Working Whistleblower (POSITION #01/19)…

Working Whistleblower (POSITION #01/19)
50, 80, 100, 123 – ÜBERSTUNDEN OHNE ENDE

Leon (22) arbeitet neben seinem Studium bei einer Tankstelle.

“EIGENTLICH war das hier ein 450 Euro-Job für mich, Mindestlohn, also knapp 50 Stunden im Monat, aber Überstunden hab’ ich hier schon von Anfang an gemacht: ab und zu mal 2 oder 3, ab und zu bis 20. Alles kein Dingo, die konnte ich mir ja immer für den nächsten Monat anrechnen lassen. Alles chillig. Nur halt doch nicht: Nun hat ein Kollege, ein Festangestellter, Anfang des Monats die Kündigung eingereicht und sich die Hälfte des Monats krankschreiben lassen. Wer gefragt wurde die fehlenden Stunden auszugleichen wird euch überraschen: na klar, ich. Einen oder zwei Monate sollte ich auf Lohnsteuerkarte mit neuem Vertrag arbeiten, bis wieder genug Personal da ist. Na gut, ein wenig Geld nach Weihnachten konnte ich ganz gut gebrauchen und so ließ ich mich dazu breitschlagen. Unter der Voraussetzung, dass ich nicht mehr als 80 Stunden im Monat mache. 78 Stunden im Dezember, kann ich mit leben. Kurz vor Weihnachten dann ein Anruf: ich soll an dem EINZIGEN Tag, den ich diesen Monat frei haben wollte, arbeiten. “Nö, echt nicht”, sag ich. Kurz darauf wieder ein Anruf: “ok, du arbeitest jetzt den 25.12, den 27, den 28, den 29, den 31.12 und den 1.1”. Als wärs selbstverständlich krieg ich die ohne Widerrede zuzulassen aufgebrummt, ich bin der einzige, der da ist. Ich arbeitete diesen Monat 100 Stunden, 20 Stunden über dem, was ich bereit war denen entgegenzukommen, mit Steuerabzügen, ohne Feiertagszuschlag, für den Mindestlohn, neben dem Studium. Im Januar musste ich dann 123 Stunden arbeiten.“

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Dieser Artikel erschien in
POSITION #1/2019
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