Die Pille (POSITION #04/19)

Das alternativlose Wundermittel gegen Alles

Jede Frau kommt schon in sehr jungen Jahren mit der Frage in Berührung, ob sie die Pille nehmen sollte. Ob als Verhütungsmittel, als Anti-Pickel-Wunder oder gegen andere Beschwerden – die Pille scheint für alles geeignet zu sein. Sie wird daher schon fast automatisch beim ersten Besuch des Frauenarztes verschrieben. Dabei wird häufig zu wenig bzw. gar nicht auf die möglichen Nebenwirkungen aufmerksam gemacht, die teils sehr schwerwiegende Folgen haben können. Migräne und Übelkeit treten sehr häufig auf, aber auch psychische Beschwerden und sexuelle Lustlosigkeit können auf die Pille zurückgeführt werden. Gefährlicher ist aber das erhöhte Thromboserisiko, wobei eine Thrombose eher selten auftritt. Es bleibt natürlich jeder Frau selbst überlassen, die Vorteile der Pille mit den Nachteilen für sich abzuwägen. Dennoch sollte stets eine vollumfängliche Aufklärung bei dem/der GynäkologIn stattfinden.

Die einzig wahre Pille?

Außerdem ist es problematisch, wenn die Pille als das einzig sichere Verhütungsmittel neben Kondomen hochstilisiert wird. Es gibt durchaus weitere Alternativen, die auch sicher sein können. Herauszufinden, was die richtige Verhütung für einen persönlich abseits der Pille ist, erfordert allerdings längere Recherchearbeit, sofern man es sicher haben möchte. Findet man dann eine Alternative zur Pille, wird man von anderen häufig schief angeguckt oder gefragt, ob man nicht doch heimlich einen Kinderwunsch hätte. Gerade Männer, die sich in der Regel nicht mit dem Thema Verhütung auseinandersetzen, weil das ja „Frauensache“ sei, kennen sowieso meistens nur die Pille und das Kondom als sichere Verhütungsmittel. Als die Pille in den 1960ern erfunden wurde, war sie eine wichtige Entwicklung für die körperliche Selbstbestimmung der Frauen. Sie konnten nun in einem erheblich größeren Maß selbst darüber bestimmen, wann sie schwanger werden wollen und wann nicht. Seitdem gab es aber nur noch wenige Fortschritte bei der Erforschung alternativer Verhütungsmethoden. Stattdessen gibt es regelmäßig neue Pillen. Wichtig wäre es, daneben andere Möglichkeiten für sichere Verhütung weiter zu erforschen.

Die Kosten für Verhütung

Wichtig für die Verhütung ist aber leider auch die Finanzierung. Beispielweise kostet das Einsetzenlassen der Kupferspirale bis zu 300 €. Im Vergleich: die Pille kostet durchschnittlich 40 bis 80 € für eine 6-Monatspackung für Frauen ab 20 Jahren. Davor werden die Kosten für die Pille von den Krankenkassen getragen bzw. bezuschusst. Das gilt übrigens nur für die Pille, hormonfreie Verhütungsmittel werden gar nicht bezuschusst. Für Hartz 4- EmpfängerInnen ist die Lage nochmal prekärer: ein Zuschuss für Verhütungsmittel ist im Arbeitslosengeld nicht vorgesehen. Es ist lediglich möglich, in einzelnen Städten über die Sozial- bzw. Gesundheitsämter eine Kostenübernahme oder einen Zuschuss zu erhalten. Dazu muss man aber erstmal das Glück haben, in einer dieser Städte zu wohnen. Und wenn man dieses Glück hat, ist auch noch nicht sicher, wie hoch der Zuschuss ist. Die Möglichkeit, auf Verhütungsmittel kostenfrei zugreifen zu können, muss unbedingt allen zur Verfügung stehen.

Anki, Neumarkt

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj.org