Leistungsdruck – Hintergründe und Zusammenhänge (POSITION #01/19)…

Ausgabe 1/2019, POSITION – Magazin der SDAJ

Leistungsdruck – Hintergründe und Zusammenhänge (POSITION #01/19)

Hausaufgaben, Referate vorbereiten, daneben für Klausuren lernen.Kinder in der Mittelstufe verbringen knapp 39 Stunden in der Woche mit Schule, denn nach Schulschluss hört die Schule noch lange nicht auf. Besonders in der Oberstufe ist das Lernen bisspät in die Nacht keine Seltenheit, Platz für Freizeit und Hobbies bleiben da kaum. Der Leistungsdruck, mit dem die Schüler in unserem Schulsystem kämpfen müssen, ist fatal und bleibt nicht ohne Folgen. Die Selbstmordrate bei Jugendlichen und Kinder, die psychisch wegen Überlastung und Überforderung erkranken stieg besonders in den letzten Jahren an.

DIE HERKUNFT ENTSCHEIDET
Leistungsdruck ist jedoch nicht nur eine subjektive Beschwerde, sondern unmittelbar verwoben mit Schule im Kapitalismus. Nach einer Studie leiden besonders sozial schlechter gestellte Jugendliche und Kinder aus Arbeiterfamilien unter Leistungsdruck, nicht weil sie dümmer sind, sondern weil sie erwiesenermaßen benachteiligt sind. Der OECD bewies, Schulen mit einer mehrheitlichen sozialökonomisch schlechteren Schülerschaft sind knapper mit Lehrmitteln und Lehrern ausgestattet. Hinzu kommt, dass viele Eltern ihren Kindern nicht die nötige Unterstützung, sowohl intellektuell als auch finanziell gewährleisten können. Sie werden somit wenig bis gar nicht gefördert und Selektion in die verschiedenen Schulformen, aber auch beim Schritt ins Berufsleben,sind die Folgen.

BILDUNG ALS MITTEL DER SELEKTION
Selektion im Schulalltag ist kein unbegründetes Phänomen, sondern ein Mechanismus der kapitalistischen Produktionsweise. Die SchülerInnen werden ganz klar für den Arbeitsmarkt aus-und vorsortiert. Die Schüler bekommen nur so viel Bildung, wie es für den Arbeitsmarkt notwendig ist und erleben auch schon in ihrer Schullaufbahn den Konkurrenzkampf. Wir kriegen immer wiederzu spüren, wie der Staat an Bildungsausgaben kürzt, immer größere Klassen eingerichtet werden und weniger Ganztagschulen existieren. Das wachsende Risiko der Möglichkeit des Raus – und Durchfallens aus unserem Schulsystem und unsichere Perspektiven nach Schulabschluss, gibt vielen SchülerInnen Zukunftsängste und das Gefühl von kompletter Überforderung.

WAS KÖNNEN WIR DAGEGEN TUN?
Unsere Antwort darauf muss der Kampf um mehr Mitbestimmung im Unterricht und beispielsweise Hausaufgabenregelungen und kostenlose Nachhilfeangebote sein. Die gesellschaftliche Antwort auf den steigenden Leistungsdruck und Selektion muss die Forderung nach einer Schule für alle sein,auf der wir uns gemeinsam unter guten Lernbedingungen bilden und lernen, nicht für einen späteren Beruf, sondern für das Leben und unsere Interessen. Langfristig gesehen wird es ein gerechtes Schulsystem nur in einer Produktionsweise geben, in der Selektion, Konkurrenz und Leistungsdruck kein Teil mehr ist: im Sozialismus.

[Alina, Hamburg]

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POSITION #1/2019
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