Of Fathers and Sons…

veröffentlicht am: 19 Mrz, 2019

Of Fathers and Sons
LIKES UND DISLIKES (POSITION #01/19)

Über zwei Jahre begleitete der in Berlin lebende syrische Regisseur Talal Derki das Leben einer Familie in der von Dschihadisten kontrollierten syrischen Provinz Idlib. Hierzu gab er sich als Sympathisant der Islamisten aus und gewann so im Vorfeld das Vertrauen des Familienoberhaupts, einem Mitglied der Al-Nusra Front . Sein Fokus liegt dabei auf den beiden ältesten Söhnen, Osama und Ayman.

Derki lässt die Bilder für sich sprechen, Kommentare werden selten eingestreut, und auch was die Protagonisten anbelangt beobachtet Derki mehr als dass, er Fragen stellt oder Aussagen einordnet. Dies ist sowohl Stärke als auch Schwäche der Dokumentation. Zwar wird dem Zuschauer ermöglicht, sich anhand der vielen Einblicke weitgehend ein eigenes Bild von der Situation zu machen, einige Details sind aber ohne Vorwissen schwer verständlich oder gehen gänzlich verloren.

Derki will zeigen wie sein Land durch den Krieg und die vor Ort herrschenden Dschihadisten verroht , so sehr das er es laut eigener Aussage nicht mehr wieder erkennt. Manch einer der den Film sieht dürfte sich aber eher in seinem kulturellen Überlegenheitsgefühl bestätigt sehen oder, und das wäre für die syrische Bevölkerung noch um einiges schlimmer, pocht fortan auf die Notwendigkeit einer militärischen Intervention um dem Grauen dadurch ein Ende zu bereiten.

Trotz dieser Schwäche bleibt „Of Fathers and Sons“ eine gelungene Dokumentation. Der Film vermittelt keine grundlegend neuen Erkenntnisse oder bahnbrechende Analysen aber er schafft etwas das den zig Reportagen und „Expertenrunden“ der letzten sieben Jahre nicht gelungen ist: Er vermittelt einen Einblick in den Alltag, die Gedankenwelt und das Funktionieren einer Gesellschaft im Krieg und unter der brutalen Herrschaft von Dschihadisten. Dschihadisten die vom Westen und seinen Verbündeten in der Region im Kampf gegen die syrische Regierung unterstützt worden sind.

Die Dokumentation wird demnächst auch in deutschen Kinos zu sehen sein.

[Leo, München]

_____

Dieser Artikel ist aus der aktuellen POSITION, dem Magazin der SDAJ. Du kannst es für 10€ jährlich abonnieren unter position@sdaj.org

Source

Dieser Artikel erschien in
POSITION #1/2019
Im Archiv ansehen »
SDAJ Aachen
SDAJ Augsburg
SDAJ Barsbüttel
SDAJ Berlin
SDAJ Bochum
SDAJ Bonn
SDAJ Bremen-Oldenburg
SDAJ Cottbus
SDAJ Dresden
SDAJ Düsseldorf
SDAJ Essen
SDAJ Frankfurt
SDAJ Göttingen
SDAJ Hamburg
SDAJ Hannover
SDAJ Kassel
SDAJ Kiel
SDAJ Köln
SDAJ Landau
SDAJ Leipzig
SDAJ Limburg-Weilburg
SDAJ Lübeck Süd/Ost-Holstein
SDAJ Mainz
SDAJ Mannheim
SDAJ Marburg
SDAJ München
SDAJ Neumarkt
SDAJ Neuss
SDAJ Nürnberg
SDAJ Osnabrück
SDAJ Ostwestfalen-Lippe
SDAJ Rostock
SDAJ Schwerin
SDAJ Siegen
SDAJ Solingen
SDAJ Stuttgart
SDAJ Trier
SDAJ Tübingen
SDAJ Ulm
SDAJ Witten
SDAJ Würzburg

POSITION #5/2019

mehr zum Thema

Die Schikanen im Schulsystem bleiben

Die Schikanen im Schulsystem bleiben

Nicht wenige SchülerInnen haben die Schulschließungen als „Corona-Ferien“ abgefeiert und sich auf fünf Wochen nix tun eingestellt. Ganz schnell mussten wir aber merken, dass dem nicht so ist und dass „Homeschooling“ auch bedeutet, höheren Leistungsdruck und mehr Angst...

mehr lesen
„Über den Kapitalismus hinaus…“

„Über den Kapitalismus hinaus…“

Wir haben die Guillermo Úcar von der Kommunistischen Jugend Spaniens(UCJE) über das dortige Gesundheitswesen und die politische Situation interviewt Position: Aufgrund der Situation von Covid-19 haben wir den Eindruck, dass das kapitalistische Gesundheitssystem in...

mehr lesen

Wer macht die Revolution?

Lenins Eintreten gegen Opportunismus und Abenteuerertum und für die Einheit der Arbeiterklasse Keine vier Jahre nach der erfolgreichen großen sozialistischen Oktoberrevolution in Russland toben die Klassenkämpfe in der neuen russischen Sowjetrepublik und weltweit...

mehr lesen