Luftangriffe als Gastgeschenk?

veröffentlicht am: 6 Mai, 2009

Proteste in den USAUS-amerikanischer Druck zwingt Pakistan in den Bürgerkrieg

In Pakistan haben sich die Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Offensive der Regierungstruppen in Swat weiter verstärkt. Der Bezirk in der Nordwest-Grenzprovinz (NWFP) gilt als Hochburg der Taliban. Ein militärisches Vorgehen gegen Swat würde wahrscheinlich zum endgültigen Zusammenbruch des ohnehin brüchigen Waffenstillstands mit den islamistischen Rebellen führen, der im Februar geschlossen wurde.

Der oberste Regierungsvertreter in Swat forderte an Dienstag die Bevölkerung mehrerer Orte auf, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen. Das gilt in Pakistan als übliche Vorankündigung, daß massive Luftangriffe auf diese Gebiete unmittelbar bevorstehen. Die systematische Entvölkerung bestimmter Gegenden ist ein zentrales Element der Aufstandsbekämpfung im Nordwesten Pakistans. Fast 600000 Bürgerkriegsflüchtlinge sind in dieser Region beim Welternährungsprogramm der UNO registriert. Die Gesamtzahl der Vertriebenen wird auf bis zu eine Million Menschen geschätzt. Die pakistanische Regierung unternimmt kaum Hilfsmaßnahmen.

Auch in Swat machten sich am Dienstag nach der Aufforderung des Regierungsvertreters wieder Hunderte mit ihrem wenigen Besitz zu Fuß oder in überfüllten Bussen auf die Flucht, insbesondere aus der Bezirkshauptstadt Mingora. Dort haben inzwischen in Erwartung der Regierungsoffensive schwerbewaffnete Taliban die Kontrolle über alle wichtigen Punkte übernommen und befestigte Stellungen auf den Dächern höherer Gebäude errichtet. Mehrere Polizeistationen wurden gesprengt, nachdem die staatlichen Sicherheitskräfte ohne Widerstand abgezogen waren.

Eine Großoffensive der Regierung gegen Swat wird weithin als pakistanisches »Gastgeschenk« für die morgen beginnenden Gespräche in Washington zwischen US-Präsident Barack Obama und seinen Kollegen aus Pakistan und Afghanistan, Asif Ali Zardari und Hamid Karsai, erwartet. Zardari, dessen Ansehen im eigenen Land sich auf einem Tiefpunkt befindet, steht schon seit Monaten unter starkem amerikanischen Druck, den Krieg gegen die Taliban massiv zu verstärken. Gleichzeitig hat im US-Kongreß die Debatte über ein Gesetz begonnen, das Militär- und Wirtschaftshilfe für Pakistan vom Wohlverhalten der Regierung in Islamabad abhängig macht.

 

Quelle: Kasseler Friedensratschlag

Merken

SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Bamberg
SDAJ Barsbüttel
SDAJ Berlin
SDAJ Blankenfelde-Mahlow
SDAJ Bochum
SDAJ Bonn
SDAJ Bremen-Oldenburg
SDAJ Cottbus
SDAJ Dortmund
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankenberg
SDAJ Frankfurt
SDAJ Freiburg
SDAJ Gießen
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Karlsruhe
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Landau
SDAJ Leipzig
SDAJ Limburg-Weilburg
SDAJ Linker Niederrhein
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Münster
SDAJ Neumarkt
SDAJ Neuss
SDAJ Nürnberg
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stralsund
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Wuppertal
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Inszenierung der militärischen Evakuierung

Inszenierung der militärischen Evakuierung

Obwohl die gesellschaftliche Debatte um den „militärischen Evakuierungseinsatz“ Ende August groß war, war die Auswirkung des nachträglich erteilten Mandats durch den Bundestag für den Einsatz belanglos. Denn die Bundeswehr hatte schon ein Mandat für einen Einsatz in...

mehr lesen
Keine Aufweichung von Friedenspositionen!

Keine Aufweichung von Friedenspositionen!

Heute wurde im Bundestag über einen erneuten Afghanistan Einsatz der Bundeswehr abgestimmt. Es sollen bewaffnete SoldatInnen zur militärischen Evakuierung aus Afghanistan eingesetzt werden. Dabei beschränkt sich das Einsatzgebiet nicht etwa auf den Kabuler Flughafen,...

mehr lesen
× Schreib uns!