Post von der SDAJ: Der Offene Brief an RWE-Chef Peter Terium

Liebster Peter,

auch bei RWE, Deutschlands zweitgrößtem Energieversorger, soll gespart werden. Während Merkel den Fiskalpakt durchprügelt, verschärfst du das hauseigene „Sparprogramm“. Statt den bisher rund 8.000 Stellen sollen nun um die 10.400 Stellen gestrichen werden – diese Maßnahme ist natürlich wegen der guten alten Wettbewerbsfähigkeit „unumgänglich“, immerhin hatte dein großer Rivale E.on deutlich bessere Ergebnisse eingefahren als dein Unternehmen. Schlappe 9% Steigerung des betrieblichen Ergebnisses konntest du vorstellen, ein Graus, haben deine Beschäftigten abzüglich Inflation doch gerade sage und schreibe 0,7% mehr Lohn seit Dezember letzten Jahres bekommen. Kein Wunder, dass bei diesen horrenden Summen die Sparschraube angezogen werden muss.

Immerhin sozial gibst du dich, den Mitarbeitern sollen auf „ihre persönliche Lebenssituation abgestimmte Angebote“ unterbreitet werden. Was das bedeutet machst du dazu auch gleich noch klar: „In Zeiten dynamischer Marktveränderungen ist Arbeitsplatzsicherheit in vielen Fällen nur durch mehr Flexibiliät zu erreichen.“ Die Leute sollen also, wenn sie nicht auf die Straße gesetzt werden wollen, am besten gleich mit ausgelagert oder outgesourced werden. Was unter anderem durch diese Einsparungen finanziert werden soll, wurde wenige Tage später bekannt: 2,6 Milliarden sollen die zwei neuen Blöcke des Braunkohlekraftwerks Neurath im rheinischen Grevenbroich kosten.

Moment mal, Braunkohle? Wir hatten da doch mal was von einer Energiewende gehört. Der andere Peter, der Bundesumweltminister Altmaier (CDU), hat das vermutlich ebenso vergessen wie du. „Wir sprechen uns für den Neubau von Kohle- und Gaskraftwerken aus, die hocheffizient sind“, ließ er erklären und lobte RWE dafür, dass sie erkannt haben, wie konventionelle Energie-Erzeugung und erneuerbare Energie gemeinsam für die Energiewende genutzt werden könnten. Mit dem einen können Profite eingefahren, mit dem anderen nette Werbeplakate gestaltet werden.

Hinter der Energiewende steht nunmal das Konzept: Alles bleibt wie’s ist, nur halt in Grün. Denn seien wir doch mal ehrlich: Mit so’nem Windrad lässt sich nicht ganz so viel Kohle machen wie mit einem Kraftwerk, das selbige verbrennt. Immerhin müssten dafür Stromleitungen gebaut werden, und die sind nunmal teuer. Deswegen hat der Philipp, dein Bundeswirtschaftsminister, auch klipp und klar gesagt, dass natürlich die Verbraucher zahlen müssen, immerhin wollen die doch die erneuerbaren Energien und eben nicht die Herren von E.on, RWE und Co. Du bist da ganz flexibel: Ob Energiewende oder nicht, ob die Leute einen Job haben oder nicht, Hauptsache, die Profite stimmen. Einen entschieden unflexiblen Widerstand dagegen wünschen dir

Tom, München & dein Zeitungskollektiv