Julian Reichelt (POSITION #03/18)

Die Bild-Zeitung ist für skandalisierende Schlagzeilen bekannt. Vor allem seit die Verkaufszahlen der Print-Ausgabe stark zurückgehen (2010: 3,12 Mio. 2017: 1,69 Mio.) muss die Boulevard-Zeitung noch stärker darauf setzen, Aufmerksamkeit zu erregen. Unter dem neuen Chefredakteur Julian Reichelt wird ein härterer Ton angeschlagen.

Berichterstattung fürs Kapital
Der neue Chefredakteur ist schon lange für seine populistischen Äußerungen und verdrehten Fakten auf Twitter bekannt; angefangen als Kriegsreporter aus Krisengebieten wie Afghanistan oder dem Irak berichtete er über die missliche Lage der Menschen vor Ort. Trotz dieser Einblicke ist er der Rechtskonservative geworden, der er heute ist. Für die Situationen der Menschen in den Krisengebieten sucht er gerne Schuldige, zum Beispiel seinen Lieblingsfeind Putin. Dass der Westen und ganz vorne mit dabei Deutschland, im Krieg mitmischen, Waffen exportiert oder durch Wirtschaftssanktionen den Import von dringend benötigter Medizin oder Lebensmitteln verhindern, wird nicht thematisiert. Schließlich möchte Reichelt nicht gegen seine mächtigen Freunde aus der Wirtschaft vorgehen, die von solcher Politik profitieren; fleißig posiert er mit den Mächtigsten der Welt, mit Apple-Chef Tim Cook oder US-Politikern für Twitter und besucht den Sommerempfang der Jungen Bayrischen Wirtschaft.

Verbreiter von Fake News
Den gleichen Menschen, denen er noch ein Gesicht in seinen Kriegsreportagen gibt, denen die es geschafft haben nach Deutschland zu fliehen, macht er durch seine rechte Propaganda das Leben schwer. Durch die Bild macht er rechte Meinung wieder salonfähig; er betont nicht nur gerne die Herkunft von Kriminellen, sondern produziert Schlagzeilen aus Fake-News und überspitzen Zahlen. Diese Meldungen der „seriösen“ Bild dienen vielen rechten Portalen als Quelle. Doch bedienen sich rechte Medien nicht nur an der Bild, Reichelt selbst bedient sich gerne auch an ihnen, und retweetet Tweets rechter Organisationen, ohne davor die Fakten zu checken. Das passiert ihm bei der Bild aber auch oft, fast wöchentlich muss eine Aussage aus einer vergangenen Ausgabe berichtigt werden.

Gegen Geflüchtete und Ausländer
Der neue Chefredakteur sieht sich als Freigeist, als Verteidiger der Demokratie und Meinungsfreiheit, der gerne Position bezieht und sich auf die Seite des kleinen Mannes stellt. Doch er ist nichts weiter als ein faktenfreier Hetzer. Wäre er doch nur der Betreiber einer rechten Facebook-Seite, der die Bild gerade ähnelt, dann könnte man ihn als absurden Spinner abstempeln. Doch er ist der Chefredeakteur der einflussreichsten deutschen Zeitung, und während die Print-Auflage zurückgeht, erhält bild.de immer mehr Klicks. Julian Reichelt nutzt die Ängste vieler Menschen in Deutschland vor sozialer Unsicherheit nicht nur aus um Klicks und Verkaufszahlen zu generieren, sondern auch um Stimmung gegen Geflüchtete und Ausländer zu machen und Deutschland noch ein weiteres Stück nach rechts zu rücken.

[Julia, Nürnberg]

Dieser Artikel erschien in
POSITION #3/2018
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