Die Leute rannten, schrien, applaudierten und umarmten sich, weinten vor Freude und liefen immer schneller.

veröffentlicht am: 22 Sep, 2009

Honduras im AufruhrAbertausende von Bürgern, die sich im Widerstand befinden, haben gestern eine angenehme Nachricht erhalten: Präsident Zelaya befindet sich seit dem 21. September wieder in der Hauptstadt Tegucigalpa. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich seine Anhänger in einer der größten Einrichtungen des Landes. Als man gerade auf einer Pressekonferenz über die Gewalttätigkeiten und die Unterdrückung der Putschisten berichten wollte, traf die Nachricht von der Ankunft Zelayas ein und löste große Freude aus. Die Pressekonferenz wurde sofort aufgelöst und alle liefen zum Sitz der Vereinten Nationen in Tegucigalpa, wo sich Zelaya aufhalten sollte.

Die Leute rannten, schrien, applaudierten und umarmten sich, weinten vor Freude und liefen immer schneller. Kurz darauf kamen sie am Sitz der Vereinten Nationen an, wo sich bereits Tausende Menschen befanden. Dort sprachen sie mit einer Abordnung der Führung der Widerstandsfront, angeführt vom Genossen Rafael Alegria. Danach riefen sie alle Bürgerinnen und Bürger auf, zur brasilianischen Botschaft zu gehen, wo sich Zelaya inzwischen befand.

Präsident Jose Manuel Zelaysa Rosales hörte die Rufe der Menschen draußen und trat auf die Terrasse, um sie zu begrüßen. Sie schienen nicht glauben zu können, was sie dort sahen. Es war ein Augenblick großer Freude für das ganze Volk. Radio Globo und Cholusat Sur (Kanal 36) informierten über die Situation. Alle verfolgten diese Nachrichten.

Gegen 12 Uhr mittags traf eine Delegation von einigen Führern der Widerstandsfront und Journalisten von Radio Globo und Cholusat Sur mit Präsident Zelaya zusammen, um die Vorgehensweise der nächsten Tage zu besprechen.

Die Führung der Widerstandsfront rief alle Unterstützer des Präsidenten dazu auf, sich in die Hauptstadt zu begeben, um dem Mandatsträger Rückhalt und Unterstützung zu gewähren. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: In den Nachmittagsstunden traf eine große Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern aus allen Teilen des Landes an der Botschaft Brasiliens ein. Sie alle forderten die Wiedereinsetzung des Präsidenten Zelaya.

Die durch diese Situation in die Enge getriebenen Putschisten verhängten daraufhin eine Ausgangssperre von 16 Uhr am 21. September bis sieben Uhr morgens am 22. September. Die Repression sollte fortgesetzt und es sollte verhindert werden, dass die Bürger mobilisiert werden. Aber wir sind sicher, dass der Kampf des Volkes dadurch nicht verhindert wird.

De-facto-Präsident Roberto Micheletti hat über drei nationale Radiosender eine Desinformationskampagne angezettelt. Zu Beginn hatte er geleugnet oder wollte nicht wahrhaben, dass sich Zelaya wieder im Land befindet. Er belügt das Volk weiterhin. Aber dieses glaubt den Lügen der Putschisten nicht, sondern hält sich an die Nachrichtensender, die die Wahrheit verbreiten.

Andererseits gibt es keine wirkliche Kommunikation in Honduras. Die Situation ist ähnlich wie die am 28. Juni, dem Tag des Staatsstreiches, und viele Medien berichten nicht über die Ankunft des Präsidenten.

Die Widerständler, die sich in der Nähe der brasilianischen Botschaft aufhalten, bitten die Bevölkerung um Wasser, Lebensmittel und Obdach für die Menschen, die sich unter freiem Himmel dort aufhalten, um den Präsidenten zu unterstützen. Wegen der Ausgangssperre können sie sich nicht frei bewegen, um sich zu versorgen. Eine halbe Stunde vor der Verkündung der Ausgangssperre verließen viele Arbeiter noch schnell ihren Arbeitsplatz, um nach Hause zu gelangen.

Die Widerstandsbewegung ist entschlossen, den Präsidenten bis zum Äußersten zu verteidigen. Der Präsident hat das Volk in mehreren Erklärungen dazu aufgerufen, Kommissionen zu bilden, um einen Dialog aufzunehmen. Der gesamte Bereich rund um die Botschaft wird von Militär bewacht und von Helikoptern aus beobachtet. Auf den Gebäuden in der Umgebung sind Scharfschützen postiert. Einige kleinere Polizeieinheiten, die sich zum Schutz der Botschaft vor Ort befanden, wurden von der Widerstandsbewegung mutig abgedrängt und mussten den Ort verlassen.

Auf Beschluss der Organisation Amerikanischer Staaten vom Nachmittag wird dessen Generalsekretär Jose Miguel Insulza morgen in Honduras eintreffen, um einen Dialog zur Versöhnung aufzunehmen. Die Widerstandsbewegung bleibt standhaft und ist zuversichtlich, dass Präsident Jose Manuel Zelaya Rosales wieder ins Amt gebracht wird.

Bericht der Landarbeiterorganisation Via Campesina über die letzten Ereignisse in Honduras

Quelle: Amerika21

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