Die Menschwerdung des Affen (POSITION #02/19)…

Die Menschwerdung des Affen (POSITION #02/19)

In den USA sowie in Deutschland wird die Auffassung immer beliebter, die Evolutionstheorie sei falsch. Menschen, die vom sogenannten “Kreationismus” oder “Intelligent Design” überzeugt sind, glauben, dass das Universum, die Welt und alle Lebewesen sich nicht innerhalb von Millionen von Jahren entwickelt hätten, sondern innerhalb von sieben Tagen von Gott erschaffen wurden. Einige LehrerInnen sind nicht nur individuell davon überzeugt, sondern fordern auch, die Schöpfungslehre in der Schule zu unterrichten und zwar nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch in Biologie als eine der Evolutionstheorie ebenbürtige, wissenschaftlich fundierte Theorie.

WIE ENTWICKELN SICH LEBEWESEN?
Dabei hat der Kreationismus nichts mit Biologie oder Wissenschaft zu tun. Viele der LehrerInnen vergessen, wie viel ihre Theorie nicht erklären kann: Völlig unerklärt bleibt, weshalb Fossilien von Lebewesen existieren, die es heute nicht mehr gibt (z.B. Dinosaurier oder viel wichtiger: die Vorfahren der heutigen Menschen) oder wie Antibiotika-Resistenzen zustande kommen. Wenn dein Lehrer kreationistische Inhalte vertritt, sprich ihn darauf an, wie er sich diese Phänomene erklärt.
Die Evolutionstheorie als naturwissenschaftliches Modell hingegen kann genau erklären, dass Lebewesen, die es früher einmal gab, ausgestorben sind, weil sie sich an veränderte, z.B. klimatische Bedingungen auf der Erde nicht anpassen konnten und wir sie deshalb nur als Fossilien kennen (z.B. Dinosaurier), bzw. dass einige Lebewesen sich an veränderte Bedingungen angepasst haben und deshalb heute völlig anders aussehen als ihre fossilen Vorfahren. Wenn ein Bakterium beispielsweise mit Antibiotika behandelt wird und eines überlebt, dass zufälligerweise gegen das Antibiotikum immun ist, kann sich dieses Bakterium schnell vermehren und eine neue Art von Bakterien schaffen, die gegenüber bestimmten Antibiotika völlig immun sind.

EINE „INTELLIGENTE KRAFT“ HINTER DEN BANANEN?
Kreationisten argumentieren meistens mit der sogenannten „Nicht-reduzierbaren Komplexität“ (ähnlich wie ein Uhrwerk sollen Lebewesen so beschaffen sein, dass sie sich nicht zufällig entwickeln könnten) und mit der „Teleologie“ , also dass bspw. Bananen eine “Intelligente Kraft” benötigen, die sie erschaffen haben muss. Diese Argumente lassen sich leicht widerlegen: Lebewesen verfügen über einen Stoffwechsel und sie pflanzen sich fort, wobei Veränderungen entstehen können. Wenn diese einen Vorteil bringen, bleiben sie bestehen, falls nicht, verschwinden sie wieder. Findet eine räumliche Trennung zwischen einer Population statt, entwickeln sie sich völlig unabhängig voneinander. Es wird auch behauptet, dass Bananen so praktisch zu essen und so gesund seien, weil sie extra für den Menschen erschaffen wurden. Menschen, die so argumentieren, blenden aus, dass ein Großteil der Früchte für den Menschen giftig oder weniger praktisch zum Essen sind. Daraus ergeben sich dann zahlreiche Fragen: Warum ist nur eine einzige Frucht extra für den Menschen geschaffen? Warum wächst die Frucht nur in einem Teil der Welt? Hat Gott Menschen, die dort leben, lieber als andere? Die ernüchternde Wahrheit ist, dass die Banane, wie alle Wunder der Natur, das Produkt einer Kette von Zufällen und Kausalbeziehungen ist.
Anzunehmen, die Welt sei innerhalb von 7 Tagen von Gott erschaffen worden, schafft also letzten Endes mehr Fragen als Antworten.

[Marius, Düsseldorf]

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