Jetzt gilt es: trotz Pandemie zusammenstehen und kämpfen!

veröffentlicht am: 12 Mrz, 2021
Zur Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie

 

Tarifverhandlungen. Endlich. Denn die letzte richtige Flächen-Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie ist satte drei Jahre her. Wenn auch viel mehr für die Beschäftigten drin gewesen wäre, ließ sich das Ergebnis vom 5. Februar 2018 durchaus sehen: spürbare Entgelterhöhungen und mit dem sogenannten „T-ZUG“ die Wahl zwischen mehr Geld und mehr Freizeit. Die stabile wirtschaftliche Situation, primär aber die Kampfkraft von rund 1,5 Millionen Warnstreikenden ließen das zu. Statt die ordentliche Tarifrunde anzugehen, einigten sich Kapital und IG Metall im März 2020 dann kurzfristig auf ein „Krisenpaket“, das vor allem Regelungen zur Kurzarbeit beinhaltete. Mit Folgen: die IG Metall verlor im letzten Jahr 48.000 Mitglieder. Zwar wurden im gleichen Zeitraum etwa 120.000 Arbeitsplätze in der Metall-Branche abgebaut (was sich schon vor der Corona-Krise angebahnt hatte), jedoch trug die konfliktscheue und undemokratische ‚Krisenpolitik‘ der IG Metall wesentlich dazu bei. Die Beschäftigten sind enttäuscht und fühlten sich von ihrer Gewerkschaft im Stich gelassen, der es an kompetenten und nachvollziehbaren Lösungen fehlte.

 

Kampfkraft entwickleln

 

So die Ausgangslage für die jetzige Tarifrunde. Die wesentlichen Inhalte der IG Metall-Forderungen: „Beschäftigung sichern, Zukunft gestalten, Einkommen stärken“. Krisengeschüttelte Unternehmen sollen demnach durch die Möglichkeit einer Vier-Tage-Woche flexibler auf die wirtschaftliche Situation reagieren können und die Beschäftigten vor Kündigung oder Kurzarbeit schützen. Die Entgeltverluste sollen durch eine bis zu 4%-Erhöhung teils kompensiert werden. Eine richtige Arbeitszeitverkürzung in unserem Interesse, mit vollem Lohn- und Personalausgleich ist es also offensichtlich nicht. Offenkundig aber ist, dass auch dieser Tarifvertrag einen „Krisen“-Charakter in sich trägt. Das, obwohl sich die Branche bereits wieder in einer Erholungsphase befindet. Immer weniger Betriebe haben noch Kurzarbeit und die Auftragsbücher sind teils so voll, dass Arbeitszeitverlängerung und Wochenendarbeit schon gang und gäbe sind. Für die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben springt bei diesen Forderungen wenig raus. Die 4% mehr Lohn sind kaum mehr als ein Inflationsausgleich und die Forderungen zur Beschäftigungssicherung kann man auch nicht gerade als einen ‚Fortschritt‘ betrachten. Wirklich sinnvoll ist die Forderung nach Angleichung der Arbeitszeit Ost/West. Die Kolleginnen und Kollegen in Ostdeutschland müssen nämlich noch immer 38, statt 35 Stunden (im Westen) arbeiten (für denselben Lohn versteht sich). Den Ernst der Lage begreifen wir, wenn wir uns die aggressiven Forderungen der Kapitalseite – namentlich „Gesamtmetall“ – anschauen. „Die Forderung der IG Metall fällt völlig aus der Zeit“ oder „Selbst eine Nullrunde wäre schon ein Kompromiss“, geben hier führende Köpfe der Kapitalseite zu hören. Gesamtmetall spricht von unbezahlter Mehrarbeit und dem Streichen sämtlicher Zulagen. Sie wissen um die missliche Situation in der Gewerkschaft und nutzen die weltweite Pandemie und die dementsprechend geringe Kampfkraft gezielt aus, um ihre reaktionären Forderungen durchzusetzen. Letztendlich gilt es – trotz Corona – Kampfkraft zu entwickeln und möglichst große Teile der Belegschaft in der Tarifrunde zu mobilisieren. Erfolgreiche Warnstreiks bekommen hier eine zentrale Bedeutung. Wir als KommunistInnen müssen Kämpfe und Aktionen initiieren und unterstützen. Wir üben praktische Solidarität mit den KollegInnen und gehen über die Forderungen der IG Metall hinaus!

 

Calvin, Marburg

SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Bamberg
SDAJ Barsbüttel
SDAJ Berlin
SDAJ Blankenfelde-Mahlow
SDAJ Bochum
SDAJ Bonn
SDAJ Bremen-Oldenburg
SDAJ Cottbus
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankenberg
SDAJ Frankfurt
SDAJ Freiburg
SDAJ Gießen
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Karlsruhe
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Landau
SDAJ Leipzig
SDAJ Limburg-Weilburg
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ Mu?nster
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Neuss
SDAJ Nürnberg
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stralsund
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Jungkandidat*innen zur Bundestagswahl: Andrea Hornung

Jungkandidat*innen zur Bundestagswahl: Andrea Hornung

Wer wirklich die Umwelt retten will, wählt KommunistInnen POSITION: Das Bundesverfassungsgericht hat gesagt, dass die Umwelt geschützt werden muss. Ist das Problem jetzt gelöst? Andrea: Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist ein positives Signal. Denn es stimmt,...

mehr lesen
Die Legende vom „importierten Antisemitismus“

Die Legende vom „importierten Antisemitismus“

Die Bundesregierung ist sehr schnell dabei, realen und vermeintlichen Antisemitismus bei Pro-Palästina-Demos zu finden. Bei antisemitischen faschistischen Netzwerken und ihren Rekrutierungsbecken in Polizei-, Bundeswehr- und Geheimdienststrukturen tut sie sich...

mehr lesen
× Schreib uns!