March for our lives (POSITION #02/18)

Der Anti-Waffenprotest in den USA

Nach dem Parkland-Schulmassaker vom 14.2.2018, bei dem der 19-Jährige Nikolas Jacob Cruz 17 Menschen in seiner High-School erschoss, bildeten sich in den USA Eltern- und Schülerinitiativen, die gegen die Waffengesetzgebung der USA auf die Straße gingen. Zunächst als sogenannte „School-Walkouts“ angelegt, bei denen sich die SchülerInnen für 17 Minuten (eine Minute für jeden Toten) aus dem Unterricht entfernten, gipfelten die Proteste am 24. März in einem US-weiten Demonstrationstag, auf dessen Hauptveranstaltung in Washington D.C. 800.000 Menschen, vor allem SchülerInnen, bis vors amerikanische Parlamentsgebäude demonstrierten.

Gegen die lasche Waffenpolitik

Damit ist es die größte, überwiegend von SchülerInnen getragene Protestbewegung in den USA seit langem und richtet sich scheinbar klar gegen den Waffenlobbyblock, allen voran die NRA (National Rifle Association), deren Einfluss bislang einen nicht geringen Anteil an der laschen Waffenpolitik der USA gehabt haben dürfte. Trotz angedrohte Bestrafungen seitens einzelner Schulleitungen, trotz Waffenblock, trotz der lobbyfreundlichen US-Regierung um Donald Trump geht also die amerikanische Schülerschaft zusammen mit den Eltern, Lehrern, Studenten und der arbeitenden Jugend auf die Straße und kämpft auf ihre Art gegen die brandgefährliche Profitsucht der Waffenmonopolisten. Natürlich haben bereits Liberale versucht, diese Bewegung für sich zu vereinnahmen. So auch die demokratischen Abgeordneten, die die SchülerInnen am Kapitol auf der Hauptdemo empfingen und auch die liberale Presse berichtet überwiegend wohlwollend über die Bewegung.

Was sagt uns das?

Die „March for our lives“-Bewegung vertritt nach außen hin erstmal keinen klaren Klassenstandpunkt und setzt ihren Fokus nicht auf den antimonopolistischen Aspekt. Sie fordert nur schärfere Waffengesetze und nicht etwa direkt die Bekämpfung des Einflusses der Waffenlobby auf die Politik, auch wenn beides zu einem gewissen Grad Hand in Hand geht. Sie sieht das Problem der Massakerin den Waffen allein und nicht etwa in der gesamtgesellschaftlichen Problematik, dass zunehmend Amokläufer herangezogen werden, was wiederum u.a. ein Resultat des wachsenden Druckes auf die Schülerschaft zum einen und der tiefen Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich zum Anderen ist. Dadurch werden perspektivlose Jugendliche in die Arme von Rechtsextremisten, Islamisten und sonstigen Sozialdemagogen getrieben, wo sie sich radikalisieren. Kurz: Die Bewegung als Solche sucht nicht nach den Wurzeln der Probleme und beschränkt sich primär auf eine Symptombekämpfung.

Solidarität mit den Protesten

Wir wissen: Schärfere Waffengesetze allein werden keine Amokläufe und Attentate verhindern. Wir sehen aber auch, dass die „March for our lives“-Bewegung, trotz aller berechtigten Kritik ein hohes Potential zur Politisierung der SchülerInnen in sich trägt und gute Ansätze liefert, gegen die Waffenlobby zu wirken. Wir stehen deshalb kritisch-solidarisch an der Seite der fortschrittlichen, der antimonopolitischen Elemente der Bewegung und fordern gemeinsam sichere Schulen, in denen man gut lernen kann!

[Max, Solingen]

Dieser Artikel erschien in
POSITION #2/2018
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