„Messer rein, Gedärme raus“ (POSITION #02/18)

Working Whistleblower

Maja (23) hat ein Praktikum in einer Schlachterei absolviert

Die zweite Hälfte meines 4-monatigem Pflichtpraktikums während meines Studiums habe ich in einer Geflügelschlachterei gemacht. Aufgrund meiner Hausarbeit musste ich das Praktikum verlängern und habe für drei Monate 600 Euro erhalten. Ich wurde „vorerst“ beim Ausnehmen und Verpacken eingesetzt und merkte schnell, dass der Betrieb chronisch unterbesetzt ist. Anfangs hoffte ich noch, später andere Bereiche kennenlernen zu können. Doch mir wurde Flexibilität abverlangt, falls jemand ausfiel oder spontan Fremdschlachtungen durchgeführt wurden. Manchmal wurde mir am Vorabend dann geschrieben, ich solle um sieben anstatt um dreizehn Uhr kommen. Trotz rauer Arbeitsbedienungen um den Gefrierpunkt blieb nur selten Zeit für kurze Pausen, um sich hinzusetzen, etwas zu trinken oder auf die Toilette zu gehen. Um Weihnachten wurden nicht einmal die Pflichtpausen am Mittag eingehalten und ich habe KollegInnen gesehen, die sich ausstempelten ohne Pause zu machen. Einmal schnitt sich ein Mitarbeiter so tief in den Finger, dass der Knochen zum Vorschein kam. Als er daraufhin zum Arzt ging, wurde das durch die Vorarbeiterin negativ kommentiert. Sie erzählte von einer Kollegin, der ein Messer auf und Fuß fiel und dort stecken blieb und ohne „Drama“ weiterarbeitete. Ich wurde als Hilfsarbeiterin mit einem Stundenlohn von unter zwei Euro missbraucht und bekam dafür ein durchschnittliches Zeugnis, mit Rechtschreibfehlern, welches auch inhaltlich und formal falsch war. Statt eines „Dankeschön“, wurde mir „Gottes Segen“ gewünscht.

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POSITION #2/2018
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