Die Söhne der großen Bärin (POSITION #04/19)

Liselotte Welskopf-Heinrich gelingt es in ihrem großartigen, sechsteilligen Romanzyklus, die klassischen Muster a lá „guter Cowboy und böser Indianer“ zu durchbrechen. Anhand des Schicksals der kleinen Lakota-Stammesgruppe „die Söhne der großen Bärin“ und ihres Kriegshäuptlings Harry Tokei-ihto, zeigt sie exemplarisch das Schicksal der Prärieindianer während der letzten Indianerkriege und der darauf folgenden Internierung in Reservaten durch die US-Amerikanische Regierung, auf. Welskopf-Heinrich war stets bemüht die Lebensweise der amerikanischen Ureinwohner so authentisch wie möglich darzustellen und reiste sogar mehrmals in die USA, um sich dort mit den Nachfahren der Lakota zu treffen und ihre traditionelle Lebensweise kennenzulernen. Während ihre Sympathien klar erkennbar bei den vertriebenen Lakota liegt, bleibt Liselotte nicht einfach dabei die Indianer als die edlen Wilden und die Weißen als die bösen Siedler darzustellen. In beiden Gesellschaften gibt es Widersprüche, in denen die Figuren gefangen sind. Es gibt keinen Bösewicht, der nicht durch seine Lebensgeschichte zum Bösewicht gemacht wurde, es gibt keinen Helden, der nicht auch verwerflich handelt. Die Hexalogie erschien zwischen 1971 und 1974 im ostdeutschen Altberliner Verlag und ist heute am Günstigsten in Online Antiquariaten zu erwerben.

Cyril, Frankfurt

 

 

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