Faktoren unrealistisch ist, denn trotz staatlicher Förderung steigen die Absatzzahlen nur langsam, ist ja bekanntlich nicht alles Gold was glänzt. Denn E-Autos benötigen Akkus, die in der Herstellung enorm viele Ressourcen benötigen und obendrein auch noch viele Treibhausgase erzeugen. Damit ein E-Auto einen positiven Co2-Abdruck hinterlässt, müssen damit etwa 150.000 Kilometer gefahren werden. Bei einer durchschnittlichen Kilometeranzahl von 15.000 KM im Jahr, vergehen bis dahin gut zehn Jahre. Damit sind E-Autos zwar immer noch klimafreundlicher als beispielsweise Dieselfahrzeuge, doch hat so ein Lithium-Akku nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von sieben Jahren. Soweit, so bekannt. Warum setzen dann alle auf Elektromobilität?

Klimaschutz vs. Profitlogik

Ein wirkliches konsequentes und radikales Vorgehen gegen die Automobilindustrie würde bedeuten, der Profitlogik der kapitalistischen Produktionsweise zu widersprechen. Denn ökologisch zu produzieren ist kostenintensiver und kann einen Wettbewerbsnachteil bedeuten und kein kapitalistischer Staat hat die Absicht, den in ihm angesiedelten Unternehmen zu schaden. Und obwohl der kurzfristige Profit der Autokonzerne vorrangig ist, können auch die Herrschenden Veränderungen im Klima und die damit verbundenen bürgerlichen Debatten nicht einfach ignorieren. Beim E-Auto handelt es sich also um das Ass im Ärmel der Automonopole. Ausreichend Infrastruktur und Forschung lassen zu, dass mit dem E-Auto der neue Markt von umweltbewussten Fahrern erschlossen werden kann, ohne die Absicht zu verfolgen Verbrennungsmotoren zu ersetzen. Denn Öl ist billig und was billig verbraucht werden kann, lässt den Profit steigen. Das Elektroauto ist das Biosiegel unter den Fahrzeugen: Gut fürs Gewissen aber nichts dahinter.

Wirklicher Klimaschutz

Indessen werden keine Ansätze verfolgt, den Co2-Austoss durch Autoabgase wirklich zu reduzieren. Zum Beispiel indem man gegen den Individualverkehr vorgeht. Denn sind wir mal ehrlich: Es ist doch absurd, dass Millionen Menschen tagtäglich alleine in ihrem Fahrzeug in dieselbe Richtung fahren. Selbstverständlich sind viele Menschen aktuell noch auf ihr Auto angewiesen, was aber mit den fehlenden Alternativen zutun hat. Ein massiver Ausbau des ÖPNVs, kostenfreie Tickets und soziale Anreize, wären der richtige Schritt um die Autos von den Straßen zu bekommen, Treibhausgase und Lärm dadurch zu reduzieren, der Natur ihren Boden zurückzugeben und unseren Planeten zu retten. Doch das kostet Geld und bringt keinen Profit. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir also selbst bestimmen können, wie produziert wird.

Domi, Neumarkt

 

 

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Dieser Artikel erschien in
POSITION #5/2019
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