Prekäre Verhältnisse beim Discounter (POSITION #04/18)

veröffentlicht am: 28 Sep, 2018

Leo (18) arbeitete als Aushilfe bei Netto 

Vor zwei Monaten habe ich bei Netto als Aushilfe angefangen. In dem Unternehmen arbeiten fast ausschließlich Aushilfen und Azubis, um möglichst niedrige Löhne zahlen zu können. Aushilfen haben zum Beispiel nur einen etwa halb so hohen Lohn wie Festangestellte und bekommen Krankheitstage nicht bezahlt. Azubis haben quasi keine Aussicht auf Übernahme und wenn doch vollausgebildete KollegInnen eingestellt werden, dann nur in Teilzeit. Meine Arbeitszeiten für die nächste Woche bekam ich immer samstags, dabei wurden selbst lange vorher angekündigte Termine meistens einfach ignoriert. Trotz dieser kurzfristigen Schichtplanung wurden immer wieder Schichten während der Schicht verlängert oder am selben Tag kurz vorher abgesagt. Die wenigen regulären Angestellten mussten teilweise spontan über zehn Stunden bleiben, wenn zum Beispiel Fehler im Warenlager gemacht wurden oder der Filialleiter zu wenig Leute für die einzuräumenden Waren einplant. Obwohl sich viele KollegInnen dieser Probleme bewusst sind, gibt es kaum Möglichkeiten, sich innerbetrieblich zu organisieren, da man meistens mit dem Chef in einem Raum arbeitet und viele Angestellte aufgrund ihrer Stundenzahl zu selten arbeiten, um sich darüber mit ihren KollegInnen austauschen zu können. Ende Juli hätte ich eine Kassenschulung machen sollen, um neben Regale einräumen auch zum Kassieren eingesetzt werden zu können, war aber an dem Tag, an dem sie stattfand, krank. Daraufhin wurde ich, weil ich noch in der Probezeit war, trotz Attest sofort gefeuert. Mein Chef hielt es nicht einmal für nötig, mir das mitzuteilen, stattdessen habe ich das zufällig von einer Freundin erfahren, die auch in dem Betrieb arbeitet.

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POSITION #4/2018
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POSITION #5/2019

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