Novemberrevolution und Blutmai (POSITION #01/19)…

Ausgabe 1/2019, POSITION – Magazin der SDAJ

Novemberrevolution und Blutmai (POSITION #01/19)
SPD IN DER WEIMARER REPUBLIK

Die sozialdemokratischen Zeitungen schrieben kurz vor Kriegsausbruch 1914: “Wenn die verhängnisvolle Stunde schlägt, werden die Arbeiter das Wort einlösen, das von ihren Vertretern für sie abgegeben ist. Die vaterlandslosen Gesellen werden ihre Pflicht erfüllen und sich darin von den Patrioten in keiner Weise übertreffen lassen.”. Eine Partei in Opposition gegen den Imperialismus sieht anders aus.

VERRAT AN DER NOVEMBERREVOLUTION
Die Novemberrevolution, beginnend am 4. November in Kiel zwang den Kaiser in die Flucht. 5 Tage danach trafen sich Friedrich Ebert und Hauptmann Groener. Sie schlossen einen Pakt, der Sozialdemokrat und der Verbindungsoffizier der kaiserlichen obersten Heeresleitung (OHL), zur engen Zusammenarbeit gegen die soziale Revolution. Die OHL floh vor den Revolutionären ins Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel, wo zu diesem Zeitpunkt der sozialdemokratisch orientierte Arbeiter- und Soldatenrat herrschte. Dieser beschloss am 18.11.1918: “Heute trifft der Generalfeldmarschall von Hindenburg … in Kassel ein, um von Wilhelmhöhe aus die Demobilisierung unsere[r] Truppen zu leiten. … Seine Person steht unter unserm Schutz…” Die Armee und die rasch von Wilhelmshöhe aus gebildeten Freikorps schützten die ins Wanken geratene Macht der Monopole. Der Rücken wurde ihnen von der deutschen Sozialdemokratie freigehalten.

WEIMARER REPUBLIK
1929, inmitten der Weltwirtschaftkrise verbot Karl Zörgiebel die Demonstration zum 1. Mai. Als sich die Arbeiterstadtteile Wedding und Neukölln nicht daran hielten und ihren Tag mit einer Demonstration feiern wollten, lies er die Polizei in diese einrücken. Ein Sozialdemokrat, Max Gmeinhardt, starb als erster an einer Polizeikugel. Er war der Aufforderung, sein Fenster zuschließen nicht sofort nachgekommen. Der Konflikt eskalierte, und die Arbeiter Berlins errichteten Barrikaden. Die SPD hatte die Provokation vorbereitet, Poliezeieinheiten waren zusammengezogen worden und sozialdemokratische und rechte gewerkschaftliche Funktionäre hielten Saalveranstaltungen ab. Eine Solidarisierung der Arbeiter untereinander gegen die Repression sollte verhindert werden.

UND NUN?
Lenin schrieb 1919, unter den Bedingungen des Imperialismus und der bürgerlichen Demokratie sei die Sozialdemokratie die soziale Hauptstütze des Kapitalismus. Nur, wenn das Kapital seine soziale Hauptstütze austauscht, etwa gegen die NSDAP, landen auch die sozialdemokratischen, wie die kommunistischen Arbeiter in den KZ. Was das für uns heißt, haben die Arbeiter 1929 begriffen, sie sangen: “Wir fragen nicht nach Verband und Partei,/ bist du nur ehrlich im Kampf mit dabei, gegen Unrecht und Reaktion”

[Kurt, Hamburg]

_____

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj.org

Source

Dieser Artikel erschien in
POSITION #1/2019
Im Archiv ansehen »
SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Berlin
SDAJ Bochum
SDAJ Dortmund
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankfurt
SDAJ Gießen
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Leipzig
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Nürnberg
SDAJ Oldenburg-Bremen
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Marxistischer Spickzettel (POSITION #05/19)

Marxistischer Spickzettel (POSITION #05/19)

Die sogenannte „Soziale Marktwirtschaft“ Ob im SoWi-, Wirtschafts-, oder Politikunterricht: Immer wieder läuft uns der Begriff der „Sozialen Marktwirtschaft“ über den Weg. Voller Begeisterung erzählen uns die Bücher in der Schule genau wiedie Wirtschaftsexperten im...

Likes & Dislikes (POSITION #05/19)

Likes & Dislikes (POSITION #05/19)

Guten Morgen, Du Schöne  „Wir können uns eigentlich nicht wundern, dass in der sozialistischen Gesellschaft Konflikte ans Licht kommen, die jahrzehntelang im Dunkeln schmorten und Menschenleben vergifteten. Konflikte werden uns erst bewusst, wenn wir uns leisten...

Wessen Welt? (POSITION #05/19)

Wessen Welt? (POSITION #05/19)

Erneuter Terroranschlag von Faschisten In Halle gab es den nächsten Terroranschlag von Rechtsextremen. Natürlich waren alles Einzeltäter. Natürlich gab es auch vorher keine Anzeichen, sodass man dieses schreckliche Attentat nicht verhindern konnte. Der...

Lass uns über’s Ficken reden! (POSITION #05/19)

Lass uns über’s Ficken reden! (POSITION #05/19)

Kommentar: Arbeitsbedingungen und sexuelle Unlust Ausbeutung belastet auch das Sexualleben Wenn es um sexuelle Unlust, also das fehlende Verlangen bzw. Bedürfnis nach körperlichem Kontakt geht, müssen zunächst einige Dinge klargestellt werden. So gibt es bspw. eine...

Öffentliche Bildung in privater Hand? (POSITION #05/19)

Öffentliche Bildung in privater Hand? (POSITION #05/19)

Das deutsche Schulsystem wird mehr und mehr privatisiert Wer in einer Familie aufgewachsen ist, die Sozialhilfe empfängt kennt sie vielleicht: Sogenannte „Bildungsgutscheine“. Obwohl laut ‚Bundesagentur für Arbeit‘ in Westdeutschland 13,5 und in Ostdeutschland 18,4...

Buckeln bis zum krank werden (POSITION #05/19)

Buckeln bis zum krank werden (POSITION #05/19)

Sven ist 27 und Sozialarbeiter   Vor kurzem habe ich noch im KiTa-Verbund der KJSH Stiftung gearbeitet. Hier gehörte es zur Tagesordnung, dass zu wenig Angestellte für zu viele Kinder da waren. Auch Leiharbeit wurde dann mal eingesetzt. Das hat aber nichts...